Aus Linux-Magazin 08/2010

Aus dem Alltag eines Sysadmin: LUG-Camp 2010 und Python

© Myratz, Creative Commons

Vom Niederrhein nach Mittelfrankenen: Charly fand auf seiner Reise platt geklopftes Gold, ausgelassene Linuxer, verlassene Bierhöhlen und einen Python-Einzeiler für vorzeigbare Tourfotos. Einfach hinreisend .

“Wann macht ihr mal das Camp?” Letztes Jahr hielt der Vorsitzende der LUG Schwabach, Sven Velts, dem Dauerbeschuss der anderen LUG-Camper nicht mehr stand und bastelte eine Anmelde-Webseite für die elfte Auflage des Treffens. Im Mai 2010 nun zogen die LUG-Horden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gen Roth, ein an Schwabach grenzendes Städtchen, wo das rührige Organisationsteam eine urige Turnhalle aus der Gründerzeit als Camp-Basis präsentierten.

Im Rahmenprogramm machten wir uns mit Handwerken vertraut, die die Schwabacher seit Urzeiten pflegen. So demonstrierte uns ein Meister der Goldschlägerei mit Wucht, wie Blattgold entsteht. Früher ähnlich begehrt: Präzise gefertigte Grammophon-Nadeln Made in Schwabach. Für lange Leitungen sorgt das Drahtzieherhandwerk der BayerischenKabelwerke, deren Sitz nur einen Bierkrugwurf vom Camp entfernt liegt.

Die 38 000-Einwohner-Stadt ist stärker unterhöhlt als manch\’ Vorgarten nach einer gelungenen Wühlmausinvasion. In den Kühlkellern lagerten die Mittelfranken ihren Gerstensaft – ein Blick auf die Pläne der Gänge und Gewölbe (Abbildung 1) stützt die Aussage des Stadtführers, es habe zeitweilig fünf bis sechs Dutzend Brauerein in der Stadt gegeben.

Abbildung 1: Höhl' mich der Brauer: Die Gersten-Mafia hat die Stadt über Jahrhunderte weitläufig unterkellert.

Abbildung 1: Höhl’ mich der Brauer: Die Gersten-Mafia hat die Stadt über Jahrhunderte weitläufig unterkellert.

Zeigesüchtig

Goldschlägerei, Stadtführung, Kellermeister: Die Fotos von der dreifaltigen Besichtigung wollte ich meinen Mitcampern gleich zur Verfügung stellen. Da ich aus Sicherheits- und Ressourcengründen keinem Apache mein Laptop als Tipi überlasse, brauchte ich eine HTTPD-Alternative. Die fand ich in einem Python-Modul, was zudem meinem Hang zu Einzeilern sehr entgegenkommt. Im Verzeichnis mit meinen Fotos tippe ich:

python -m SimpleHTTPServer

Python wirft daraufhin einen einfachen HTTP-Server auf Port 8000 an, der das aktuelle Verzeichnis zugänglich macht. Will ich eine andere Portnummer benutzen, hänge ich sie einfach an:

python -m SimpleHTTPServer 8080

So lange die Portnummer über 1024 liegt, benötige ich keine Rootrechte. Und weil das so schnell ging, bleib mir genügend Zeit für all die anderen Camp-Vergnügungen wie Improvisationsvorträge und Mitternachtsgrillen. Nächstes Jahr wandert das Camp zu den Nachbarn in die Schweiz, die bereits 2007 gute Gastgeber waren. Welche Einzeiler mich dort erwarten, werden die Alphörner rechtzeitig von den Bergen pfeifen. (jk)

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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