Frischkost gibts für Datenbank-Anwender, seit MySQL, PostgreSQL, Ingres und Firebird neue Versionen aufgelegt haben. Neu mischt der MySQL-Fork Maria DB mit. Revolutionäres Verweigern von SQL ist das Kennzeichen von Redis, Riak und Cassandra. Die replizierende Couch DB komplettiert den Magazin-Schwerpunkt.
Eine Lingua Franca zu sein haben schon viele Formate von sich behauptet. Bei SQL trifft das aber tatsächlich zu. Die Datenbank-Geschichtsforschung nennt meist 1975 als Geburtsjahr der Abfragesprache, die damals SEQUEL hieß. 35 Jahre sind gleichwohl eine sehr lange Spanne in der IT, und in der Zwischenzeit haben sich die Informationsspeicher erheblich weiterentwickelt. Da gibt es zusätzliche Typen, trickreichere Suchmöglichkeiten, effizienteres Ablegen der Daten auf Speichern, verbesserte Ausfallsicherheit und vieles mehr. Der Artikel ab Seite 28 vergleicht die Features und Stärken der vier populärsten freien Datenbanken MySQL, PostgreSQL, Ingres, Firebird mit dem proprietären Schwergewicht Oracle.
Einigkeit herrscht unter Anwendern, dass sich die einzelnen Softwareprodukte hinsichtlich ihrer Ausstattung erheblich unterscheiden. Interessant, was das für Auswirkungen im Laufe der Entwicklung einzelner Produkte hatte. Das gilt besonders für das Beispiel MySQL: Das RDBMS trat gleich zu Beginn seiner Entwicklung mit dem Mut zur Lücke an: Transaktionen? Haben wir nicht! Referenzielle Integrität? Wer braucht das schon! Subqueries? Irgendwann vielleicht. Vor zehn Jahren wurden die Entwickler für diese Haltung oft belächelt. Echte Datenbanken hatten einfach diese Funktionen zu haben.
Übersehen hatten diejenigen, die mit dem Finger zeigten, dass nur wenige die mit hohem Aufwand erforschten und implementierten Eigenschaften tatsächlich benötigen. Dann änderte eine neue Klasse von Anwendungen, nämlich die Webapplikationen, das Anforderungsprofil an Datenbanken radikal: Nun war es wichtig, eine überschaubare Menge an Daten einfach, zuverlässig und kostengünstig zu verwalten. Mit diesem Ansatz gewann MySQL viele Freunde.
Alle gegen alle
Mit dem Kauf durch Sun und dann Oracle, das geradezu für die entgegengesetzte Strategie steht, zweifeln einige Anwender, ob der neue Eigner den alten Weg fortsetzt oder froh ist, einen lästigen Wettbewerber besser unter Kontrolle zu haben. Der Artikel “Vertraut und doch neu” ab Seite 36 untersucht, ob und wie Entwickler rund um MySQL-Urvater Widenius mit ihrem Fork Maria DB an alte Werte anknüpfen.
Seine Werte hat PostgreSQL nie aufgegeben: Es steht jeher für solide, leicht akademische und daher stets etwas hinterherlaufende Technik. Das Image will Version 9, beschrieben ab Seite 38, nun abschütteln und verweist dazu auf Neuerungen wie Streaming Replication und erweiterte Sicherheitsfunktionen.
Diesen Engines ist die Schnittstelle SQL gemein, die sich als Fluch wie Segen erweist: Ihre Universalität erkauft sie sich durch bisweilen ungelenke Konstrukte: In reinem SQL Graphen zu durchsuchen oder gar einen transitiven Abschluss zu finden, gerät kompliziert – wenn nicht unmöglich. Wer nur eine Tabelle mit einem Schlüssel nach wenigen Attributen durchsucht, braucht viele hoch komplexen Eigenschaften gar nicht.
Hier tritt eine neue Generation auf, die bewusst mit der Tradition bricht und sich provokativ unter dem Banner “NoSQL” versammelt. Dabei unterscheiden sich ihre Vertreter erheblich voneinander. Der Artikel “Frischer Wind” ab Seite 42 untersucht stellvertretend die drei Projekte Redis, Riak und Cassandra. Beachtung hat zuletzt Couch DB gefunden, da das schlanke System sowohl im Online- wie dem Offlinebetrieb glänzt. Der Artikel ab Seite 52 beschreibt den verteilten Ansatz.
Der Schwerpunkt widerlegt, dass Datenbanken als nützlich, aber langweilig gelten, und zeigt, dass es über »SELECT * FROM table;« noch viel mehr zu entdecken gibt.





