Aus Linux-Magazin 12/2011

Auf den Punkt gebracht

Haben Sie Anregungen, Statements oder Kommentare? Dann schreiben Sie an redaktion@linux-magazin.de. Die Redaktion behält es sich vor, die Zuschriften und Leserbriefe zu kürzen. Sie veröffentlicht alle Beiträge mit Namen, sofern der Autor nicht ausdrücklich Anonymität wünscht.

Linux-Leid

09/11, S. 44: Zu den Erklärungsversuchen, weshalb sich Linux als Desktop-Betriebsystem nicht durchsetzt: Ich denke, es ist der seit rund zwei Jahren fehlende funktionale Desktop. Es geht um Linux als Arbeitsumgebung, also den Einsatz als Werkzeug, und nicht um Innovation oder Coolness.

Wer den auf Erfahrung beruhenden, intuitiven Umgang mit Werkzeugen vernichtet, vernichtet Produktivität. Genau das passiert, wenn sich die Bedienung ändert, ohne dass damit ein erkennbarer Funktionsgewinn einhergeht. Das ist bei KDE 4.x und den wesentlichen KDE-Programmen der Fall. Das Erlernen des Neuen bringt keinen Gewinn, es ersetzt nur entwertetes Wissen. Der Anwender beschäftigt sich statt mit seiner Arbeit mit dem Werkzeug. Dazu ist er nachvollziehbar nicht bereit.

KDE 3.5 war noch okay, KDE 4.x ist meiner Meinung nach indiskutabel, eine Sammlung von Design-Ideen, die jedes Wissen über Ergonomie vermissen lässt. Diese Seuche betrifft fast alle Betriebsysteme. Bei Windows kann man den pastellfarbenen Playmobil-Kindergeburtstag mit ein paar Klicks abschalten. Das tun auch die meisten. Bei KDE vermisse ich die Möglichkeit, auf KDE 3.5 zurückzuschalten. Gnome hat sogar gerade die Einstellmöglichkeiten entfernt.

Wer die Experimentierfreudigen unter 25 Jahren anvisiert, sollte sich wegen der Alterspyramide und geburtenschwacher Jahrgänge über sinkende Marktanteile nicht wundern. Eine Diskussion zum Thema “Wie soll Software zum Arbeiten aussehen und geändert werden” halte ich für überfällig.

Werner Heisch, per E-Mail

GTK+ auf dem Mac

11/11, S. 30: Im GTK+-Artikel heißt es im Fazit: “Unter Mac OS X bleibt eine einfach zu installierende GTK+-Implementierung weiterhin wünschenswert.” Seit ein paar Wochen gibt es diese endlich im Rahmen des Zero-Install-Projekts. Unter http://sourceforge.net/projects/macpkg/files/PyGTK/2.24.0/PyGTK.pkg befindet sich ein dem Windows-Py-GTK-All-in-one-Paket gleichwertiges Paket für Mac OS X. Es leistet zumindest unter Mac OS X 10.6 gute Dienste.

Henri Wahl, per E-Mail

Linux-Leidenschaft

11/11, S. 42: Das Interview mit Miguel de Icaza, der den Linux-Desktop abschreibt, hat mich sehr traurig gemacht. Meine Linux-Erfahrung begann mit Suse in Version 5.1, das ist also schon einige Zeit her. Ich habe zunächst zu Hause damit experimentiert und es dann als Zweitsystem in der Firma auf meinem Desktop installiert.

Nach einiger Zeit habe ich verstanden, dass dies keinen Sinn ergibt, und vor etwa fünf Jahren Linux als einziges Betriebssystem installiert, mit all den Schmerzen, die dies anfangs bereitet hat. Wenn man ständig mit Linux arbeitet, versteht man aber irgendwann, welch hohes Gut freie Software ist, und begreift den Unterschied zwischen Freiheit und Freibier im Sinne von Richard Stallman.

Aktuell arbeite ich mit Mint Debian, das auf das Rolling-Release-Modell setzt. Die fortlaufende Aktualisierung zwingt mich, mich ständig ein wenig mit meinem Rechner zu beschäftigen – mit dem Effekt, dass ich ständig dazulerne.

Mit der Zeit hat sich ein Unterschied zwischen mir und meinen Kollegen, die das “Standardbetriebssystem” verwenden, herausgebildet. Meist funktioniert bei ihnen ja alles und wenn nicht, äußert sich das in Verwünschungen. Ich sage dann immer, dass ich erst mal sehen muss, wie ich das hinbekommen kann, und irgendwie funktioniert es dann auch fast immer. Es gibt so viele Möglichkeiten, die ich mit einem freien und offenen Betriebssystem und ebensolcher Software habe, die mir mit proprietärer Software versperrt blieben.

Ich liebe mein OS und auch den Desktop. Das alles haben Leute programmiert, die ähnlich denken wie ich, und sie stellen es mir frei zur Verfügung. Bei allen Ungereimtheiten, von denen Miguel spricht, es ist die Community, die das alles trägt, und für mich ist dies auch ein Stück Freiheit des Geistes, die für mich sehr wichtig ist.

Natürlich ist Linux auf dem Desktop nichts für Leute, für die sich ein Rechner nicht prinzipiell von einem Toaster unterscheiden soll. Aber es gibt ja noch die anderen, und für die ist der Linux-Desktop wichtig, auch wenn es nur 0,7 Prozent sind. Insofern denke ich schon, dass der Linux-Desktop eine Zukunft hat und es sich lohnt, dafür zu kämpfen.

Christian Bechmann, per E-Mail

Erratum

10/11, S. 59: Die Seite zur DELUG-DVD erweckte den Eindruck, das Buch “Android-Entwicklung” sei vollständig auf dem Datenträger enthalten. Die DVD enthält aber nur die ersten 60 Seiten, wie es andernorts im Heft auch korrekt stand.

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