Aus Linux-Magazin 06/2003

Erste Entwicklerkonferenz des Open-Office-Projekts

Nur ein kleiner Teil der Entwickler beim Gruppenfoto.

Die erste Entwicklerkonferenz von Open Office hatte nicht nur die Technik zum Thema, sondern auch die künftige Organisation des Projekts. Doch das sehr umfangreiche Programm bot für jeden etwas.

Wer nach acht Tagen CeBIT immer noch nicht genug hatte, konnte direkt im Anschluss nach Hamburg fahren und sich zwei Tage lang Vorträge über Open Office anhören. 350 Entwickler und Interessierte waren dort anwesend, zu 80 Prozent kamen sie aus dem Ausland. In der architektonischen Ödnis des so genannten Philosophenturms der Hamburger Uni fanden parallel Vorträge zu zwei bis drei Themenreihen statt, also ein wahres Mammutprogramm – gemessen daran, dass es nur um ein einziges Produkt ging.

So kamen dann auch nahezu alle Aspekte des freien Office-Pakets zur Sprache: von Lokalisierungen für Indien und Japan über XLM-basierte Dokumentformate bis zum Marketing. Eine Roadmap-Session zeigte, dass Version 2 von Open Office jetzt schon in der Entstehung begriffen ist; erste Builds sind für Juni geplant, eine Betaversion für Sommer 2004.

Eine gewisse Dominanz hatten zwei Themengebiete: erwartungsgemäß die reinen Entwicklerthemen, aber auch Fragen der Selbstorganisation des Projekts. Schon allein die Tatsache, dass mehr als zwei Jahre nach der Initialisierung des Projekts durch Sun Microsystems zum ersten Mal eine solche Tagung stattfand, zeigt, dass hier einiges im Argen liegt. Immer noch ist Open Office nahezu ausschließlich von Sun dominiert und anders als etwa beim Verhältnis Mozilla-Netscape hat Sun großes Interesse daran, dass es so bleibt.

Suns Open-Source-Diva Danese Cooper im Gespräch mit Joerg Heilig, Entwicklungsleiter für Star Office.

Suns Open-Source-Diva Danese Cooper im Gespräch mit Joerg Heilig, Entwicklungsleiter für Star Office.

Selbstreferenzielle Debatten

Andererseits hat das Unternehmen aber erkannt, dass nur eine lebendige Community das Projekt attraktiv hält, und so versuchen die Verantwortlichen eine Strategie nach dem Motto “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”. Nach wie vor stellt Sun etwa 95 Prozent der Entwicklungsarbeit am Code bereit. Wer nicht bei Sun beschäftigt und trotzdem bei Open Office aktiv ist, hat seinen Wirkungskreis vorzugsweise im Projektmarketing, der Dokumentation oder Lokalisierung. Ein Community Council soll jetzt mehr Transprarenz bringen. Der bisheri-ge Entwicklungsprozess steht zur Disposition: Vorträge wie “The new development process” von Erwin Tenhumberg oder “The future of Open Office” von Louis Suarez-Potts waren Beispiele.

Auf der technischen Seite des Spektrums gehörten die Vorstellung der Dokumentation des Software Development Kits durch Jürgen Schmidt und die Präsentation der Portierung auf Mac OS X zweifellos zu den Höhepunkten. Erstere soll dabei helfen, neue Entwickler zu begeistern, Letztere soll den Anspruch auf Multiplattformfähigkeit zementieren.

Daneben war zu erfahren, dass innerhalb von Open Office ein neues Groupwareprojekt namens Glow im Entstehen ist, das Eingang in Version 2.0 finden soll. Dass die Integration mit Dokumentenmanagement-Systemen an Gewicht gewinnt, zeigte zudem die Kooperation mit der Software AG, die ihr XML-System Tamino Open-Office-fähig macht.

Die viel beachtete Integration in Gnome stellte erwartungsgemäß Michael Meeks vor, übrigens nicht der einzige Gnome-Promi auf der Konferenz: Miguel de Icaza ließ es sich nicht nehmen, die Keynote zu halten.

Die Konferenz war eine ideale Möglichkeit, sich umfassend über Gegenwart und Zukunft von Open Office zu informieren. Die Daheimgebliebenen können das online nachholen, da die Slides fast aller Vorträge unter[1] vorhanden sind.

Infos

[1] Die Vorträge der Open-Office-Konferenz als HTLM und PDF: [http://marketing.openoffice.org/conference/schedule.html]

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