In Heilbronn hocken BSD-Unixer und Tux-Freunde zusammen an einem Tisch und arbeiten in verschiedenen Projekten an der Verbreitung freier Software.
Gehen Sie mal zum Linux-Tag und stellen Sie fest, wo wir Linux in unserer Behörde sinnvoll einsetzen können, so hatte der Chef einen klaren Auftrag erteilt. Der Autor dieses Beitrags war 2001 der Empfänger dieser Botschaft.
Sicher war es langfristig sinnvoll, Gleichgesinnte aus der Region zu finden. Schließlich wird man auf einem Linux-Tag nicht alle Fragen los. Das Ergebnis der Recherche fiel enttäuschend aus: “Nein, im Raum Heilbronn gibt es keine Usergroup”, so war von einem alten Linux-Hasen in Stuttgart zu hören, der gerade begeistert die Aktivitäten des letzten Linux-Camps vorgestellt hatte.
Doch bevor sich Resignation breit machen konnte, fasste der Befragte nach: “Woher kommst du denn?” Die Antwort des Linux-Tag-Besuchers lautete: “Aus Gundelsheim am Neckar!” “Tja, da gibt es tatsächlich keine Linux Usergroup. Aber an dem Stand dort drüben gibt es mindestens zwei Typen, die aus Gundelsheim kommen.”
Schnell kam ein erster Kontakt zustande und knapp drei Monate später wurde der Gundelsheimer Computerclub, der GCC, aus der Taufe gehoben, der – sein Name deutet es ja bereits an – so etwas wie die erste Heimat für die späteren Gründungsmitglieder der LUUG Heilbronn war.
Gundelsheimer CC
Bald schon stellte sich heraus, dass es neben den Vertretern der Fensterwirtschaft auch solche gab, die ein Betriebssystem einsetzten. Warum also nicht zwei Clubs aufmachen? Spiele-Abende abhalten und daneben ernsthaft arbeiten, das klang schließlich prima. Damit war der Weg für eine LUG frei.
Obwohl der besagte Linux-Tag-Besucher später absoluter Tux-Fan wurde, musste er sich dennoch beruflich mit AIX (der Unix-Variante von IBM) befassen. Andere wiederum plädierten eher für das Betriebssystem FreeBSD als für Linux. Die dritte Gruppe hatte sich das neue OS X von Macintosh auf die Fahne geschrieben. Und auch Sun-Solaris-Jünger waren in der Gruppe vertreten.
Alle Mann ins Boot
Da man alle Unixer in ein Boot holen und niemanden ausgrenzen wollte, beschloss man unter LUUG Heilbronn (Linux Unix User Group Heilbronn) zu firmieren. Klar war dabei von Anfang an – der Name sagt es schon – dass Linux nicht zu kurz kommen sollte.
Und so ist es auch geblieben: Während einige Mitglieder die Linux-Camps oder Linux-Tage besuchen und mit anderen Leuten oder Computerclubs Kontakt halten, unterstützen andere aktiv die Neueinsteiger, sei es mit Artikeln, Berichten oder Kurzanleitungen.
Wieder andere, etwa der inoffizielle Chef Tim Weippert, kümmern sich um die strategische Ausrichtung der LUUG Heilbronn und organisatorische Fragen bei den Treffen. Auf diese Weise hat jeder seine Aufgabe gefunden und jeder hilft jedem mit oft ganz unkonventionellen Ratschlägen und Tipps.
Insofern kann man Linux-Anfänger im Heilbronner Raum nur fröhlich ermutigen, sich einfach mal auf LUUG-Abenden sehen zu lassen. Experten sind natürlich auch sehr herzlich willkommen, etwas lernen kann man schließlich bei den Abenden fast immer.
Eintritt frei
Eintritt oder ein Club-Beitrag wird übrigens nicht verlangt, man trifft sich in einem (und bei schönem Wetter auch mal außerhalb) herrlichen Restaurant, dem sehr geräumigen Jägerhaus am Heilbronner Waldrand.
Der angebliche Nachteil, dass es sich um keine reine LUG handelt, wird schnell kompensiert: Man sieht über den Linux-Tellerrand hinaus und erhält auf diese Weise wesentlich mehr Informationen über die verschiedenen Unix-Varianten. So fanden zum Beispiel schon Vorträge über das Konzept des freien Betriebssystems GNU/Hurd statt.
Allgemeine Themen, wie das neue Netzwerkprotokoll IPv6 stehen hin und wieder ebenfalls auf dem Programm. Daneben kommen aber auch Linux-Themen nicht zu kurz und die alten Hasen geizen nicht mit Informationen, warum etwas wie funktioniert.
Die Treffen bestehen gewöhnlich aus einem offiziellen Teil, bei dem es entweder um Dinge geht, die alle Mitglieder betreffen, oder Workshops beziehungsweise dem Vortrag eines Mitglieds, das sich mit einem ganz speziellen Thema befasst hat.
Damit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, gibt es danach immer einen ausreichend langen inoffiziellen Teil, bei dem nach Herzenslust gefachsimpelt oder auch ganz allgemein bei Bier und deftigen Speisen diskutiert werden kann.
Dass dieses Konzept aufgeht und im Heilbronner Raum ein echter Bedarf an solchen Treffen besteht, das zeigt die stetig nach oben weisende Anzahl der Leute, die bei den Treffen vorbeischauen – und bleiben, auch wenn’s bald Mitternacht wird.
Spaß muss sein
Waren am Anfang sechs oder sieben Leute zugange, kann man heute locker um die 20 Personen zählen, im Alter zwischen 17 und 35 Jahren. Man kann schon sagen, dass durchweg alle Leute, die einmal hereingeschnuppert haben, später regelmäßig auch zum LUUG-Abend kommen. Mitglied werden ist auch kein Problem: Kommen. Neue Freunde finden. Dazugehören. So einfach ist das!
Vielfalt
Das Interessante an der LUUG Heilbronn ist die Vielfalt der Menschen, die sich bei den LUUG-Abenden treffen. Einige kommen aus der IT-Branche (Systemadministratoren und Wirtschaftsinformatiker sind gleichermaßen vertreten), andere setzen privat auf Linux oder verwenden eine andere Unix-Variante.
So unterschiedlich die Leute sind, so unterschiedlich sind auch ihre Interessensgebiete. Während die einen am liebsten eine private Richtfunkstrecke aufbauen würden, sind andere Mitglieder regelrechte Skript-Fanatiker, befassen sich mit KDE oder den Möglichkeiten, die Gimp bietet.
Alles in allem ist die LUUG Heilbronn ein Schmelztiegel für Leute mit unterschiedlichen Kenntnisse, sie haben zueinander gefunden, um sich über Linux und Unix auszutauschen. (agr)
Infos |
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Webseite: [http://www.luug-hn.org] E-Mail: [weiti@topf-sicret.de] Telefon: 07131/57 72 04 Mitgliederzahl: rund 20 Personen Gründung: Anfang 2002 Ort und Zeit der Treffen: In 14-tägigem Rhythmus, dienstags 19 Uhr, Jägerhaus Heilbronn, bitte vorher Webseite abfragen Aktivitäten: Vorträge, Diskussionen, Workshops, Installationspartys |
Interview mit Michel Wollert, LUUG-Mitglied |
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Michael Wollert ist 21 Jahre alt und als Administrator und Programmierer in einer Druckerei in Brackenheim in der Nähe von Heilbronn beschäftigt. Seit einigen Monaten nimmt er an den LUUG-Abenden teil. Linux-Magazin: Wie bist du das erste Mal mit Linux in Berührung gekommen beziehungsweise woher hast du von dem freien Betriebssystem erfahren? Michael Wollert: Als mein Bruder und ich einmal in einer Zeit der Neuorientierung – das Lieblings-Betriebssystem betreffend – waren, hatte mein Bruder eine CD-ROM mit Linux mitgebracht. Da Linux zu dieser Zeit noch nicht so einfach zu bedienen war und sich nicht so einfach wie heute konfigurieren ließ, haben wir Linux schließlich doch nicht eingesetzt. Das liegt aber schon Jahre zurück. In der Zwischenzeit habe ich Linux wieder neu für mich entdeckt. Linux-Magazin: Was hat dich an Linux als Betriebssystem fasziniert? Michael Wollert: Ich möchte hier etwas weiter ausholen: Wenn ich von Linux rede, interessiert mich ein einzelnes Betriebssystem-Feature eher am Rande. Wichtig ist die Einsatzfähigkeit in Form einer Distribution. Die Möglichkeiten, die sich einem mit Linux eröffnen, sind vielfältig. Zudem ist da der Aspekt Freiheit: Jeder Linux-Benutzer kann – entsprechendes Wissen vorausgesetzt – eigene Features einbinden, die er gerade benötigt. Zudem spricht die Geschwindigkeit, mit der Bugs behoben werden, für Linux. Linux-Magazin: Warum hast du dich entschlossen einer LUG beizutreten? Michael Wollert: Gut, jeder sitzt viele Stunden am Tag vor dem Rechner – irgendwie fehlt einem dabei doch mit der Zeit die menschliche Note. Und diese bietet mir einfach eine L(U)UG. Wenn es sich dabei um Gleichgesinnte handelt – warum nicht? Linux-Magazin: Informationen über Linux gibt es im Internet. Was findest Du in einer LUG, dass es nicht im Netz gibt? Michael Wollert: Menschen können zeigen, wie man es noch besser macht: Programme bedienen, neue Software entwickeln und vieles mehr. Die Howtos sagen einem ja nur, wie man es macht. Linux-Magazin: Kannst du die Atmosphäre beschreiben, die bei deinem ersten LUG-Treffen herrschte? Michael Wollert: Ich sah überall entspannte und gut gelaunte Menschen. Linux-Magazin: Verdienst du dein Geld mit Linux und freier Software? Michael Wollert: Nein, leider nicht. In dem Bereich, in dem ich arbeite, einer Druckerei, gibt es derzeit keine ernsthaften freien Alternativen. Ich denke, dass dies auch noch lange so bleiben wird. Linux-Magazin: Konntest du aus deiner LUG-Mitgliedschaft Vorteile für einen anderen Bereich ziehen, eventuell im Beruf? Michael Wollert: Nein, bisher wende ich alles in der LUUG Gelernte nur privat an. Aber das mit Erfolg! Linux-Magazin: Wie sieht die ideale Linux-Usergroup aus? Michael Wollert: [http://www.luug-hn.org]! Linux-Magazin: Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft von Linux aus? Michael Wollert: Linux gibt es ja jetzt auch schon einige Zeit. Leider merkt man, dass bei den verschiedenen Organisationen das Geld knapp wird beziehungsweise dass diese teilweise einfach auf Geld angewiesen sind. Samba hat sich beispielsweise auch einen Sponsor zugelegt. So lange Sponsoren gefunden werden können, wird alles wie bisher weiterlaufen. |






