Hilflos vor einem Notebook mit leerem Akku sitzen und keine Steckdose in Reichweite – das zählt zum Erfahrungsschatz jedes Nutzers. Das Linux-Magazin hat seine Leser gefragt, welche Reserven sie für das nötige Quäntchen Notstrom ausschöpfen. Dieser Artikel dokumentiert die besten Tipps.
Ob mit Skripten, einer stromsparenden Distribution oder einem zusätzlichen Akku: Die Linux-Magazin-Leser haben ihre eigenen Mittel und Wege gefunden, die Laufzeit zu verlängern.
Skriptbasiert
Frank Steinborn: Mit einem Shellskript (Listing 1) aktiviere ich für alle angeschlossenen USB-Geräte Autosuspend. Oft reicht es nicht, dem USB-Kernelmodul den Schalter »autosuspend=1« mitzugeben.Des Weiteren kann man vielen USB-Geräten mitteilen, wie aggressiv sie Energie sparen sollen. Viele haben diese Energiesparmodi aber deaktiviert. Es bietet sich an, dem Kernel die Entscheidung darüber zu überlassen, indem man »auto« in die entsprechenden Dateien im Sys-Filesystem schreibt (Listing 2).
Listing 1
Autosuspend aktivieren
01 for f in /sys/bus/usb/devices/*; do 02 if [ -f $f/power/autosuspend ]; then 03 echo 0 > $f/power/autosuspend 04 fi 05 done
Eventuelles Swapping bewirkt, dass die Platte unnötig oft einen Spinup durchführen muss. Folgendes Kommando schafft Abhilfe:
echo 0 > /proc/sys/vm/swappiness
Die nächste Option habe ich von Lesswatts.org [1] übernommen. Dort ist die Option »sched_mc_power_savings« beschrieben, zu finden unter »/sys/devices/system/cpu/« . Damit lassen sich die Multicore-Einstellungen tunen. Defaultmäßig sind diese für optimale Leistung auf 0 gesetzt. Ändert man den Wert bei geringer Systemauslastung auf 1, verteilt Linux die Last erst dann, wenn ein Core ausgelastet ist. In Anwendungsszenarien, in denen es Leerlauf gibt, lassen sich mit der Einstellung dieses Werts signifikante Energieeinsparungen erreichen.
Listing 2
Der Kernel entscheidet
01 for f in /sys/bus/usb/devices/*; do 02 if [ -f $f/power/level ]; then 03 echo auto > $f/power/level 04 fi 05 done
Die eher bekannten Optionen (wie »laptop_mode« und »dirty_writeback_centisecs« ) spare ich aus. Oben genannte Methoden laufen bei mir in einem Skript, das Cron alle 10 Minuten aufruft. Das ist nicht sonderlich elegant, allerdings sind die modernen GUI-Powermanager dafür bekannt, diese Optionen gern zu überschreiben. Auch Dienste wie Acpid oder Upower neigen dazu.
Distributionswechsel
Georg Eckert: Die auf Ubuntu basierende Linux-Distribution Bodhi Linux [2] wird mit dem Ziel entwickelt, sehr energiesparend zu arbeiten, als Fenstermanager kommt darum Enlightenment zum Einsatz. Die Systemanforderungen sind ebenfalls sehr niedrig angesetzt, sodass es auch nur zu einer geringen Belastung des Systems kommt.
Schongang für Akkus
Florian Weile: Nachdem ich meinen alten Akku auf 14 Prozent seiner Kapazität runtergewirtschaftet hatte, habe ich mir einen neuen gekauft. Ich handhabe das nun folgendermaßen: Zu Hause nutze ich den alten, schwachbrüstigen Akku mit dem Netzteil. Zieht man den Netzstecker ab, reicht die Restkapazität immer noch für 15 Minuten Akkubetrieb. Unterwegs setze ich den neuen Akku ein. So erspare ich ihm schädliche Ladezyklen. Er ist nach einem Jahr immer noch in Topform.
Um auf Reisen lange Saft zu haben, benutze ich einen Teil der Tunables von Powertop. Den Löwenanteil spart aber mein Bildschirm-aus-Skript: »xset -display $DISPLAY dpms force off« . Es liegt auf einem eigenen Button und ich führe es auch aus, wenn ich nur kurzzeitig etwas anderes mache.
Infos
- Lesswatts.org: http://microformats.org
- Bodhi Linux: http://www.bodhilinux.com





