Aus Linux-Magazin 01/2011

Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

Gute Organisation ist das A und O – auch Entwickler freier Software profitieren von effizienter Zeiteinteilung und Planung. Passend zum Schwerpunkt dieser Ausgabe erleichtert Open Hatch die Koordination innerhalb von Open-Source-Projekten, während GTD Free dabei hilft, den eigenen Alltag zu strukturieren.

Um spannende Open-Source-Projekte bildet sich schnell ein Dunstkreis von Enthusiasten, die sich mehr oder minder erfolgreich einbringen – je nach Begeisterungsgrad, Können und anderen Ressourcen. Wer sich für freie Software engagieren will, dem stehen viele Projekttüren offen, zumindest in der Theorie. In Wirklichkeit haben neue Helfer oft zahlreiche Hürden zu überwinden. Die meisten Arbeitswilligen stehen vor der Frage: “Ich würde ja gerne etwas machen, aber wie fange ich an?”

Genau hier setzt Open Hatch [1] an. Die Open Source Involvement Engine bietet engagierten Neulingen eine Plattform, über die sie schnell mit Entwicklern bestehender Projekte in Kontakt treten können. Über die Suchmaschine der Webseite finden sie schnell heraus, wer helfende Hände benötigt. Von komplexen Aufgaben über einfach zu fixende Bugs bis hin zu kleinen Änderungen an Texten und GUIs ist alles dabei.

Aller Anfang ist leicht

Einen unkomplizierten Einstieg verspricht der Link zu den so genannten Bitesize Bugs (siehe Artikelbild). Nach Definition der Betreiber tummeln sich hier vor allem kleinere Fehler, die leicht zu beheben und damit eine dankbare Aufgabe für Newcomer sind. Für mehr Übersicht sorgen die Filter, die nach Programmiersprachen und Projekten sortieren. Wer hingegen gezielt dem eigenen Lieblingsprojekt unter die Arme greifen möchte, klickt den großen grünen Button »I want to help« und wartet auf weitere Anweisungen.

Open Hatch bietet dem präsentierfreudigen Benutzer an, eine Profilseite zu erstellen. Neben obligatorischen Angaben wie »Über mich« , »Kann ich …« , »Mag ich …« und so weiter, verrät er optional, wo er wohnt. Die Google-Maps-Auswertung dieser Orte zeigt nicht nur, wo auf der Welt sich besonders viele Anhänger freier Software tummeln, sondern hilft auch dabei, engagierte Nutzer in der eigenen Nachbarschaft zu finden.

Besonders hilfreich für Neulinge ist, dass sich einige Projektmitglieder ausdrücklich als Mentoren zur Verfügung stellen können. Sie greifen Anfängern in allen Lebens- und Programmierlagen unter die Arme und dürften somit vor allem die Zuversicht von frischgebackenen Freiwilligen erhöhen. Open Hatch trägt somit auch zum sozialen Miteinander in der Community bei.

Im Rahmen des Google Summer of Code entstehen derzeit “Training Missions” für Open Hatch. Die interaktiven Tutorials erklären die elementaren Werkzeuge zur Software-Entwicklung wie die Arbeit mit Tarballs, Patches oder Versionskontrollen. Die Anleitungen stehen unter [2] registrierten Nutzern zur Verfügung.

Die Früchte ernten

Open-Source-Projekte profitieren gleich mehrfach von der Plattform. Einerseits haben sie hier gute Chancen, neue Mitarbeiter für verschiedene Aufgabenbereiche zu finden. Andererseits können sie selbst Profilseiten erstellen, auf denen sie Tipps und Tricks sammeln oder verraten, wo sie dringend Hilfe benötigen. Der erwähnte große grüne Knopf (»I want to help« ) wandert auf Wunsch als Codeschnipsel in die eigene Projekthomepage und weckt dort die Neugier Freiwilliger.

Open Hatch durchforstet regelmäßig die Bugtracker registrierter Projekte und stellt die Fehler automatisch in die eigene Datenbank ein. Am besten arbeitet die Plattform derzeit mit Bugzilla und Trac zusammen. Der Aufwand für die Projektmitarbeiter besteht lediglich darin, die Bugs richtig zu kategorisieren und die Schwierigkeitsgrade richtig zu taggen. Für einige Projekte ist dies sicherlich eine gute Gelegenheit, sich mit der eigenen Bugverwaltung kritisch auseinanderzusetzen und etwaige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Eintritt frei

Viele gute Gründe sprechen dafür, sich selbst bei Open-Source-Projekten zu beteiligen. Wer bislang fieberhaft nach dem richtigen Einstieg suchte, hat dank Open Hatch nun eine Ausrede weniger. Gerade Programmieranfänger profitieren von der Plattform und legen direkt los, statt sich lange an konstruierten Beispielen aufzuhalten.

Nach dem Motto “Eating your own dog food” geht das im Mai 2009 gegründete Startup selbst mit gutem Beispiel voran [3]. Ein öffentlicher Bugtracker [4] und eine Projektplanung mit Pivotal Tracker [5] zeigen transparent, wo noch tatkräftige Unterstützung notwendig ist. Darüber hinaus kommunizieren die Open-Hatch-Entwickler per Mailinglisten, IRC, über Twitter und Identica. Ein Wiki und einen Blog gibt es selbstverständlich auch.

Den Alltag meistern

Gute Organisation spielt eine wichtige Rolle bei der Koordination eines Open-Source-Projekts, aber auch im persönlichen Alltag gilt es häufig, Aufgaben miteinander abzustimmen. Zu oft kommen sich Privat- und Berufsleben in die Quere. Terminplaner und Kalender – ob auf Papier oder in digitaler Form – helfen den Alltag zu strukturieren.

Reicht das nicht aus, hat der amerikanische Manager David Allen vielleicht den ultimativen Tipp. Er stellt in seinem 2002 erschienenen Buch “Getting Things Done: The Art of Stress-Free Productivity” ein Organisations-Paradigma vor. Es zielt darauf ab, dem Gehirn die organisatorischen Details praktisch vollständig abzunehmen, sodass sich sein Besitzer auf die Erledigung einer eigentlichen Aufgabe konzentrieren kann.

Soweit die Theorie – bei der Umsetzung in der Praxis hilft GTD Free [6]. Inspiriert von dem gleichnamigen Buch erleichtert das Programm den Einstieg in die Getting-Things-Done-Philosophie, bietet aber auch Features für fortgeschrittene Anwender.

Phasen und Prozesse

GTD Free unterteilt Aufgaben in vier Hauptstufen (siehe Abbildung 2). In der Phase des Sammelns (»Collect« -Reiter) trägt der Benutzer neue Ideen ein. Dabei darf ein Vorschlag ruhig sehr vage sein, denn Kategorisierungen oder gar Terminsetzungen finden an dieser Stelle noch nicht statt.

Abbildung 2: Getting Things Done heißt ein Paradigma zur effizienten Selbstorganisation; GTD Free liefert die freie Software zur praktischen Umsetzung.

Abbildung 2: Getting Things Done heißt ein Paradigma zur effizienten Selbstorganisation; GTD Free liefert die freie Software zur praktischen Umsetzung.

Im Bereich »Process« arrangiert der Nutzer seine Gedanken und teilt sie einer dieser drei Kategorien zu: »Actions« (klassische, zu erledigende Aufgaben), »Someday/Maybe« (Ideen, die zunächst eine niedrige Priorität haben und damit wichtigen Einträgen nicht im Wege stehen) oder »References« (Hintergrundinformationen, etwa Literatur oder Notizen, die keine weitere Aufmerksamkeit benötigen). Zusätzlich zur Gattung definiert er auf Wunsch weitere Eigenschaften, beispielsweise die Zuordnung zu einem größeren Projekt.

Eine weitere hilfreiche Idee aus der GTD-Philosophie haben die Entwickler implementiert. So erlaubt die Software, Aufgaben auch nach äußeren Voraussetzungen zu sortieren, beispielsweise »Am Computer« , »Zu Hause« oder »Online« . Diese Definitionen erleichtern es, Dinge am rechten Ort und zur richtigen Zeit zu erledigen und sich zu Hause den entsprechenden Aufgaben zu widmen, ohne sich lange mit Sachen aufzuhalten, die ins Büro gehören und nur dort zu bewältigen sind.

Die drei Klassen gibt das GTD-Paradigma vor, weshalb GTD Free hier auch keine Änderungen zulässt. Der Anwender kann jedoch eigene Unterkategorien definieren, etwa »Buch« , »Video« oder auch »Notiz« , um die einsortierten Einträge leichter auffindbar zu machen. Das To-do-Programm bringt Beispieleinträge mit vorgefertigten Unterkategorien mit, die sich für die meisten Alltagssituationen als Ausgangsposition eignen.

Auch eine Erinnerungsfunktion steht zur Verfügung, damit Termine nicht in Vergessenheit geraten. Im Prioritätensystem vergibt der Nutzer zwischen einem und drei Sternen, um wichtige Aufgaben in der Übersicht hervorzuheben. Wenn die Zeit gekommen ist, diese zu erledigen, kann er sie mit einem »Queue« -Button in die Warteschlange schieben.

Der eigentliche Clou des GTD-Konzepts sind jedoch die regelmäßigen Reviews, die der Anwender über den Reiter »Organize/Review« erreicht (siehe Abbildung 3). In diesen Sitzungen hat er Gelegenheit, sich der Selbstorganisation zu widmen, und passt veränderte Aufgaben an, setzt Prioritäten neu und verschafft sich einen Überblick über anstehende Termine und Deadlines.

Abbildung 3: In regelmäßigen Reviews passt der GTD-Anwender seine Aufgabenliste der Realität an, vergibt Prioritäten neu und überarbeitet Terminvorgaben.

Abbildung 3: In regelmäßigen Reviews passt der GTD-Anwender seine Aufgabenliste der Realität an, vergibt Prioritäten neu und überarbeitet Terminvorgaben.

Sind neue Ideen und Aufgaben eingetragen, geht es weiter zum »Execute« -Bereich. Hier findet der Nutzer die zu bearbeitenden Aufgaben wieder und kann sie editieren, löschen oder als erledigt kennzeichnen. Eine Übersicht in verschiedenen Formaten (PDF, HTML und XML) produziert das Programm auf Knopfdruck.

Taschenplaner

Wie es sich für einen persönlichen Assistenten gehört, ist GTD Free immer dabei: Das Java-Archiv mit dem Programmpaket läuft ohne Installation auf jedem Java-fähigen Betriebssystem. Die Daten selbst speichert das Programm in einer einzigen Datei, sodass der Anwender den kompletten Planer umstandslos auf einem USB-Speicherstick transportieren und auf beliebigen Rechnern nutzen kann.

Wer zur Weiterentwicklung von GTD Free beitragen möchte, muss nicht unbedingt ein Java-Programmierer sein. Obwohl das Projektteam auch Entwickler zur Beteiligung einlädt, stehen zahlreiche weitere Aktivitäten auf der Agenda. Von der Beteiligung an Diskussionen über die Oberflächengestaltung sowie der Umsetzung künftiger Features über die Dokumentation von Programmfehlern und Geldspenden bis hin zur Übersetzung der bislang ausschließlich englischsprachigen Oberfläche suchen die GTD-Free-Macher in vielen Bereichen Verstärkung.

Muffins mal anders

Zum Nachtisch gibt es Muffins. Dass diese nicht immer nur süß sein müssen, zeigt das Ananas-Ricotta-Rezept.

Zutaten: 1 Ei, 90 mg Butter, 250 g Ricotta, 1 Dose gestückelte Ananas, 280 g Mehl, 12 g Zucker, 1 Packung Backpulver (100 g), Salz. Außerdem: ein Muffin-Backblech oder Muffin-Förmchen.

Ofen auf 200 Grad vorheizen und das Backblech oder die Förmchen einfetten. Die Ananasstücke durch ein Sieb abgießen, auspressen und abtropfen lassen. Dann das Ei mit der Butter und der Ananas in eine Schüssel geben und verrühren. In einer weiteren Schüssel das Mehl, den Zucker und das Backpulver mischen und eine Prise Salz zugeben. Diese Mischung verrühren und anschließend den Inhalt der anderen Schlüssel vorsichtig hinzugeben und unterrühren.

Den fertigen Teig aufs Backblech oder in die einzelnen Förmchen füllen. Dann in den vorgeheizten Ofen stellen und etwa 25 bis 30 Minuten backen. Nach dem Herausnehmen ungefähr 30 Minuten abkühlen lassen und noch warm servieren. Guten Appetit!

Infos

  1. Open Hatch: http://openhatch.org
  2. Training Missions für Open Hatch: https://openhatch.org/missions/
  3. Bei Open Hatch einsteigen: https://openhatch.org/source-code-etc/
  4. Open-Hatch-Bugtracker: https://openhatch.org/bugs/
  5. Open-Hatch-Projektplanung: https://www.pivotaltracker.com/projects/28969
  6. GTD Free: http://gtd-free.sourceforge.net
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