Das älteste Peer-to-Peer-Netzwerk der Welt: E-Mail. Zwar gilt das Versenden großer Attachments immer noch als unhöflich und fehlerträchtig, trotzdem wollen Admins und Anwender wissen, wie groß Nachrichten sein dürfen. Das Linux-Magazin hat sich bei fünf Freemailern umgehört.
In der Anfangszeit des Internets bestanden Einschüchterungsversuche gelegentlich in der Drohung, demnächst die kompletten Quellen des X-Servers per Mail zu versenden. Die aktuelle Release X11R7.5 umfasst etwa 60 MByte gepackte Dateien [1]. Taugt dies also immer noch als Drohgebärde?
Ein Blick in die Ur-Spezifikation des RFC 821 zeigt, dass E-Mails theoretisch beliebig groß sein dürfen: Eine Längenbeschränkung ist dort nämlich gar nicht vorgesehen [2]. Die ergibt sich vielmehr implizit aus einer ganzen Reihe von Komponenten: Abgesehen davon, dass viele Filesysteme Grenzen für Dateigrößen haben und Partitionen nicht unendlich viele Daten fassen, markiert hier und dort noch die 32-Bit-Grenze den Grenzstein. “Wer sich mit Outlook vor Version 2003 herumplagt, darf nicht mehr als 2 GByte in seinem Mailaccount horten, sonst kommt es zum Datenverlust”, weiß E-Mail-Experte Peer Heinlein [3]. Auch beim Nachfolger hat der Hersteller diese Beschränkung nur auf 4 GByte angehoben.
Bei einzelnen Nachrichten sind diese Größenordnungen noch kein Thema. Trotzdem steigt in Zeiten breitbandiger DSL-Anbindungen und immer leistungsfähigerer Netze der Hunger nach größeren Mails. Einige Megabyte sind bei schlecht gepackten Präsentationen oder einem Dutzend Urlaubsfotos im Raw-Format nämlich schnell erreicht.
Zu den Nettowerten von Begleittext und Headern kommen noch rund 35 Prozent Datenaufschlag, weil die meisten Mailprogramme Anhänge im Base-64-Format kodieren. Das bildet je drei Netto-Bytes auf vier druckbare Zeichen ab. Dazu kommen noch einige Steuerzeichen, die beim späteren Auspacken helfen.
Erblast SMTP
Geschuldet ist dieser Anachronismus wohl immer noch dem Ur-RFC 821, das nur echte Ascii-Zeichen erlaubte. Die besitzen schließlich nur sieben Bit pro Zeichen. Das achte Bit solle man immer auf 0 setzen, fordert der Standard. Aktuell gehen nur noch wenige Mailserver so vor, aber aus Kompatibilitätsgründen beherzigen viele Programme die sichere Kodierung noch bis heute.

Abbildung 1: Googlemail akzeptiert es zwar, brutto 34 MByte an Daten zu empfangen, maßregelt jedoch den Nutzer, will er mehr als 25 MByte versenden.
“Anwender sollten E-Mail nicht als Filetransfer missbrauchen”, rät Heinlein, der seine Kunden auch in Fragen Mailserver berät. “Das reine Übertragen ist dabei gar nicht mehr das größte Problem”, weiß er. Ein Problem ist, dass manche Systemverantwortliche verdrängen, dass die Hardware bei größeren Anforderungen mitwachsen muss. Neben dem zusätzlichen Speicherbedarf schlagen auch zusätzliche CPU-Zyklen zu Buche, die etwa die Inhalte nach Viren oder Spam durchforsten.

Abbildung 2: Hotmails Mailserver verspricht zwar brutto 27 MByte anzunehmen, kommt aber im Test maximal mit 10-MByte-Attachments zurecht.
Im Spannungsfeld zwischen Anwendern einer- und dem IT-Betrieb andererseits empfiehlt Heinlein, die E-Mail-Infrastruktur auf etwa 25 MByte Nettogröße auszulegen. Damit muss ein MTA etwa 40 Millionen Bytes entgegennehmen. Admins konfigurieren diesen Wert beispielsweise bei Postfix in der Konfigurationsdatei »main.cf« mit der Einstellung:
message_size_limit = 40000000
Wer herausfinden möchten, welche Maximalgrößen sein eigener Server annimmt oder wie viel ein Empfänger akzeptiert, kann auf die Heuristik des Skripts »checksize.sh« aus Listing 1 zurückgreifen. Es sucht mit »host -t mx« den ersten Mail-Exchanger einer Domain heraus, also den Host, der Nachrichten per SMTP für den Mailnamen entgegennimmt.
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Listing 1: |
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01 #!/bin/sh 02 # 03 # checksize.sh - prüft die zugelassene Maximalgröße von Nachrichten 04 # für die als Argument übergebene Domain 05 # 06 dom="$1" # z. B. linux-magazin.de 07 08 (sleep 1; echo "EHLO abc"; echo "QUIT") | 09 nc $(host -t mx $dom | head -1 | sed 's/^.* //') smtp | 10 grep SIZE |
Per »nc« verbindet sich das Skript an dessen SMTP-Port und setzt die ESMTP-Direktive »EHLO« ab. Die meisten Mailserver antworten nun mit einer Liste von Eigenschaften, die sie implementieren – unter anderem auch mit der maximal akzeptierten Größe einer Nachricht.
Fünf Freemailer im Vergleich
Diese Werte hat das Linux-Magazin bei einer Reihe von Freemail-Anbietern abgefragt (siehe Abbildungen 1 bis 5) und zudem auch praktisch verifiziert (siehe Tabelle 1). Typische Größen liegen dabei zwischen 20 MByte und 30 MByte brutto. Wer mehr empfangen möchte, muss auf ein meist kostenpflichtiges Angebot der Hoster ausweichen oder selbst einen Mailserver aufsetzen – dafür bekommt er den Domainnamen seiner Wahl dazu. Ausreißer nach oben war Freemail: Lässige 200 MByte akzeptiert der Anbieter. Ob das in der Mailbox handhabbar ist, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Abbildung 3: GMX aus dem Haus United Internet ist einer der meistgenutzten Freemailer in Deutschland. Er kommt mit bis zu 20 MByte großen Anhängen klar.
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Tabelle 1: |
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Hotmail |
GMX |
Freenet |
5×2 |
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URL |
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Maximal empfangbare Größe im Test |
20 MByte |
10 MByte |
20 MByte |
mehr als 34 MByte |
1 MByte |
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Maximal zustellbare Größe im Test |
20 MByte |
20 MByte |
20 MByte |
mehr als 34 MByte |
10 MByte |
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Empfangbare Bytes laut SMTP EHLO |
35651584 |
29696000 |
29360128 |
209715200 |
20971520 |
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Zustellzeit 1 MByte |
2 s |
3 s |
3 s |
2 s |
2 s |
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Zustellzeit 20 MByte |
20 s |
— |
7 s |
14 s |
— |
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MTA |
Eigenentwicklung |
Eigenentwicklung |
Qmail |
Exim |
b1gMailServer |
Allerdings sollte sich niemand auf die Angaben des annehmenden MTA verlassen. Die Anbieter Hotmail und 5×2 announcierten zunächst größere Werte, als sie später bereit waren anzunehmen: So akzeptierte ein erster Server die Mail zwar, ein weiteres System der internen Kaskade verwarf die Nachricht jedoch und sandte eine Fehlermeldung zurück (Listing 2). Mailexperte Heinlein warnt vor solchen Konfigurationen: “Anwender erhalten zunächst die Bestätigung, dass ihre Mail angenommen sei, und wundern sich später über die Failed Mail von einem entfernten Server.”
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Listing 2: Gescheiterte |
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01 From: postmaster@hotmail.com 02 Subject: Delivery Status Notification (Failure) 03 To: XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX 04 Date: Fri, 6 Aug 2010 06:28:25 -0700 05 06 [-- Anhang #1 --] 07 [-- Typ: text/plain, Kodierung: 7bit, Größe: 0,1K --] 08 09 Delivery to the following recipients failed. 10 11 lm.bulktest@hotmail.de 12 13 [-- Anhang #2 --] 14 [-- Typ: message/delivery-status, Kodierung: 7bit, Größe: 0,4K --] 15 16 Reporting-MTA: dns;col0-mc2-f48.Col0.hotmail.com 17 Action: failed 18 Status: 5.2.2 19 Diagnostic-Code: smtp;552 5.2.2 This message is larger than the 20 current system limit or the recipient's mailbox is full. Create a 21 shorter message body or remove attachments and try sending it again. 22 23 [-- Anhang #3 --] 24 [-- Typ: text/rfc822-headers, Kodierung: 7bit, Größe: 0,2K --] 25 26 From: XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX 27 To: lm.bulktest@hotmail.de 28 Subject: Bulk mit attached-20-MB.dat |
Solch ein Verhalten kann im schlimmsten Fall auch rechtliche Konsequenzen haben: Geht etwa die Failed Mail verloren oder kann der Empfänger der ursprünglichen Mail ihren Versand nicht lückenlos belegen, haftet dieser womöglich für die Folgen der nicht angekommenen Nachricht, etwa bei nicht zustellbaren E-Tickets bei Flugbuchungen, die eine Fluggesellschaft dann trotzdem in Rechnung stellt. So stellte Hotmail eine maximale Empfangsgröße von 28 MByte in Aussicht, stellte jedoch eine Nachricht von 26 MByte nicht zu (siehe Listing 2). Der Anbieter 5×2 ließ 20 MByte erwarten, vermochte aber selbst die 7 MByte brutto des 5-MByte-Anhangs nicht zuzustellen.
Rein und raus
Eine weitere Größe, die Anwender berücksichtigen sollten, ist die vom Empfang unabhängige Größe des maximalen Ausgangs. Gerade Anbieter mit Weboberflächen begrenzen die Attachments ebenfalls auf rund 25 MByte netto. Das Hochladen solcher Attachments macht damit meist auch keinen Spaß mehr, da die geringe Upload-Bandbreite der meisten DSL-Angebote es zur quälenden Angelegenheit macht.

Abbildung 4: Überraschung beim Angebot von Freenet: Der Account nimmt brutto bis zu 105 MByte Daten entgegen, die erst einmal verschickt sein wollen.
Dabei verstehen zum Leidwesen vieler Postmaster die meisten Anwender E-Mail ohnehin als augenblickliche Übertragung. Die Zeit, die eine Übertragung vom Absender bis zum Postfach des Empfängers benötigt, hängt dabei von drei großen Summanden ab: Übertragen, Verarbeiten und Warten. Die Zeit zum Übertragen lässt sich meist gut abschätzen, denn selbst 20 MByte netto, die zu 27 MByte brutto anwachsen, benötigen über die breitbandigen Backbone-Verbindungen zwischen den großen Providern typischerweise nur wenige Sekunden.
Das Scannen von Anhängen ist schon schwerer abzuschätzen. Je nach Dateityp und eingesetzter Software fordert die Suche nach Viren und Spam auch ihren Tribut an Zeit und Geduld. Ursache für lange Wartezeiten bei der Ende-zu-Ende-Zustellung sind jedoch meist Staus, verrät Heinlein: “Wenn Versender gerade parallel einen Newsletter verschicken oder ein großer Freemailer sich in der Rushhour befindet, kann es schon zu Wartezeiten kommen.”
Mehr Luft als gedacht
Die klassischen Freemail-Anbieter GMX, Googlemail und Freenet erfüllen mit rund 30 MByte maximaler Empfangsgröße die Erwartungen an kostenlose Postfächer, Freenet übertrifft sie sogar noch. Hotmail reicht noch für Anhänge, die nicht viel größer als 10 MByte sind, wohingegen der kleine Anbieter 5×2 Nachholbedarf in der Empfangsgröße hat.

Abbildung 5: 5×2 ist zwar unabhängig von großen Anbietern, streikt aber bereits beim 5-MByte-Attachment. Dafür zeigt er Nachrichten über externe Viewer an.
Alle Angebote beinhalten Postfächer von 1 GByte oder mehr Größe und sind kostenlos, sofern die Anwender gewillt sind, sich von den bunten Weboberflächen mit Werbung berieseln zu lassen. Die alte Regel von maximalen Attachments mit etwa 1 MByte pro Nachricht gehört damit weitgehend der Vergangenheit an – für den Versand von X-Server gibt es allerdings nach wie vor bessere Wege.
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Infos |
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[1] Quelltext von X.org: [http://www.x.org/releases/X11R7.5/src/everything/] [2] RFC 821: Simple Mail Transfer Protocol: [http://www.faqs.org/rfcs/rfc821.html] [3] Outlook-Postfächer auf 2 GByte limitiert:[http://support.microsoft.com/?kbid=296088] |





