Aus Linux-Magazin 03/2006

Neues von der Community-Distribution

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Die GNU Free Documentation License (GFDL) sorgte bei Debian in den vergangenen Monaten immer wieder für erregte Gemüter. Richard Stallman heizte kürzlich die Diskussion noch einmal an, als er auf einer Emacs-Mailingliste Debian dazu aufforderte, die GFDL endlich zu akzeptieren. Debian vertritt naturgemäß einen anderen Standpunkt und plant, noch vor der Release von Debian Etch die gesamte GFDL-lizenzierte Dokumentation aus der Distribution zu tilgen.

Niederlage für Towns

In der vorangegangenen Debianopolis-Ausgabe ging es unter anderem um die von Ex-Release-Manager Anthony Towns angeregte Abstimmung darüber, ob die Archive der Debian-Private-Mailingliste geöffnet werden sollten. Towns wollte mit seinem Vorschlag die Öffentlichkeit an diesen Diskussionen teilhaben lassen, die ja schon die Gründungsphase von Debian begleiteten und aus denen Grundsatzdokumente wie der Social Contract und auch die Debian Free Software Guidelines hervorgegangen sind.

Als nun Ende Dezember die Frist für den Vorschlag ablief, stand allerdings Towns als Verlierer da [1]. Die Mehrheit der Debian-Entwickler konnte sich nur zu dem vagen Zugeständnis durchringen, dass sie künftig Mails, die über die Debian-Private-Liste laufen, unter gewissen Umständen veröffentlichen.

Erstes Update für Sarge

Ein halbes Jahr hat es bis zum ersten Update für Debian Sarge gedauert. Anders als bei anderen Distributionen fließen in stabile Debian-Versionen nur kritische Korrekturen oder Reparaturen an einem beschädigten Paket ein. Stable-Release-Manager Martin Schulze hat auf [2] alle 189 Sicherheitskorrekturen aufgelistet. Äußerlich ist die aufgefrischte Distribution an der Versionsnummer 3.1r1 zu erkennen. Alle Korrekturen waren zuvor über die Debian-FTP-Server zugänglich. Wer ein gepatchtes Sarge-System hat, braucht kein neues.

Bericht zum Etch-Fahrplan

Andreas Barth, Mitglied im Debian-Release-Team, hat auf der Debian-Devel-Announce-Liste [3] über den Fortschritt der kommenden Debian-Release Etch berichtet. Der im Dezember 2005 festgelegte Zeitplan sei bis jetzt eingehalten worden und die Requalifizierung der verschiedenen Architekturen habe stattgefunden, schreibt Barth.

Derzeit ist Etch für acht Architekturen geplant. Im Zuge der Requalifizierung haben Entwickler alle in Sarge enthaltenen Architekturen auf bestimmte Vorgaben hin abgeklopft. Zum Beispiel wie viele Pakete des Debian-Archivs dafür existieren und ob sie funktionstüchtig sind. Erfüllt eine Architektur die Kriterien nicht, wird sie vorläufig ausgeschlossen. In zwei Monaten gibt es eine weitere Qualifikationsrunde.

Handlungsbedarf sieht Barth bei den Release-kritischen Fehlern. Im Bug-Diagramm [4] war der Graph dafür in den letzten Monaten in die Höhe geschossen (Abbildung 1). Das Release-Team hat daher die von Sarge bekannten Regeln reaktiviert. Sie besagen, dass jeder Entwickler ein Paket hochladen darf, wenn es kritische Fehler behebt und der Paket-Maintainer informiert ist. (uba)

Abbildung 1: Die Anzahl Release-kritischer Fehler schoss bei Debian in den vergangenen Monaten in die Höhe, das soll sich jetzt ändern.

Abbildung 1: Die Anzahl Release-kritischer Fehler schoss bei Debian in den vergangenen Monaten in die Höhe, das soll sich jetzt ändern.

Infos

[1] Website zum Wahlergebnis: [http://www.debian.org/vote/2005/vote_002]

[2] Meldung zu Debian Sarge 3.1r1: [http://www.debian.org/News/2005/20051220]

[3] Mail von Andreas Barth im Archiv: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2006/01/msg00001.html]

[4] Debian-Bug-Diagramm: [http://bugs.debian.org/release-critical/]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Schüler aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit dabei, die Debian GNU/Linux-Distribution weiterzuentwickeln. Momentan arbeitet er am Debian-Desktop-Projekt.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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