Dass LCD-Fernseher der LE-Serie von Samsung ein Linux als Firmware nutzen, ermutigte einige Enthusiasten zum Patchen der Firmware. Die bringt damit neben einigen Tuning-Einstellungen auch Samba- und NFS-Shares, einen Browser und einiges mehr in die Flimmerkiste .
Die ersten Lorbeeren des Firmware-Hacks gebühren den Teilnehmern eines englischen Forums für das Decrypten der von Samsung offengelegten Firmware mittels XOR. Ab jetzt war ein Telnet-Zugang zu Samsungs Flach-TVs möglich. Erdem U. Altinyurt, Programmierer aus Istanbul, ist auf der Suche nach alternativer Firmware für sein LCD-TV 40LEB650 auf das Forum gestoßen und war begeistert. Er sah aber auch die üblichen Probleme in Foren, endlose Threads und immer die gleichen Fragen.
Der Plan, ein Sourceforge-Projekt mit Wiki, Publiziermöglichkeiten und Foren anzulegen, folgte daraus. Zuvor fand er in den Entwicklerforen interessierte Mitstreiter. Die TV-Geräte bringen nahezu 200 MByte freien RAM-Speicher mit, was auch künftig eine Vielzahl von Möglichkeiten für findige Hacker eröffnet.
Der Projektleiter hat sich beim Anlegen von “Samy GO” unter Sourceforge vertan: Samsung-Geräte sind unter der Abkürzung “Sammy” bekannt. Ein verschmerzbarer Schönheitsfehler, denn das “Go!” im Namen ist berechtigt. Die umgemodelte Firmware (Kasten: Features im Paket) macht dem LCD-Fernseher Beine, vorausgesetzt das Patchen klappt.
Von Rechts wegen
Blieb der rechtliche Aspekt. Zwar ist die Firmware Open Source, die Images von Samsung enthalten aber auch proprietäre Programme. Auf der sicheren Seite sieht sich das Projekt mit der Veröffentlichung der Modifikationen und des Know-hows – und sie anzuwenden in Form des Samy-GO-Firmware-Patchers, der die verschiedenen Anpassungen enthält.
Ziegelbrennerei
In den Foren herrscht nicht nur eitel Freude über die zusätzlichen Funktionen und Bugfixes, die mit der gepatchten Linux-Firmware einhergehen. Es steht auch zu lesen, dass der eine oder andere sein TV-Gerät in ein dekoratives, aber für die ursprünglich zugedachte Funktion gänzlich unbrauchbares Möbelstück verwandelt hat. “Don’t brick your TV” ist einer der Posts im Samy-Go-Forum [1], die für jeden potenziellen Firmware-Hacker zur Pflichtlektüre zählen, und auch der Hinweis, dass man keine weiteren Garantiefragen stellen solle.

Abbildung 1: Netsurf-Browser auf dem Fernsehschirm. Die Erweiterung der werkseitig vorhandenen Progrämmchen um einen Browser ist verlockend.
Ein weiteres Hindernis ist der Hersteller selbst. Das jüngste der Firmware-Updates, die Samsung anbietet, versperrt das Hintertürchen, über das sich die Gerätesoftware zuvor offen zeigte. Zwar gibt es inzwischen einen Weg, wie sich zumindest die CI-Versionen wieder downgraden lassen, für die auch in Deutschland verkauften Geräte mit CI+ fehlt dieser aber noch. Es gilt also – wie für alle Patchwilligen -, den genauen Typ zu ermitteln und sich der Risiken bewusst zu sein. Dem unerschrockenen Linux-Nutzer stehen dann mehrere Wege zur Verfügung, seinen Samsung-Fernseher funktional (Abbildung 1) aufzumöbeln.
Bugfix von außen
Einer gilt als Low-Level-Hack und ist unter der Bezeichnung “Video AR Fix” im späteren Betrieb weniger elegant als das Komplettpaket, lässt sich aber – nahezu sicher – wieder rückgängig machen. Der Fix löst nur ein Problem der Samsung-Geräte, wenn auch ein unangenehmes: Schließt man via USB ein Speichermedium mit zuvor geripptem Filmmaterial an, stellt die Glotze das Material unter Umständen im falschen Format dar.

Abbildung 2: Zubehör: Die gepatchte Content Library des Geräts zeigt die neuen Funktionen des Fernsehers an.
Das hängt – so wird vermutet – mit dem Seitenverhältnis der Pixel zusammen und der Unfähigkeit des werkseitig integrierten Mediaplayers, ein Resizing vorzunehmen. Es verdirbt den Filmgenuss durch verzerrte Darstellung selbst jenen, die bereit wären, ein schmaleres Fenster im 4:3-Format mit schwarzen Balken rechts und links zu akzeptieren.
Der Fix landet, auf einen USB-Stick kopiert, über ein Schlupfloch im Gerät, das Samsung im Menü für Spiele offen gelassen hat. Er streckt die Videos aufs richtige Format, das die mit 16:9 und Full-HD-Inhalten kompatiblen Fernseher grundsätzlich beherrschen. Der Nachteil: Wer einen für den Mediaplayer des Geräts falsch formatierten Film abspielen will, muss den Fix jedes Mal aufs Neue nach einem Marsch durch das Menü starten. Dem für den Video-AR-Fix verantwortlichen Programmierer hat das aber offensichtlich gereicht, seit der Veröffentlichung der Version 2 hat er Samy GO stillschweigend verlassen, so der Projektgründer. Die Früchte des Video-AR-Fix ernten allerdings auch die Nutzer der alternativen Firmware.
Kür für Unerschrockene
Das Meisterstück ist der große Firmware-Hack selbst, für den es ein Wiki gibt und der diverse Vorarbeiten braucht (Abbildung 2). Herausfinden, um welches TV-Modell es sich handelt, ist die erste – das Typenschild an der Seite gibt Aufschluss. Der erste Teil-Hack findet am PC statt und setzt den Download einer Original-Firmware von Samsung voraus, die jünger ist als die von Februar 2010. Eine Python-Installation gilt ebenfalls als Voraussetzung. Handelt es sich um ein CI+-Modell, ist das RSA-Disabler-Tool nötig, um später das Flashen der Firmware zu ermöglich. Der Samy-GO-Firmware-Patcher in der jüngsten Version ist ein weiteres Requisit.
Nun gilt es, die Original-Firmware in ein Verzeichnis wie »./T-CHL7DEUC« zu extrahieren und ins selbe Verzeichnis auch den Firmware-Patcher – sprich die darin enthaltene »SamyGO.py« – zu kopieren. Über die Shell führt dann »python ./T-CHL7DEUC« das Skript aus. Ein Dialog leitet den Nutzer durch die Optionen. Ist das Patchen erfolgreich, kopiert er das Verzeichnis »T-CHL7DEUC« auf einen USB-Stick. Bei CI+-Modellen muss das RSA-Disabler-Utility auf den Stick, der dann an den Fernseher angestöpselt wird.
Bei CI+-Modellen geht es vorab ins Menü »Content Library/USB/Game«, um den RSA Disabler auszuführen. Für alle gilt dann, über das interne Update-Menü die Firmware einzuspielen und auf ein erfolgreiches Gelingen zu hoffen. Die Chance, ein schiefgelaufenes Update rückgängig zu machen, bietet der Aufruf des Debug-Menüs in den Service-Einstellungen des Geräts (Abbildung 4). Der Reflash erfordert aber ein Exlink-Kabel.
Statusreport
Erdem U. Altinyurts (Abbildung 3) Aufgabe im Team ist neben der Projektpflege das Zusammenstöpseln der Einzelteile zum Samy-GO-Firmware-Patcher, der die Hacks in die Firmware bringt. Der 28-Jährige hat an der Universität Istanbul Computer Engineering studiert. An die Samsung-Aufgabe machte er sich mit dem IDA-Debugger und Code::Blocks für C++- und Python-Skripte. Als Hardware diente das Exlink-Kabel [3]. Als Amiga-Fan tüftelt er derzeit daran, ob sich der Ultimate Amiga Emulator UAE zum Mitspielen bewegen lässt.
Seine Erfahrung zeigt: Beiträge landen öfter unerwartet, dafür aber auch überraschend ausgefeilt beim Projekt, es scheint so, als ob sich die Enthusiasten über einzelne Dinge ärgern und dann eine Lösung basteln, die sie allen zur Verfügung stellen. “Einer taucht auf, übermittelt seinen Hack und ist wieder weg”, kommentiert er. Projektmitglied Arris69 etwa programmiert das “Samy GO Extension Pack”, über das sich NFS oder Samba-Shares einrichten lassen. Auch ein erstes Framework der Einstellungen stammt von Arris69 und der Samy-GO-Port von Open Embedded.
In Arbeit ist derzeit ein X11-Paket, mit dem – so der Plan – auch auf X angewiesene Werkzeuge nutzbar werden, Firefox könnte dazugehören, sofern sich der Fernseher dafür nicht als zu schwachbrüstig erweist, was unter bei vielen als wahrscheinlich gilt.

E Abbildung 4: Der Aufruf der versteckten Debugging-Informationen eröffnet ein potenzielles Reflashen per Exlink-Kabel.
Zudem versuchen die Projektmitglieder auch die DTS-Implementierung besser zu verstehen. Gesucht wird noch ein JTAG-kundiger Entwickler. Der Fernseher besitze einen JTAG-ähnlichen Port am DSUB-Connector. Über den soll sich, so steht es in einem vom Projekt aufgestöberten Manual, der Flashbaustein reprogrammieren lassen.
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Features im Paket |
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Infos |
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[1] Samy-GO-Projektseite: [http://samygo.sourceforge.net/] [2] Pprojektleiter Erdem U.A.: [http://erdem_ua.users.sourceforge.net/] [3] Kabelbau und Anleitung: [http://sourceforge.net/apps/mediawiki/samygo/index.php?title=Enable_Serial_Console_on_non_CI%2B_Devices] |






