Aus Linux-Magazin 05/2010

Bücher über anonyme Internetnutzung sowie Debugging

Anonym im Internet unterwegs sein – wer möchte das nicht? Das Buch von Jens Kubieziel verrät, wie das mit Open Source geht. Der zweite Titel ist englischsprachig und widmet sich der Jagd auf Bugs.

Staatliche Behörden und auch Unternehmen interessieren sich mehr denn je für alles vermeintlich Wissenswerte über den Bürger, der Schutz der Privatsphäre ist Tagesthema. Ein guter Grund für Open Source Press, Jens Kubieziels Titel “Anonym im Netz” neu aufzulegen.

Praktisch anonym

Autor und Verlag haben das Buch für die Neuauflage nicht nur aktualisiert, sondern auch umstrukturiert. Es mischt jeweils einen Happen Grundwissen mit praktischen Anleitungen für einzelne Open-Source-Programme.

Ungeduldigen zeigt es bereits im ersten Kapitel, wie sie ihren Rechner mit Firefox, Privoxy und Tor für das anonyme Websurfen ausrüsten. Kapitel 2 setzt die Praxis fort und stellt nützliche Browser-Erweiterungen wie Torbutton Foxy Proxy vor. Daneben erläutert es die Privoxy-Konfiguration und vermittelt Grundwissen zu offenen Proxyservern.

Mehr Theorie gibt es erst zu Beginn des dritten Kapitels zu lesen, das die Anonymität im Mailverkehr behandelt. Kubieziel erklärt das Prinzip mehrstufiger Remailer und verwendet dabei das treffende Bild eines mehrfach in Umschläge verpackten Briefs. Nach einer kurzen Historie diverser Remailer-Typen stellt der Autor die Benutzung von Mixmaster und Mixminion im Detail vor.

Der mit rund 80 Seiten umfangreichste Teil des handlichen Buchs widmet sich ausführlich dem Onion-Router Tor, der die Adresse des Websurfers verschleiert. Hier und anderswo gibt Kubieziel redliche Einschätzungen zur Angreifbarkeit der Anonymisierungsmaßnahmen ab. Auf diese ordentliche Portion Theorie folgt wieder Praxis: Tor nicht nur für den Webbrowser, sondern auch für Mail, FTP, Chat und SSH, dazu viel Zubehör für die verschiedenen Betriebsysteme. Kurz behandelt der Band abschließend noch Anon, JAP/Jondonym und I2P.

Jens Kubieziel orientiert sich an den Bedürfnissen der Anwender und vermittelt nur so viel Theorie, wie nötig ist. Wer aber etwa wissen will, was der erwähnte Diffie-Hellman-Schlüsseltausch ist, fände eine Lektüreliste ganz schön. Vielleicht eine Anregung für eine dritte Auflage?

Debuggen lernen

Die englischsprachigen Bücher aus dem Verlag Pragmatic Programmers widmen sich nicht immer einer bestimmten Software oder Programmiersprache. Sie beschäftigen sich oft mit jenen Fähigkeiten, die den erfahrenen Entwickler vom Novizen unterscheiden. Das gilt auch für den Titel “Debug it!” von Paul Butcher, der die Fehlersuche, -diagnose und -behebung behandelt.

Der Autor zeigt, dass dies keine Hexerei ist, vielmehr ein systematisches Vorgehen, das Übung verlangt. Von Anfang an sensibilisiert er den Leser für die vielen Faktoren, die hier zusammenspielen: Versionsstand, Compileroptionen, Umgebungsvariablen, Eingabedateien und vieles mehr. Nur unter kontrollierten Bedingungen kann es aussagekräftige Befunde geben, betont er.

Durch alle Kapitel zieht sich die Erkenntnis, dass für erfolgreiches Debugging bestimmte Arbeitsgewohnheiten und Instrumente unumgänglich sind: Code ist am besten in einer Versionsverwaltung aufgehoben, Bugs in einem Bugtracker. Tests sind unentbehrlich, und sei es nur, um festzustellen, ob ein Bug behoben ist. Im Anhang findet sich allerlei Open-Source-Software für diese Zwecke. Auch über das Beheben der Defekte hat Paul Butcher einiges zu sagen: Mit einem sauberen Build beginnen, Ursachen statt Symptome beheben, Refactoring streng vom Reparieren trennen, so lauten einige Ratschläge.

Diese Inhalte mögen sich nach langweiligem Lehrbuch anhören, der Stil ist es keineswegs. Der Text orientiert sich an praktischen Bedürfnissen und bleibt so konkret wie möglich. Code-Listings und eingestreute Anekdoten helfen dem Leser sich typische Phänomene einzuprägen.Dieses Buch kann dem Anfänger viele unangenehme Überraschungen ersparen. Den erfahrenen Programmierer regt es zum Nachdenken über seine Arbeitsweise an – und er kann es ohne Weiteres auch als Debugging-Checkliste für das nächste Projekt benutzen.

Info

Jens Kubieziel:

Anonym im Netz (2. Auflage)

Open Source Press 2010

220 Seiten

20 Euro

ISBN 978-3-937514-95-6

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Info

Paul Butcher:

Debug It!

Pragmatic Programmers 2009

230 Seiten

34 Euro

ISBN 978-1-93435-628-9

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