Aus Linux-Magazin 04/2007

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Deborphan

Debianer schätzen die Möglichkeit, ihr System ohne Neuinstallation auf einen neuen Release-Stand heben zu können. Um die Waisenkinder der Upgrade-Schlacht kümmert sich Deborphan.

Inhalt

68 | Recent blockiert Mit einer Kombination aus dem Recent-Modul und dem IDS Snort lässt sich eine wirkungsvolle Sperre auch für hartnäckige Störenfriede aufbauen.

72 | Zeus ZXTM 7400 Ausgewogene Verteilung der Last auf die vorhandenen Webserver und Optimierung der Anwendungen, das ist die Aufgabe der getesteten Appliance.

78 | LPI-Kompendium, Teil 9 Diesmal geht es um das Konfigurieren der Linux-Standardshell Bash und das Programmieren einfacher Skripte.

Ein wenig zwickt mich jetzt doch das schlechte Gewissen. Ich habe an dieser Stelle, soweit ich mich erinnere, noch nie eine distributionsspezifische Software vorgestellt. Aber eine Blitzumfrage in meiner örtlichen Linux-Usergroup hat ergeben, dass selbst einige langjährige Debian-Nutzer Deborphan nicht kennen, und das kann einfach nicht so weitergehen. Also los.

Nach einer gewissen Zeit bringen Debian-Systeme eine Reihe von Releasewechseln hinter sich. Wer sich in den Verzeichnissen umsieht, in denen speziell die Bibliotheken schlummern, stellt fest, dass sich dort eine Menge Libs ansammeln, die schon lange das Rentenalter überschritten haben. Debian bewahrt sie lediglich aus einem Grund auf: Man weiß ja nie.

Wer’s ordentlich mag oder knapp mit Plattenplatz bestückt ist, dem eröffnet Deborphan [1] die Möglichkeit, die verwaisten Pakete zu entfernen. Das Tool, es findet sich im normalen Debian-Repository, sucht gezielt nach Paketen, von denen keine weiteren mehr abhängen. Um das abgehängte Software-Prekariat anzuzeigen, genügt bereits der Parameter-lose Aufruf von »deborphan«. Wer den Wirkungsbereich ausweiten möchte, kommt mit

deborphan --all-packages

weiter. Deborphan gibt dabei seine freiwillige Selbstbeschränkung auf die Lib-Verzeichnisse auf und wühlt sich durch alle installierten Pakete. Wenn Deborphan mir ein Paket als verwaist meldet, ich es aber gerne behalten möchte, nutze ich die Keep-Funktion. Der Aufruf von

deborphan --add-keep 
 
  Paketname
 

sorgt dafür, dass Deborphan das Paket in Zukunft ignoriert. Ich dürfte auch mehrere Paketnamen gleichzeitig übergeben, wenn ich die Namen durch Leerzeichen voneinander trenne.

Selektive Schonzeit

Soll ein Paket von der Keep-Liste wieder verschwinden, so funktioniert das analog mit:

deborphan --del-keep 
 
  Paketname
 

Für Kommandozeilen-Allergiker gibt es auch zwei Frontends. Eins heißt Orphaner, es listet die gefundenen verwaisten Pakete übersichtlich auf. Der Benutzer kann dann einzelne oder alle markieren und von Deborphan entfernen lassen (siehe Abbildung 1). Das andere Frontend ist Editkeep. Es behandelt, wie der Name schon andeutet, die Liste der zu verschonenden Pakete (siehe Abbildung 2).

RPM-Abbitte

Um mein Gewissen gegenüber Nicht-Debian-Jüngern zu entlasten, schließe ich mit dem Hinweis, dass es ein ähnliches Paket auch für RPM-basierte Distributionen gibt: Rpmorphan [2]. (jk)

Infos

[1] Deborphan: [http://freshmeat.net/redir/deborphan/1795/url_homepage/deborphan]

[2] Rpmorphan: [http://freshmeat.net/redir/rpmorphanpl/68181/url_homepage/rpmorphan.sourceforge.net]

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ (demilitarisierte Zone). In seiner Freizeit lernt er Japanisch, um endlich die Bedienungsanleitung seiner Mikrowelle lesen zu können.

LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben