Aus Linux-Magazin 06/2012

Samba 4 von Univention und Sernet im Vergleich

© Val Thoermer , Fotolia

Die Samba-4-Implementierungen kommen – endlich: Nachdem Univention Anfang des Jahres die “erste Linux-Distribution mit Active-Directory-Server” vorstellte, zog Sernet nach und präsentierte ein eigenes Installationsimage, das das Aufsetzen eines Linux-basierten AD-Domänencontrollers einfach macht.

Manche Sachen brauchen einfach etwas länger. Am 23. August 2004 veröffentlichte Volker Lendecke aus dem Samba-Entwicklerteam ein Paper unter dem Titel “Advances in Samba 4” [1]. 18 Monate vorher habe man mit der Aufgabe begonnen, einen Samba-Server zu entwickeln, der als Active-Directory-Domänencontroller für Windows XP dienen könne.

10 Jahre Entwicklung

Der tatsächliche Erscheinungstermin der vierten Ausgabe des SMB-Servers hat seitdem auf sich warten lassen. Doch nach fast zehn Jahren Entwicklungszeit steht Samba 4 nun wirklich vor der Tür, wie der Linux-Distributor Univention als Erster zeigte.

Auf der Cebit 2012 präsentierten die Bremer ihre eierlegende Wollmilchsau für Unternehmensnetze namens Univention Corporate Server stolz als “die erste Linux-Distribution mit vollständigem AD-Server” [2]. Wenige Wochen später brachte Samba-Entwickler Sernet [3] eine kostenlose Debian-Appliance auf den Markt, und zwar mit einem von den Programmierern um die Samba-Urgesteine Lendecke und Loxen entwickelten Installations- und Konfigurations-Utility namens Dcpromo.

Sernet

Ein Unterschied zwischen den beiden Lösungen ist schnell ausgemacht: Während Univention seine Variante bereits verkauft, supportet und von guten Ergebnissen berichtet, verhält sich Sernet zurückhaltend und warnt davor, das ISO-Image im Produktiveinsatz zu verwenden. Als Gründe für seine Zurückhaltung nennt der Hersteller auf Nachfrage fehlende Features (signierte DNS-Updates), mögliche Instabilitäten (Datenbankformat, Schemacode), verbesserungsfähige Usability und fehlende Updates für die Appliance.

Aber es werde noch vor der finalen Ausgabe von Samba 4 Versionen des ISO-Image geben, die über den Proof-of-Concept-Status hinausgingen. Der Alphastatus solle interessierten Anwendern nur einen Einblick in die aktuelle Entwicklung von Samba geben, sagt Michael Adam von Sernet dem Linux-Magazin. Und das gelingt überraschend gut.

Während ein Admin sich etwa bei Ubuntu mit der Konfiguration der »/etc/samba/smb.conf« selbst auseinandersetzen muss, übernimmt das bei Sernets Variante das Tool »dcpromo« . Nach der typischen Debian-Installation erhält der Anwender das in Abbildung 1 gezeigt Ncurses-basierte Interface, in dem er die Daten seiner Testdomäne einträgt. Das sollte selbstverständlich in einem separaten, idealerweise einem virtualisierten Testnetz erfolgen, damit keine Probleme mit bestehenden Windows-Domänen (und DHCP-Servern) auftreten.

Abbildung 1: Der Installer von Sernet arbeitet mit Ncurses, was der Funktionalität aber keinen Abbruch tut.

Abbildung 1: Der Installer von Sernet arbeitet mit Ncurses, was der Funktionalität aber keinen Abbruch tut.

Nach wenigen Eingaben rattert Dcpromo los und hinterlässt eine Active-Directory-Domäne, die im Test keine Schwächen aufwies. Sie verhält sich wie ein Windows 2003 Server und bindet Windows XP, 7 und 2008r2 Server (als AD-Clients) problemlos ein und lässt sich ebenso fehlerfrei mit den Standard-Admin-Tools [4] verwalten.

Die Autoren des Artikels konnten im Test problemlos User anlegen, verschieben, Home-Laufwerke definieren und Einstellungen für Gruppen vornehmen. Computerkonten ließen sich hinzufügen und verschieben, Gruppenrichtlinien einrichten, verschiedenen Organisationseinheiten zuweisen und an mehreren Rechnern mit unterschiedlichen Betriebssystemen erfolgreich testen.

Allerdings klappt das zurzeit nur mit einem Single-Domänencontroller, mehrere parallele Setups unterstützt die Sernet-Variante nicht. In einer neuen Version, die nach Redaktionsschluss der DELUG-DVD eintraf, lässt sich nach Auskunft der Entwickler auch ein DNS-Forwarder im Samba-DNS-Server eintragen, was bisher nicht funktionierte. Das im FTP-Verzeichnis enthaltene Readme gibt Aufschluss über den aktuellen Stand der Entwicklungen.

DELUG-DVD

Auf der DELUG-DVD findet sich ein Schwerpunkt zum Thema Samba 4. Neben zwei virtuellen Images (Univention und Ubuntu) liegen das ISO-Image der Sernet-Appliance und ein ausführliches Video mit Samba-Entwickler Michael Adam von Sernet aus dem “Cebit Open Source Forum”.

Univention

Mit einem anderen Anspruch tritt Univention [5] an. Der Hersteller definiert den Corporate Server UCS als die Linux-Komplettlösung für Unternehmen und integriert zahlreiche Funktionen in ein zentrales LDAP, die weit über bloßes Samba hinausgehen. Jüngste Erweiterungen waren Dokumentenmanagement oder Desktopvirtualisierung [6]. Auch eine Groupware bringt Univention mit, der Anwender kann zwischen Kolab, Open Xchange und Zarafa wählen.

Deutlich mehr als nur ein Samba-Server

Dementsprechend umfassend präsentiert sich bei der Installation das Auswahlmenü für die zu installierenden Softwarekomponenten (Abbildung 2). Für den Test von Samba 4 reicht es aus, die Funktion des Windows-Domänencontrollers zu aktivieren und den Rest der Installation geduldig durchzugehen.

Abbildung 2: Dass Univentions Corporate Server deutlich mehr kann als nur Samba 4, zeigt sich dem Admin, der die Bremer Linux-Distribution selbst installiert, schon bei der Auswahl der Komponenten.

Abbildung 2: Dass Univentions Corporate Server deutlich mehr kann als nur Samba 4, zeigt sich dem Admin, der die Bremer Linux-Distribution selbst installiert, schon bei der Auswahl der Komponenten.

Die beruht in den ersten Schritten ebenfalls auf Ncurses, viele weitere Aufgaben erledigt der Admin jedoch dann in dem gefälligen Webinterface, das Univention 2011 deutlich aufgehübscht hat. In der virtuellen Maschine auf der DELUG-DVD landet der Anwender gleich im GUI aus Abbildung 3, eine detaillierte Anleitung findet sich auf [7].

Abbildung 3: Univentions Corporate Server bringt – nach den ersten Schritten – ganz klar das gefälligere Installations-GUI.

Abbildung 3: Univentions Corporate Server bringt – nach den ersten Schritten – ganz klar das gefälligere Installations-GUI.

Wie zu erwarten war, leistet sich auch Univention nur wenige Schwächen. Ist die Domäne erst einmal aufgesetzt, funktioniert auch der Bremer Linux-Server wie ein Windows 2003 Server mit Active-Directory-Funktionen. Abbildung 4 zeigt Microsofts Remote-Server-Verwaltung (oben Sernet, unten Univention) mit Windows 7 und Server 2008.

Abbildung 4: Sowohl Sernets Appliance (oben) als auch Univentions System (unten) leisten sich keine großen Schwächen und integrieren sich problemlos als Active-Directory-Domänencontroller in die gängigen Administrationstools der Windows-Admins, hier bei der Verwaltung der Gruppenrichtlinien.

Abbildung 4: Sowohl Sernets Appliance (oben) als auch Univentions System (unten) leisten sich keine großen Schwächen und integrieren sich problemlos als Active-Directory-Domänencontroller in die gängigen Administrationstools der Windows-Admins, hier bei der Verwaltung der Gruppenrichtlinien.

Samba 4: Das Warten hat ein Ende

Die beiden Samba-4-Varianten hinterlassen einen guten Eindruck und integrieren trotz ihres frühen Status – die Samba-Pakete tragen die Version »alpha18« (bei Univention) oder »alpha19« (bei Sernet) – Windows-Clients überraschend gut. Die typischen Management-Tools der Redmonder funktionieren problemlos mit beiden Kandidaten, auch ein Netapp-Storage, der ohne Samba auskommt und für den der Hersteller eine Original-Lizenz für CIFS von Microsoft eingekauft hat, arbeitet problemlos mit beiden Installationen zusammen.

Die Tatsache, dass Samba 4 nur das Betriebsschema eines AD-Controllers auf der Basis von Windows Server 2003 implementiert, verursacht keine Probleme, da sich auch die neueren Windows-Systeme automatisch darauf einstellen. Offenbar hat nun das lange Warten auf Samba 4 ein Ende.

Infos

  1. Advances in Samba 4 (2004): http://www.samba.org/samba/news/articles/samba4_vl.pdf
  2. Univention kündigt Samba 4 an: https://www.linux-magazin.de/NEWS/Neues-Interface-und-Active-Directory-Domaenencontroller-Univention-Corporate-Server-3.0
  3. Samba-4-Appliance von Sernet: https://www.linux-magazin.de/NEWS/Samba-4-Appliance-von-Sernet
  4. Microsofts Remote-Server-Verwaltung: http://www.microsoft.com/download/en/details.aspx?id=7887
  5. Univention: http://www.univention.de
  6. Andrej Radonic, “Virtuell serviert”: Linux-Magazin 12/11, S. 72
  7. Inbetriebnahme und Konfiguration desUnivention-Demosystems: http://wiki.univention.de/index.php?title=Inbetriebnahme_und_Konfiguration_des_VMware_Demosystems
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