Das World Social Forum ist die große Gegenbewegung zum World Economic Forum in Davos. Mitglieder einer lokalen Debian-Gruppe organisierten bei der letzten Veranstaltung vom 23. bis 28. Januar 2003 in Porto Alegre, Brasilien, den Aufbau eines Rechnernetzwerks.
Rund 100 PCs standen im Youth Camp des World Social Forums [1] den Teilnehmern zur Verfügung und die Mitglieder von Debian-RS [2], einer großen Vereinigung von Anhängern freier Software im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande dol Sul, setzten es sich zur Aufgabe, die Rechner so zu konfigurieren, dass eine einfache, aber komfortable Oberfläche zur Verfügung stand.
Staub und Hitze
Keine leichte Aufgabe bei rund 35 Grad Celsius im Schatten, aber die Teilnehmer ließen sich durch Staub und Hitze nicht aus der Ruhe bringen. “Einer der wichtigsten Punkte auf unserer Agenda war der Internet Server”, berichtete Pablo Lorenzzoni [3]. “Immerhin wurde die Registrierung für die Veranstaltung über das Web abgewickelt.”
Schließlich fiel die Wahl auf zwei Maschinen mit Athlon-CPU, 900 MHz und je einer 20-GByte-Festplatte. Die beiden Rechner spiegelten sich gegenseitig, während sie als Gateway arbeiteten. Dabei sollten die Programme Drbd [http://drbd.cubit.at] sowie Heartbeat [http://linux-ha.org] zum Einsatz kommen. Wegen der großen Hitze und der Tatsache, dass die offene Halle mit den Computern sehr staubig war, kam es bei verschiedenen Rechnern allerdings zu einigen ärgerlichen Ausfallerscheinungen. Bei mehreren streikten die CD- und Diskettenlaufwerke.
Daher kippten die Mitglieder der Debian-RS ihre ursprünglichen Pläne, an dem Rechnerverbund einen Cluster zu demonstrieren. “Es war einfach zu unsicher, ob genügend Maschinen funktionieren würden”, so Lorenzzoni, der selber neben der Betreuung des Rechnerparks auch einen Workshop über die Hacker-Kultur veranstaltete.
Die meisten Besucher, die an einem Rechner mit einem Open-Source-System arbeiteten, zeigten sich aber angenehm überrascht von den Fähigkeiten der Software. “Das geht ja ganz einfach”, war ein Satz, der nicht selten zu hören war, und viele fragten nach, ob auch wirklich Linux auf den Systemen lief.
Wer einen ganzen Tag lang vor dem Rechner sitzt und schwitzt, der ist bald dankbar für ein bisschen Bewe- gung. Doch nicht nur deshalb nahmen die Mitglieder von Debian-RS an dem Protestmarsch im Zentrum von Porto Alegre teil. Dabei demonstrier- ten mehrere hunderttausend Menschen für mehr soziale Gerechtigkeit. Um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen, hatten sich die Debianer eine Flagge mit dem Debian-Logo gebaut.

Staub und Hitze erschwerten die Arbeit an den Rechnern im Jugendcamp auf dem World Social Forum in Porto Alegre.
Die Fahne war drei Meter breit und zwei Meter hoch; inklusive Stange überragte sie die Demonstranten um vier Meter – sie war aber auch gewichtig: Debian-RS-Mitglied Marlon Dutra [4] tat noch Tage später die Schulter weh, da er die Flagge ein großes Stück des Weges zu tragen hatte. Gemeinsam mit vielen anderen Gruppen schleppten die Vertreter der freien Software ihre Flagge zu einer Kundgebung im Zentrum der Stadt. Wie die Erfahrungen der Gruppe zeigten, passte freie Software sehr gut zum Geist dieser Veranstaltung.
Infos |
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[1] World Social Forum: [http://www.forumsocialmundial.org.br] [2] Debian-RS: [http://www.debian-rs.org] |





