“Bless” bedeutet Tschüß auf isländisch, und die isländische Regierung verabschiedet derzeit Microsofts Produkte aus der IT des nördlichsten europäischen Landes. Der öffentliche Sektor solle komplett Open Source werden. Einen konkreten Zeitplan gibt es zwar nicht, aber die ersten Erfolge sind bereits sichtbar.
Nach der Vorreiterrolle bei alternativen Energien und in Sachen Datenschutz scheint sich Island aufzumachen, auch als Fürsprecher und Anwender von freier Software die Messlatte hoch zu legen. Wie ZDnet.co.uk meldet, verabschiedet sich Island derzeit von proprietärer Software im öffentlichen Sektor und will auf breiter Front Linux und Open-Source-Software einsetzen.
Gefragt nach den Möglichkeiten und Problemen, die der Verzicht auf bestehende, teils tief in die Behörden-IT integrierte Konzepte auf der Basis von Oracle oder Branchenlösungen mit sich brächte, antwortete der Projektleiter des isländischen OSS-Projektes, Tryggvi Bjorgvinsson: “Die Kosten sind das eine, natürlich eine der wichtigsten Faktoren heutzutage, aber wir wollen auch mehr Gleichberechtigung zwischen der Software. Die Regierung muss Open Source unterstützen, gerade weil es da noch nicht viele Dienstleister gibt.” Einen konkreten Zeitplan nennt der Verantwortliche nicht, doch alleine die Tatsache, dass beispielsweise Ubuntu so viel besser mit älterer Hardware zurecht komme als Microsofts Betriebssysteme, ermögliche große Einsparungen bei der Anschaffung neuer Rechner.
Vorbildrolle
Man hoffe, so ZDnet, dass Island durch eine Reihe von Pilot Projekten Migrationspfade aufzeigen könne, die anderen Projekten, Institutionen oder auch Ländern helfen, eigene Konzepte zu entwickeln. Fünf der 32 Grundschulen Islands seien bereits erfolgreich von Windows auf Ubuntu umgestiegen, manche auch bereits von Word auf freie Office-Produkte oder die E-Learning-Plattform Moodle. In Behörden spiele Enterprise Software wie Asterisk eine Rolle, die größten Probleme bereiten Bjorgvinsson zufolge Offene Standards: Die werden von proprietärer Software in der Regel nur unzureichend unterstützt, so dass etwa die Schulen, die noch Microsofts Office einsetzen, freie Formate wie ODF nicht öffnen könnten.
Islands Strategie lehne sich stark an die in Großbritannien 2011 beschlossene Cloud und Open-Source-Strategie an, die mehr Freiheit, Flexibilität, Konsolidierung und Open-Source-Software als Ziel vorgibt. Bjorgvinsson erklärt: “Das einzige, was wir dem hinzugefügt haben, ist dass Schüler auch die Gelegenheit bekommen sollen, über Open Source zu lernen.”




