Stefano Zacchiroli ist Debians neuer Projektleiter und seit Mitte April im Amt. Zwar hat der DPL keine diktatorischen Vollmachten, aber verändern kann er trotzdem einiges. Höchste Zeit also, Zacchiroli näher anzuschauen: Wer ist dieser Kerl, was hat er vor der Wahl versprochen und was kann er halten?
Wer er ist
Zacchiroli (Abbildung 1) ist im Debian-Universum bekannt. Er machte sich vor allem einen Namen durch die Arbeit, die er für das Package Tracking System des Projekts [1] leistete. Der Facelift vom Juli 2009 geht beispielsweise auf sein Konto – wie die meisten Major-Changes der letzten Jahre. Wenn er nicht gerade am Package Tracking System schraubt, ist er ein aktives Mitglied des Teams für Qualitätssicherung und erdenkt und installiert auch dort immer wieder Lösungen, die den Debian-Developern und letztlich allen Debian-Entwicklern zugute kommen.
Zacchiroli trat dieses Jahr zum zweiten Mal im Rennen um das Amt des DPL an, nachdem er im vorigen Jahr dem Amtsinhaber Steve McIntyre unterlegen war.
Tunokratie
Der neue DPL hält Debian für eine “Tunokratie”: Niemand ist gezwungen, Zeit und Arbeit in Debian zu investieren – jene, die es trotzdem tun, bestimmen den Kurs des Projekts. Leider, so hält er in seinem Wahlprogramm [2] fest, bleiben dadurch Tasks auf der Strecke, die die Entwickler als langweilig und unspektakulär einstufen. Zacchiroli sieht den Projektleiter in der Pflicht: Der müsse sich darum kümmern, dass diese Aufgaben erledigt werden, und dafür Leute auftreiben müsse er notfalls auch.
Mitmacher
Zacchiroli will das eingeführte System der Debian-Maintainer erweitern und es Nicht-Debian-Entwicklern ermöglichen, leichter und besser zu helfen. Es sei ein Irrtum anzunehmen, dass in Debian nur technische Fähigkeiten überhaupt von Bedeutung seien, lautet sein Credo. Ein Betriebssystem sei mehr als nur Software. Ausdrücklich erwähnt er Übersetzungen, Grafiken und Musik als Möglichkeiten, sich an einer Debian-Release zu beteiligen. Auf Nachfrage bekannte er sich ausdrücklich zu sozialen Fähigkeiten als Voraussetzung dafür, Debian-Entwickler zu werden.
Zacchiroli will das System der Gruppenpflege einzelner Pakete dem Prinzip der Einzel-Maintainerschaft voranstellen. Besonders dann, wenn sich die Qualität eines Pakets wegen der mangelnden Zuwendung durch einen einzelnen Maintainer verschlechtert, sei die Pflege im Team die bessere Wahl.
Die Kommunikation innerhalb des Projekts liegt Zacchiroli auch am Herzen. Rückblickend auf endlose Diskussionen, die noch vor ein paar Jahren die Mailinglisten füllten, stellt er nun eine verbesserte Situation fest. Dennoch gäbe es “Minderheiten”, deren Meinung ungehört bleibe. Er sieht es als eine Aufgabe des Debian-Projektleiters, sich in solchen Situationen an der gemeinsamen Suche nach Kompromissen zu beteiligen. Und das am besten live: Entwicklertreffen wie die jährlich stattfindende Debconf soll es öfter geben. Dafür will er sich persönlich einsetzen, mit Zeit und viel Überzeugungsarbeit bei Sponsoren.
Schließlich plant Zacchiroli, als DPL präsent zu sein: Er will sich auch weiterhin in Diskussionen auf Mailinglisten einmischen und die Zukunft der Projektagenda beeinflussen. Wie seine Vorgänger verspricht er, die Entwickler monatlich über wichtige Neuerungen zu informieren. Um eine Verwässerung der DPL-Position zu verhindern, will Zacchiroli aber kein Gremium ernennen, das ihm seine Arbeit in Teilen abnehmen soll – Jobs, die er deligieren will, wird er von Delegates erledigen lassen. (uba)
| Infos |
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| [1] Package Tracking System: [http://packages.qa.debian.org/common/index.html]
[2] Zacchirolis Wahlprogramm: [http://www.debian.org/vote/2010/platforms/zack] |
| Der Autor |
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| Martin Gerhard Loschwitz ist Senior Technical Consultant bei Linbit und seit vielen Jahren Debian-GNU/Linux-Entwickler. |






