Oracle hat unter Open-Source-Anhängern nicht gerade gutes Karma, doch in einem Interview spricht der Senior Vice President für Linux und Virtualisierung, Wim Coekaerts, von den “gleichberechtigten Partnern Solaris und Linux” und erläutert die Hintergründe der Entwicklung rund um Ksplice, ZFS und Dtrace.
“Das Solaris-Team stellt neue Entwickler ein, und wir [das Linux-Team] ebenfalls. Wir wollen beide Systeme besser machen, da gibt es keine Präferenz.” sagt Wim Coekaerts (hier sein Blog), als Senior Vice President bei Oracle für Linux und Virtualisierung zuständig, in einem Interview mit der amerikanischen IT-Webseite Serverwatch (Video). Vor dem Kauf von Sun habe man bei Oracle fast alles auf Linux betrieben. Wir hatten schätzungsweise fünf Systeme, die allesamt nicht auf X86-Plattformen basierten, beispielsweise große Sparc-Maschinen. Heute ist das gemischt.”
“Ein Linux-Kerl”
“Es gab aber bei der Übernahme keine Entscheidung, einfach alles zu ersetzen. Wenn wir jetzt neue Infrastruktur ausrollen, dann schauen wir, was uns im Einzelfall als besser geeignet erscheint. Wir sind eben weder Linux-only noch Solaris-only.” sagt der VP, der sich bei Kunden gern mit den Worten vorstellt “Ich bin ein Linux-Kerl, ich bin hier, um Linux zu präsentieren.” (siehe gegen Ende des Videos).
Ksplice kommt nicht auf Solaris
Die Entwicklung der beiden Systeme treiben zwei verschiedene Entwicklergruppen voran, die natürlich viel miteinander kommunizieren, aber keinen Code teilen. Das wäre auch lizenzrechtlich schwierig, denn Solaris ist proprietär. Doch gerade die Oberflächen – also “Alles, was der Kunde sieht, wird natürlich viel diskutiert.”, so Coekaerts. Im Ergebnis kommen dann Technologien wie Ksplice (das unter Linux Updates ohne Reboot erlaubt) nicht 1:1 auf Solaris, das Team werde keinen Ksplice-Code verwenden, aber Oracle will auch dort die gleiche Funktionalität bieten – und entwickelt selbst.
ZFS auf Linux ist unnötig, weil Btrfs ausreicht
Umgekehrt solle ZFS nicht auf Linux portiert werden, weil das eben eine “speziell für Solaris entwickelte Technologie” sei. Btrfs biete Coekaerts zufolge in vielen Aspekten ähnliche Ideen und mache den ZFS-Port mittlerweile unnötig. Andererseits könne Linux beispielsweise von Tools wie Dtrace profitieren. Das umfangreiche Tracing-Paket haben die Entwickler unter Solaris 10 eingeführt, der Code steht unter Suns CDDL-Lizenz zur Verfügung. “Wir haben bereits einen recht fortgeschrittenen Port von Dtrace für Linux am Laufen”.




