Aus Linux-Magazin 04/2010

Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

Abbildung 5: Rednotebook ersetzt das gebundene Notizbuch. Eine Tag Cloud (links unten) hilft dabei, Einträge in den eigenen Aufzeichnungen wiederzufinden.

Eine Auslandsreise ohne Wörterbuch? Kaum denkbar. Auch Websurfer bewegen sich ständig durch die verschiedenen Sprachregionen, selbst die Fremdsprachen-Versierten unter ihnen stolpern früher oder später über unbekannte Ausdrücke. Als Ersatz für eine riesige Wörterbuchsammlung neben dem Bildschirm verspricht Stardict Abhilfe (siehe Abbildung 1, [1]).

Abbildung 1: Flink und flexibel: Stardict spricht mehrere Sprachen. Außerdem bietet die Webseite des Projekts Links zu zahlreichen freien Wörterbüchern.

Abbildung 1: Flink und flexibel: Stardict spricht mehrere Sprachen. Außerdem bietet die Webseite des Projekts Links zu zahlreichen freien Wörterbüchern.

Auf einen Schlag

Die Stärke von Stardict liegt in der unkomplizierten Integration von Wörterbüchern für praktisch jeden Zweck. Unter den zahlreichen Erweiterungen befinden sich klassische Übersetzungswörterbücher für viele Sprachen, aber auch Enzyklopädien, Thesauri, etymologische Nachschlagewerke und Redewendungssammlungen in vielen Sprachen. Dazu kommen die auf dem System installierten Unix-Manpages und sogar das CIA World Factbook [2].

Die Fuzzy-Suche ermöglicht den Einsatz von Platzhaltern und durchforstet die Wörterbücher nach ähnlich geschriebenen Begriffen, sodass auch Benutzer ohne Kenntnis der exakten Schreibweise fündig werden. Darüber hinaus steht eine Erweiterung bereit, die mit Hilfe von Wordnet [3] Begriffe grafisch in Relation zu inhaltlich verwandten Begriffen darstellt. An einem Wikipedia-Plugin arbeiten die Stardict-Entwickler ebenfalls, allerdings war die entsprechende Webseite bei Redaktionsschluss nicht erreichbar. Damit Stardict nicht für jede Suche alle Nachschlagewerke durchforsten muss, erlaubt es die Wörterbuchverwaltung, Nachschlagewerke gezielt zu deaktivieren (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: In der Wörterbuchverwaltung sortiert der Anwender die Sprachsammlungen und schaltet sie ein oder aus.

Abbildung 2: In der Wörterbuchverwaltung sortiert der Anwender die Sprachsammlungen und schaltet sie ein oder aus.

Stardict schlägt aber nicht nur in lokalen Wörterbüchern nach. Das Programm unterstützt alternativ auch den Zugriff auf die meisten Wörterbücher direkt über das Netz. Dazu ist ein kostenloser Account beim integrierten Net-Dict-Service notwendig.

Mit Babelfisch im Ohr

Wer nicht nur ein einfaches Nachschlagewerk, sondern eine Übersetzungshilfe für ganze Texte sucht, findet im Bereich »Full-Text Translation« Hilfe (siehe Abbildung 3). Bei automatischen Übersetzungen handelt es sich allerdings um ein Forschungsfeld, in dem selbst der neueste Stand bisher noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse versprechen kann. Deshalb haben die Stardict-Entwickler statt eines eigenen Übersetzungsmoduls eine Schnittstelle zu den entsprechenden kostenlosen Angeboten von Google, Yahoo, Altavista, Systran und Excite Japan in die Programmoberfläche integriert. Wer diese Dienste ausprobiert, kann sich schnell selbst davon überzeugen, dass die Resultate meist nur zur ersten Orientierung, nicht aber als tatsächlich brauchbare Übersetzungen dienen können.

Abbildung 3: Die Übersetzungsmaschine in Aktion: An die Fähigkeiten des Symbionten aus dem „Anhalter“ kommen derzeitige Dienste noch nicht heran.

Abbildung 3: Die Übersetzungsmaschine in Aktion: An die Fähigkeiten des Symbionten aus dem „Anhalter“ kommen derzeitige Dienste noch nicht heran.

Die Volltextübersetzung demonstriert übrigens ein typisches Problem, auf das freie Softwareprojekte bei der Verwendung proprietärer Angebote immer wieder stoßen: Da die Anbieter ihre Schnittstellen öfter verändern und auf keinerlei Standards angewiesen sind, funktionieren die Volltextübersetzungsdienste teilweise nur mit der neuesten Stardict-Version. Ob sich die Benutzer aber auch in Zukunft darauf verlassen können, ist ungewiss.

Direkthilfe

Wer die Hilfe von Stardict während der alltäglichen Arbeit in Anspruch nimmt, braucht nicht jedes Wort erst aus dem Browser, der Textverarbeitung oder einem anderen Fenster umständlich zu kopieren und bei Stardict einzufügen. Stattdessen aktiviert er die »Scan«-Funktion. Das Programm wartet nun im Hintergrund auf Arbeit: Markiert der Anwender ein beliebiges Wort, durchstreift Stardict die aktivierten Wörterbücher und blendet die Ergebnisse im aktiven Fenster ein (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Nach Aktivierung der Scanfunktion wartet Stardict auf per Maus gestellte Anfragen. Das graue Fenster (untere Bildmitte) zeigt die gefundenen Einträge für das im Browser markierte Wort.

Abbildung 4: Nach Aktivierung der Scanfunktion wartet Stardict auf per Maus gestellte Anfragen. Das graue Fenster (untere Bildmitte) zeigt die gefundenen Einträge für das im Browser markierte Wort.

Eine gute Idee, aber noch nicht ganz ausgereift, ist der Zugriff auf externe Sprachsynthese-Software. Mit Hilfe von Plugins für die freien Projekte Festival [4] und Espeak [5] erklingen Ausdrücke im Lautsprecher. Der eingeschränkte Nutzen dieses Features ergibt sich daraus, dass die synthetisierte Sprache qualitativ kaum ausreicht, zuverlässig eine korrekte Aussprache zu erzeugen. Obwohl besonders die Festival-Technik dem neuesten Stand der Forschung entspricht, sollten sich Sprachenschüler nicht auf die präsentierte Aussprache verlassen.

Personalsorgen plagen das Stardict-Team. Hauptentwickler Lee Ray hat sich aus der aktiven Entwicklung zurückgezogen und fordert interessierte Programmierer zur Mitarbeit auf. Auf der Projekt-Homepage veröffentlicht er eine lange Liste potenzieller Verbesserungsmöglichkeiten. Darin schlägt er beispielsweise die Entwicklung von Plugins zur Stardict-Integration in Chatprogramme oder eines Konvertierungstools für diverse Wörterbuchformate vor.

Auch eine Portierung auf Mac OS X und Pocket-PC-Systeme schwebt Lee Ray vor. Bislang übersetzt das C++-Programm unter Windows, Linux und anderen Unix-Varianten. Eine Implementierung in Java könnte eine mögliche Lösung sein. Interessierte finden Kontaktmöglichkeiten auf der Stardict-Webseite.

Rotes Notizbuch

Außer einem Wörterbuch gehört unbedingt ein Notizbuch ins Reisegepäck. Darin landen Termine, Aufgaben, Erinnerungen oder auch einfach vage Ideen und Gedankengänge. Das Projekt Rednotebook erleichtert den Koffer auch um diesen Ballast in Papierform- vorausgesetzt, dass der Laptop sowieso seinen Platz in der Tasche hat (siehe Abbildung 5, [6]). Als Namensgeber für die Anwendung diente übrigens der amerikanische Autor Paul Auster, der zahlreiche seiner fiktiven Personen mit roten Notizbüchern ausstattet. Eine Sammlung einiger seiner Kurzgeschichten trägt den gleichen Namen.

Rednotebook unterscheidet sich von den Notizfunktionen und Todo-Listen der üblichen Organizer. Beim roten Notizbuch schreibt der Benutzer seine Einträge zunächst ins Blaue hinein, ohne dass das Programm ihn in ein weitergehendes Organisationskorsett und zur Sortierung zwingt. Die Eingaben erfolgen in einer Wiki-artigen Formatierungssyntax und können neben reinem Text auch Bilder und Verweise auf Dateien oder Webseiten enthalten.

Rednotebook bietet Vorlagen an, etwa für Reisen und Meetings. Einige Templates sind bereits enthalten, weitere definiert der Nutzer nach Belieben selbst. Tags wie »Arbeit« oder »Freizeit« helfen dem Notizbuchschreiber beim Etikettieren seiner Einträge. Bei Bedarf legt der Tagebuchschreiber auch Kurznotizen in der Seitenleiste an und ordnet sie selbst definierten Kategorien zu.

Ein Grund, warum die meisten anderen Programme auf starre Ordnungsprinzipien setzen und beispielsweise nach Datum oder fest definierten Begriffen sortieren, ist sicherlich, dass es so leichter ist, die Einträge später wiederzufinden. Rednotebook zeigt sich innovativ und geht einen anderen Weg: Die in Web-2.0-Anwendungen populär gewordenen Tag Clouds haben Einzug ins digitale Notizbuch gehalten. In dieser Darstellung zeigt das Programm die vergebenen Tags an, wobei es prominentere und häufiger auftretende Begriffe entsprechend größer darstellt (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: Rednotebook ersetzt das gebundene Notizbuch. Eine Tag Cloud (links unten) hilft dabei, Einträge in den eigenen Aufzeichnungen wiederzufinden.

Abbildung 5: Rednotebook ersetzt das gebundene Notizbuch. Eine Tag Cloud (links unten) hilft dabei, Einträge in den eigenen Aufzeichnungen wiederzufinden.

Bei dieser Visualisierungsmethode ist es somit möglich, zwei Ordnungsdimensionen, die alphabetische Sortierung und die Gewichtung, gleichzeitig darzustellen. Klickt der Anwender auf ein Schlagwort, fördert Rednotebook alle zugehörigen Einträge zu Tage. Weitere Navigationshilfen stellt das Programm über den Kalender und die Kategorien bereit. So legt der Anwender unkompliziert Todo-Listen an oder sortiert die Einträge nach ihrer Erstellungszeit.

Überall verfügbar

Ein großer Vorteil von Rednotebook besteht in seiner Kompatibilität. Das Programm speichert sämtliche Einträge im reinen Textformat, sie lassen sich also problemlos mit anderen Anwendungen öffnen. Zudem exportiert das Programm sie auf Wunsch als PDF-, Latex- oder HTML-Dateien. Die jetzt erschienene Version 0.9 unterstützt auch die automatische Synchronisierung über SSH, FTP und Webdav, sodass sich ein Notizbuch bequem von verschiedenen Rechnern aus ansteuern lässt. Der Programmierer und Student Jendrik Seipp hat sogar an die Internationalisierung gedacht, folglich steht Rednotebook unter 16 Sprachen zur Verfügung.

Das Programm lässt in seinem derzeitigen Entwicklungsstand dennoch Wünsche offen. Die Such- und Kategorisierungsoptionen sind nicht immer intuitiv – das liegt aber in der Natur einer neuartigen Herangehensweise. Aus diesem Grund sucht Jendrik Seipp vor allem nach Unterstützung in Form von Ideen, Vorschlägen und Tests. Aber auch Programmierer sind ausdrücklich eingeladen neue Features zu implementieren und das Programm für verschiedene Distributionen zu paketieren. Insbesondere professionelle Benutzer bittet Seipp um Geldspenden, auch wenn diese gemäß der GPL-Lizenz natürlich freiwillig bleiben.

Carbonara mit Blauschimmelkäse

Zutaten: 100 g Tagliatelle, 4 Scheiben Speck, 100 ml Sahne, 75 g Blauschimmelkäse.

Die Tagliatelle in kochendes, gesalzenes Wasser geben und bissfest kochen, durch ein Sieb gießen und kurz abtropfen lassen. Tipp: Ein paar Scheiben frischer Ingwer im Nudelwasser senken den glykämischen Index, treiben also den Blutzuckerspiegel nicht unnötig in die Höhe.Für die Carbonara-Soße den Speck in dünne Streifen schneiden und zwei Minuten in einer Pfanne knusprig braten. Dann die Sahne hinzugeben und weitere zwei Minuten kochen lassen. Anschließend den Blauschimmelkäse beigeben und schmelzen lassen. Mit den Tagliatelle mischen und servieren. (hej)

Infos
[1] Stardict: [http://stardict.sourceforge.net]

[2] CIA World Factbook: [https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook]

[3] Wordnet: [http://wordnet.princeton.edu]

[4] Festival: [http://www.cstr.ed.ac.uk/projects/festival]

[5] Espeak: [http://espeak.sourceforge.net]

[6] Rednotebook: [http://digitaldump.wordpress.com/projects/rednotebook]

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