Aus Linux-Magazin 09/2010

Modx als Typo-3-Ersatz

Abbildung 1: Dank der Modx-Template-Syntax ist es einfach, auf Daten aus dem CMS oder dem Server-Dateisystem zuzugreifen.

Das Match der Contentmanagement-Systeme lautet Modx gegen Typo 3. Runde eins gewinnt der Veteran nach Features, doch der quirlige Neuling Modx hält mit Cleverness dagegen. Bei kleineren bis mittleren Websites kauft er dem Favoriten den Schneid ab.

Selten kommen Contentmanagement-Systeme ohne Anpassungen aus. Im einfachsten Fall rüsten Admins über Plugins fehlende Funktionen nach. Aber selbst die reiche Auswahl an Erweiterungen für Typo 3 [1] befriedigt Individualisten nicht immer: Für kreative Ideen fehlen Bausatz-Lösungen. Viele Features, die sich Webmaster wünschen, sind für sich betrachtet einfach umzusetzen. Um so ärgerlicher, dass der Hauptaufwand für Einsteiger darin besteht, die Schnittstellen des Systems zu verstehen. Die Entwickler von Modx [2] setzen auf Erweiterbarkeit (Abbildung 1) statt auf eine lange Feature-Liste wie Typo 3.

Abbildung 1: Dank der Modx-Template-Syntax ist es einfach, auf Daten aus dem CMS oder dem Server-Dateisystem zuzugreifen.

Abbildung 1: Dank der Modx-Template-Syntax ist es einfach, auf Daten aus dem CMS oder dem Server-Dateisystem zuzugreifen.

API light

Wer Typo-3-Erweiterungen schreiben möchte, muss zunächst ein umfangreiches API studieren [3]. Auch Modx stellt eine vergleichbare Erweiterungsschnittstelle inklusive Object Relational Manager zur Verfügung [4]. Die Dokumentation [5] ist allerdings eher auf Webdesigner zugeschnitten. Zusätzlich haben die Entwickler eine Art Mini-API mit niedriger Lernkurve ersonnen.

Um eigenen PHP-Code in eine mit Modx verwaltete Site einzubinden, schreibt der Entwickler den Namen eines PHP-Codeblocks zwischen doppelte eckige Klammern in ein Template: »[[TagCloud]]«. Gleichzeitig hinterlegt er im Backend PHP-Code. Auf allen Seiten, die auf dem Template basieren, erscheint statt »[[TagCloud]]« der Return-Wert des PHP-Skripts.

Fast jede Erweiterung greift auf die vom CMS verwalteten Daten zu. Hier kommt das herausragende Modx-Feature ins Spiel: die Datenanbindungen. Der PHP-Code kann nämlich auf beliebige Seiten im CMS und auf wiederverwendbare statische HTML-Blöcke, so genannte Chunks, zugreifen.

Gut angebunden

Das »Select«-Binding greift per SQL direkt auf die Datenbank zu. »File« liest den Inhalt einer Datei auf dem Server ein, das »Directory«-Binding die Namen aller Dateien und Unterordner in einem Verzeichnis. »Inherit« erbt Daten von Eltern-Elementen in der Seitenstruktur, »Eval«-Bindings geben den Wert eines PHP-Ausdrucks zurück.

Die Daten-Bindungen sorgen für Anschluss nach innen und außen: Lassen sich mit Seiten-Bindings komplexe Frontend-Seiten aus mehreren Unterseiten im CMS zusammenbauen, so eignen sich »File«-Bindings dazu, Daten auszuwerten, die etwa ein Cronjob in eine Textdatei geschrieben hat. Auch über eine vom Modx-Core unabhängige Datenbanktabelle kommuniziert das CMS mit autonomen Komponenten, die der Entwickler nicht an das API zu koppeln braucht.

Gelungener Spagat

Beim Funktionsumfang tritt Modx auch nicht als Leichtgewicht auf. Dank seines Erweiterungsmanagers, der Programmcode und SQL-Skripte für zusätzliche Datenbanktabellen in ein leicht verteilbares Archivformat packt, fällt der Download aus dem von den Modx-Entwicklern gepflegten Repository ebenso komfortabel aus wie in Typo 3. Für die aktuelle Version 1.0.4 ist es mit über 450 Erweiterungen gefüllt. Für Version 2.0.0, die als dritter Release-Candidate vorliegt und bald final sein soll, sind es 90.

Bereits 2007 erhielt das junge Modx dafür den ersten Platz beim Packt Publishing CMS Award [6]. Seitdem ist Modx gereift, hat eine große User-Community aufgebaut und bietet PHP-kundigen Webmastern eine erfrischende Alternative zu Platzhirsch Typo 3. (uba)

Infos

[1] Typo 3: [http://typo3.org]

[2] Modx: [http://modxcms.com]

[3] Typo-3-API: [http://typo3.org/documentation/api/]

[4] Modx-API: [http://api.modxcms.com]

[5] Modx-Guide für Webdesigner:[http://svn.modxcms.com/docs/display/revolution/Designer’s+Guide]

[6] Packt CMS Award 2007: [http://www.packtpub.com/article/modx-wins-most-promising-open-source-cms]

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