Ein ungewöhnliches Buch stellt die Vielfalt des Enzyklopädie-Projekts Wikipedia dar. Der zweite Titel beschäftigt sich mit der Linux-Standardshell Bash.
Zum zehnten Geburtstag der freien Enzyklopädie Wikipedia Anfang 2011 sollte es eigentlich vorliegen: Das Buch “Alles über Wikipedia” hat dann aber doch bis Herbst 2011 gebraucht. Der Herausgeber Wikimedia Deutschland e.V. hat es angeschoben, koordiniert und dem Verlag gegenüber die freie Lizenz CC-by-sa 3.0 durchgesetzt. Rund 100 Autoren sind zwischen den Buchdeckeln vereint.
Zu Gast bei Wikipedia
Was sich nach außen hin wie ein normales Sachbuch präsentiert, ist innen etwas völlig anderes. Wer erwartet, dass ihn ein oder mehrere Autoren mit neutraler Distanz und einheitlicher Führung mit den Hintergründen und Innereien von Wikipedia vertraut machen, wird mindestens irritiert, wenn nicht enttäuscht. Das Inhaltsverzeichnis verspricht noch plausible Sinneinheiten wie Geschichte, Artikelentstehung, Freiwilligenmotivation und Technik.
Doch fängt man an zu lesen, ist es mit der Ordnung vorbei: Abhandlungen, die erkennbar von Fachleuten geschrieben sind, wechseln sich ab mit persönlichen Geschichten und Anekdoten. Einseiter und Sitcom-Stückchen folgen auf zehnseitige Beiträge mit seitenlangen Fußnotenlisten. Der Stil wechselt ebenso rasch wie der Textgegenstand.
Die Beiträge spiegeln Wikipedia wider: uneinheitlich, leidenschaftlich, geltungsbedürftig und sehr menschlich. Sie führen den Leser glaubwürdig hinter die Kulissen der (deutschen) Wikipedia. Im Vorbeigehen nimmt er Informationen zur Entstehungsgeschichte, zur inneren Struktur und zur Technik mit.
Zur Wissenserweiterung im herkömmlichen Sinn eignet sich das Buch aber nicht. Dafür ist der Großteil zu erzählend, zu subjektiv und bleibt zu sehr der Innensicht verhaftet. Sachlich interessierte Leser sollten das Buch daher nur kaufen, wenn sie die Projektarbeit honorieren wollen. Den Sympathisanten beschert das Buch hingegen neben den Einblicken vor allem menschliche Nähe und Kurzweil – ein Besuch bei Wikipedia.
Info
Wikimedia Deutschland e.V. (Hrsg.):
Alles über Wikipedia
Hoffmann und Campe, 2011
350 Seiten
17 Euro
ISBN 978-3-455-50236-7
Verwirrung um die Bash
Der Klappentext des Bash-Buches aus dem Verlag Open Source Press legt die Messlatte hoch: Es sei für Einsteiger ein Lehrbuch zum Arbeiten und Programmieren mit der Bash, auch Berufsadministratoren fänden vieles, was in Manpages oder Onlinequellen nur am Rande besprochen würde.
Diesem Anspruch wird der Buchinhalt leider überhaupt nicht gerecht. Um ein Bild zu bemühen: Das Buch mäandert wie ein träger Fluss. Es kommt an vielen Themen vorbei, an manchen auch mehrfach. Andere, wichtige Themen bleiben dagegen unberührt.
So scheinen interaktive Shells für den Autor Christian Meißner nicht zum Thema “Arbeit mit der Shell” zu gehören. Das Prinzip der Historie, Editieren der Kommandozeile, wichtige Tastenkombinationen – all das kommt in dem Buch genauso wenig vor wie die unterschiedlichen systemweiten und benutzerspezifischen Initialisierungsdateien. Da verwundert es nicht, dass auch die verschiedenen Typen (interaktive, Login-, normale Shell) keine Erwähnung finden.
An der Beschränkung des Platzes kann es nicht liegen. Auf fast zehn Prozent des Buches breitet Meißner “Tools für den Alltag” aus. Warum »cat« dazugehört, »ls« aber nicht, bleibt genauso ein Rätsel wie die Motivation, in einem Buch über die Bash einige Unix-Standardkommandos zu besprechen.
Die weiteren Kapitel und Abschnitte behandeln tatsächlich verschiedenste Bash-Themen, jedoch wild verstreut über das Buch. Variablen führt der Autor etwa in einem Unterabschnitt zu “Bash Reloaded” ein, danach behandelt er Grundparadigmen der Bash – davon kennt er allerdings genau zwei. Dazu gehören die Variablen wie so viele andere Sprachelemente aber offensichtlich nicht. Anschließend bekommen sie aber gleich ein gesamtes Kapitel gewidmet.
Die einzelnen Kapitel dieses Buches sind an sich nicht schlecht, aber sie gehören dringend systematisch angeordnet. Der Leser sollte sich bis zum Erscheinen der zweiten Auflage gedulden und in der Zwischenzeit auf das Standardwerk aus dem Linux Documentation Project ausweichen, den “Advanced Bash-Scripting Guide”. (mhu)






