
Abbildung 1: 1975 verleiht US-Präsident Gerald Ford dem Wegbereiter moderner Compilertechniken, John Backus, die National-Medaille der Wissenschaft. (Bild: © Virtual Computer History Museum)
“Der größte Teil meiner Arbeit resultierte aus meiner Faulheit” – dieses etwas kokette Resümee zog der kürzlich verstorbene Compiler-Theoretiker John Warner Backus, der hoch dekorierte Erfinder von Fortran und Namensgeber der Backus-Naur-Form.
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Inhalt |
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102 | Bazaar Das Versionskontrollsystem verteilt das Quellcode-Management über die Rechner der Entwickler. 107 | Perl-Snapshot Ein Perl-Skript sichert auch Chat-Protokolle auf dem IMAP-Server. 112 | Forrest Das Benutzen mancher Programme scheitert an der fehlenden Dokumentation. Forrest kann helfen. |
Den Eindruck, dass Fleiß keine dominierende Tugend von John Warner Backus war, hätte man bereits 1943 gewinnen können, als er sich nach seinem recht mäßigen Schulabschluss und ein paar Semestern Chemiestudium an der University of Virginia – ein Wunsch des Vaters – mit 18 Jahren zur Armee flüchtete. John Backus über diese Zeit seines Lebens: “Ich bin jedes Jahr durchgefallen. Ich hasste Studieren. Das hatte die angenehme Konsequenz, dass ich die Sommer in der Sommerschule von New Hampshire nachsitzen musste – dort verbrachte ich dann die meiste Zeit mit Segeln und Partys.” [1]
Das Studium der Mathematik schmiss er ebenfalls wenige Monate vor dem Examen – wegen eines Jobs bei IBM in New York. Bei einer Betriebsführung hatte er sich 1949 in den Selective Sequence Electronic Calculator [2] verguckt. Seine Aufgabe bestand fortan in der Administration und Programmierung des SSEC, was zu dieser Zeit mehr mit feinmechanischen Arbeiten als mit einer Kommandozeile zu tun hatte.
Im Jahr 1954 dann erwies sich die Assembler-Programmierung von Computern als derart unkomfortabel, dass IBM den mittlerweile erfahrenen Programmierer damit beauftragte, eine Arbeitsgruppe zusammenstellen, um die erste Hochsprache zu entwickeln – und dabei zugleich das imperative Programmierparadigma in der Praxis einzuführen. Das Ergebnis, Fortran genannt, wurde 1957 marktreif. Der Entwurf von John Backus enthielt bereits damals alle Merkmale moderner prozeduraler Sprachen, beispielsweise Datentypen, statische Typisierung, Schleifen, bedingte Verzweigung und so weiter.
Backus-Naur-Form
Während der Arbeit an Fortran legte Backus die theoretischen Grundlagen für eine Metasprache, die das Beschreiben kontextfreier Grammatiken erstmals möglich machte. Mit solchen Grammatiken lassen sich alle Eigenschaften von Programmiersprachen widerspruchsfrei formulieren – eine notwendige Voraussetzung für Entwurf und Konstruktion moderner Parser. Erstmals 1959 publiziert ist Backus’ Metasprache heute jedem Informatikstudenten als Backus-Naur-Form (BNF-Notation) bekannt.
In den späteren Berufsjahren widmete er sich funktionalen Programmiersprachen, besonders Function-point, aus der dann der Übersetzer FP [3] entstand. Für seine Arbeiten zeichnete ihn der IEEE 1967 mit dem W. W. McDowell Award aus. 1975 folgte die National Medal of Science [4], im Jahr 1977 die höchste Auszeichnung der Informatik, der A. M. Turing Award der ACM [5].
Im Jahr 1991 zog sich der Vater zweier Töchter aus der Informatik ins Private zurück. 2004 starb seine zweite Frau, Barbara Stannard. Er galt als Anhänger der Lehre von Jiddu Krishnamurti, eines indischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. John Waren Backus starb 83-jährig in seinem Haus in Ashland im US-Bundesstaat Oregon. (jk)

Abbildung 1: 1975 verleiht US-Präsident Gerald Ford dem Wegbereiter moderner Compilertechniken, John Backus, die National-Medaille der Wissenschaft. (Bild: © Virtual Computer History Museum)
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Infos |
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[1] J. J. O’Connor, E. F. Robertson, “John W. Backus”: [http://www-groups.dcs.st-and.ac.uk/~history/Biographies/Backus.html] [2] Bild eines Selective Sequence Electronic Calculator: [http://www-03.ibm.com/ibm/history/exhibits/701/701_coi59.html] [3] FP: [http://en.wikipedia.org/wiki/FP_programming_language] [4] National Medal of Science: [http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_National_Medal_of_Science_winners] [5] Turing Award: [http://awards.acm.org/homepage.cfm?srt=all&awd=140] |
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Der Autor |
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Michael Schaarschmidt ist Administrator für Datenbank- und Informationssysteme im Universitätsrechenzentrum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. |




