Aus Linux-Magazin 09/2006

Fit für den Wechsel? Das große Hotplug-Special

Geräte im laufenden Betrieb einstöpseln und sofort damit arbeiten – das ist für alle Linux-User ein angenehmer Luxus, für jeden Notebookbesitzer und viele Server dagegen ein Muss. Die komplexe Technik dahinter will aber beherrscht sein. Die Grundlage dafür rollt dieser Schwerpunkt aus.

Inhalt

32 | Siegreicher Geräteverwalter Udev, der technisch modernere Nachfolger von Dev-FS, hat sich durchgesetzt.

38 | Ivman steuert Jobs Einstöpsel-sensitive Automatisierung auf ganzer Linie.

42 | Debian-Hotplug erweitern Drei nagelneue Hotplug-Skriptsets, die Debians veraltete »/sbin/hotplug«-Technik ordentlich aufmöbeln.

48 | SATA: Gewusst ob Nur einige SATA-Controller sind Hotplug-fähig. Viel hängt auch vom Treiber ab.

100 | Hardware-Management mit Libhal So ausgestattete C-Programme sind über Gerätewechsel stets im Bilde.

Für ein überflüssiges Luxusproblem hält Hotplug eigentlich nur der, bei dem es nicht funktioniert. Diese Minderheit argumentiert in den einschlägigen “Ich streite mich gern über Grundsätzliches”-Internetforen besonders polemisch, was auf ein gewisses Maß an Kränkung durch Technik schließen lässt. Der große Rest ist eigentlich zufrieden – von den üblichen “Wenn ich …”-Dingen mal abgesehen.

Notebookbesitzer profitieren besonders. Denn Szenarien à la Netzwerkkabel raus, WLAN an, fremder USB rein, externes DVD-Laufwerk her sind bei ihnen Alltag. Früher hatte man bei jeder Aktion drei Konsolen offen, eine mit »cat /proc/X/Y/Z«, eine mit Editor und wechselnden Config-Dateien und eine mit »modprobe« und Verwandten. Wenn dann noch der Linux-fremde Besitzer des zu mountenden USB-Stick daneben stand – na danke!

Auch die großen Server profitieren von Linux’ Hotplug-Talenten, namentlich bei rund um die Uhr laufenden Raidsystemen, externen SCSI-Devices und Hotplug-fähigen PCI-Abkömmlingen. In solchen Setups gilt Verfügbarkeit als Maß aller Dinge. Eine mit redundanten Edelkomponenten vollgestopfte Kiste, die 30 Minuten zum Hochkommen braucht, will kein Admin wegen einer früh verstorbenen Platte rebooten müssen (siehe SATA-Artikel ab Seite 48).

Vorgaben gemacht

Nach der richtigen Distribution suchenden Notebookbesitzern sei gesagt: Welche ist egal, nur sehr neu sollte sie sein. Wer sich an diesen Rat hält, wird mit dem technologisch super modernen Doppel aus Udev und HAL viele Hotplug-Erfolge feiern können. Die Distributionshersteller haben die administrativ relativ komplizierte Technik seit kurzem im Griff. Die Versionen davor versuchten sich mit einem Mischmasch aus alter und neuer Technik – was weder verstanden wurde noch je robust funktioniert hat.

Völlig umstricken lässt sich eine Distribution in der Praxis nicht, aber kleine Anpassungsarbeiten sind möglich und nötig. Dazu ist das Verstehen der Zusammenhänge wichtig – der Artikel ab Seite 32 fördert es. Der nächste Artikel beschreibt eine Software, die konfigurierbar Hotplug-Events mit eigenen Jobs verbindet – Anwendungsfälle gibt’s zuhauf. Den Programmieren-Beitrag ab Seite 100 sollte keiner verpassen, der Anwendungen schreibt, die auf Hotplug-fähige Hardware angewiesen sind. Neben jeder Menge Multimedia-Player und -Editoren fallen auch CD-Brennprogramme oder sich selbst aktualisierende Dateisystembrowser in diese Kategorie. Die beschriebene Libhal informiert nämlich schon laufende Applikationen über jede neue Hardware.

Debian und die namhaften Enterprise-Distributionen hinken Hotplug-technisch dem Zeitgeist hinterher. Sie setzen aus Stabilitäts- und Maintenance-Gründen auf den Daemon »/sbin/hotplug« und auf das unter Linux stets fragile und eben aus dem Kernel geschasste Dev-FS, statt auf Udev/HAL. (Zwischen Dev-FS- und Udev-Verfechtern verläuft eine weitere, gut besuchte Kampflinie Internet-verbaler Scharmützel.)

Anschluss gefunden

Doch Debian-Benutzer brauchen die klugen Köpfe nicht hängen zu lassen: Der Artikel ab Seite 42 gibt ihnen neue Kraft. Der Autor des Betrags, selbst jahrelang Debian-Nutzer auf Notebooks, hat drei Skriptsets programmiert, die Debian (oder anderen »/sbin/hotplug«-basierten Distributionen) zu Hotplug-Funktionen verhelfen, nach denen sich manches Udev-Linux alle zehn Schnittstellen lecken würde.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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