Mehr Kleincomputer als Telefon, damit steht und fällt der Nutzen von Smartphones mit ihren Applikationen. Die Redaktion des Linux-Magazins stellt ihre momentanen Favoriten unten den Progrämmchen für Maemo, Web OS und Android vor. Ein wenig traurig ist es einzig um Office-Anwendungen bestellt .
Sie unterhalten, helfen und laden zum Spielen ein. Sie schaffen Telefon-, Internet-, Chat- und Skype-Verbindungen. Google, Nokia und Palm haben verstanden, dass sich mit kleinen Handyprogrammen, die jedes für sich relativ wenig kosten, großer Reibach machen lässt – Apple hat es schließlich vorgemacht (siehe Kasten “Das Gelbe vom I”). Für jede (Linux-)Plattform gibt es aber auch kostenlose Apps. Dieser Artikel stellt die nach Meinung der Redaktion nützlichsten oder auch putzigsten Applikationen vor, geordnet nach Plattformen.
Maemo
“Was an Maemo toll ist: Ich kann wie vom PC gewohnt Linux-Apps via Apt-get installieren”, erklärt Magazin-Redakteur Markus Feilner seine Begeisterung für das Nokia N900. Er hat sich für parteiisch erklärt, seit er das Smartphone unter die Lupe nahm [4]. Wer brauche da noch Nokias Ovi-Store [5], der den interessierten Surfer mit einer Registrierung belästigt? Maemo-begeistert zeigte sich auch Sebastian Kügler vom KDE-Projekt, der im Oktober 2009 das neue Gerät als einer der ersten in Händen hielt. “Am besten gefallen mir die Telefon-Apps selbst”, erläutert er dem Linux-Magazin. “Besonders mag ich, dass ich Konversationen über SMS im Thread sehen kann.”
Der mobile Firefox ist brandneu in der stabilen Version 1.0 erschienen – zunächst ausschließlich für das Maemo-Handy. Der an Smartphones angepasste Browser firmiert unter dem Codenamen Fennec [6]. Zu seinen Besonderheiten zählt, dass die URL-Leiste den Seitennamen anzeigt und Previews der geöffneten Tabs an der linken Seite positioniert sind (Abbildung 1). Das große rote X auf den Previews wirkt alarmierend, signalisiert aber nur die Möglichkeit, Tabs zu schließen. Die Browser-Einstellungen gelangen in Reichweite, wenn der Anwender den Browser nach links schiebt. Wermutstropfen: Flash-Plugins sind derzeit deaktiviert. Sie verlangsamen das Maemo-System zu sehr.

Abbildung 1: Die mobile Version des Firefox mit dem Codenamen „Fennec“ gibt es derzeit nur für Maemo 5.
Die ebenfalls native Applikation Maep [7] (zur Belustigung ziehe man das ae beim Aussprechen als ä genüsslich in die Länge) integriert nicht nur Openstreetmap-Karten, sondern zeigt auf Wunsch auch die lokalen Nahverkehrswege an (Abbildung 2) – ein Muss für Orientierungsbedürftige.

Abbildung 2: Die Karten-App Maep integriert sich nahtlos in Maemo und holt neben Openstreetmap auch Google Maps und Virtual Earth auf das N900.
| Das Gelbe vom I |
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| Nach Apples Vorstellungen kommen Anwendungen für das I-Phone aus dem hauseigenen App Store. Dort finden sich vom Hersteller freigegebene Programme von Software-Anbietern. Neben den kostenpflichtigen Versionen existieren häufig kostenlose Ausgaben mit eingeschränkten Funktionen. Die dänische Firma Mochasoft beispielsweise bietet eine Reihe von Lite-Versionen ihrer I-Phone-Programme kostenlos an [1]. Darunter befinden sich VNC- und RDP-Clients, mit denen Admins sich zu Servermanagement-Oberflächen verbinden dürfen, Clients für IBMs Mainframe-Anwendungen sowie Diagnoseprogramme wie Traceroute.
Manchem Anwender erscheint es paradox, auf dem unixoiden I-Phone-Betriebssystem kommerzielle Software zu benutzen, die Unix-Standardtools nachahmt – zumal es diese ja als freie Software gibt. Wer so denkt, sollte den so genannten Jailbreak erwägen: die Kapselung des Smartphone durchbrechen, um beliebige Software aufzuspielen. Software-Installation unter Unix ruft nach einem Paketmanager, dachte sich der US-amerikanische Entwickler Jay Freeman alias Saurik. Auf Basis des Debian-Tools Apt entwickelte er Cydia [2], die I-Phone-Anwendungen herunterlädt, installiert oder entfernt – allerdings erst nach einem Jailbreak. Nach Angaben des Entwicklers ist das Installationswerkzeug auf mehr als zwei Millionen Geräten im Einsatz. Im Cydia-Repository findet sich vieles, was das Herz des Linux- oder Unix-Anwenders erfreut: ein Terminal-Emulator und Open SSH, sogar die GCC oder Lighttpd als kleiner Webserver. Außerdem gibt es einen Cydia-Store, der kostenpflichtige Software über das alternative System anbietet. In Cydia lassen sich zudem wie im Vorbild Apt externe Paketquellen aus dem Web einbinden. Freeman hat eine kurze Anleitung zum Aufsetzen eines eigenen Cydia-Repositories geschrieben [3]. (Mathias Huber) |
Cross-App: Easy Debian
Die Maemo-Variante von Debian “Easy Debian” [8] holt normale Desktop-Programme auf das Smartphone. In Klein erscheinen dann LXDE, Open Office oder auch der ausgewachsene Firefox mit Java- und Flash-Support auf dem 3,5-Zoll-Bildschirm. An den großen Desktop-Anwendungen haben die Minicomputer natürlich zu knabbern. Manchmal, argumentiert das Projekt, braucht man einige der Features jedoch, die bislang vor allem die Großen ermöglichen, etwa um Flashdateien zu betrachten oder Office-Dokumente zu bearbeiten (siehe Kasten “Außenbüro im Versuchslabor”).
Web OS
Das Linux-basierte Web OS kündigte die Firma Palm mit Hauptsitz in Kalifornien Anfang 2009 an, inzwischen ist es auch in Europa verfügbar. Allerdings enthält der App-Store bislang nur kostenfreie Anwendungen. Ist doch prima, meinen Sparfüchse. Es zeigt sich aber, dass das gar nicht so ausgefuchst ist, sondern die Auswahl der Apps sehr beschränkt. Ab März 2010 will Palm seine E-Commerce-Plattform auch für Europa öffnen.
Für das Palm Pre respektive Web OS haben es zwei Fitness-Apps in die Hitliste geschafft. Die erste mit dem sprechenden Namen Conmigo (Spanisch für “mit mir”) [15] verdient die Bezeichnung virtuelle Sportgruppe. Der Anwender trägt Datum und Art seiner sportlichen Betätigung ein und erfährt, welche Sportfans auf der Welt in diesen Stunden der gleichen Beschäftigung nachgehen. Conmigo ist in Europa bis zum Start von Palms Store nur als Trialversion zu haben und kostet in der US-Vollversion derzeit 3 US-Dollar. Ein von Anwendern monierter Nachteil ist, dass die Schwitzenden über die App nicht kommunizieren können.
Die zweite Fitness-App fungiert als persönlicher Trainingstracker: Der griechische Schönheitskönig Adonis ist Mitte Januar als Palm-App wiedergeboren und bereits in den Palm-Katalog gewandert. Adonis [16] ist ein mobiler Trainingskalender, in den der Anwender Bauch-, Rücken- oder allgemeine Trainings eingibt (Abbildung 3) und der auf Wunsch mit einem Onlinedienst korrespondiert, der sie grafisch darstellt (Abbildung 4). Die beiden Erfinder Mariusz Henke und Klaus Moster aus Karlsruhe haben mit Adonis schon die zweite Palm-App in den Katalog gebracht.

Abbildung 3: Adonis ist ein mobiler Trainingsplan für den Palm: Das Handy dient zur Aufzeichnung von Übungen …
Subersiv-App: Preware
Die quelloffene App Preware für Web OS steht unter Federführung des Palm-Hackerprojekts “Web OS Internals” [17], das seine Bemühungen unter freie Softwarelizenzen stellt. Preware ist ein alternativer App-Installer – von den offiziellen Palm-Apps gibt es in Deutschland derzeit nur um die 100. Die Installation [18] erfordert Root-Rechte auf dem Palm. Die offizielle Palm-Anwendung “Web OS Doctor” [19] haben die Entwickler vorausschauenderweise in ihre Bestrebungen einbezogen. Sie hilft dabei, das Preware-veränderte Gerät auf den Auslieferungszustand zurückzusetzen.
Android
Die öffentliche Wahrnehmung sieht Android respektive Google als Herausforderer für Microsoft und Apple. Während beispielsweise Handys mit der Limo-Plattform weitgehend unbemerkt auf den Markt kommen, weil deren Produzenten sich als Plattformdesigner statt als Konsumentenmagnet verstehen, sprechen Handy-OEMs mit Android den Anwender direkt an. Der profitiert davon, dass – anders als beim Palm Pre – der App-Store Android-Market mit ideenreicher Mini-Software gut bestückten ist.
Für unausgeschlafene Android-Anwender beispielsweise findet sich darin die Rettung in Gestalt des persönlichen Schlafrhythmus-Überwachers Smart Alarm Clock [20]. Die App verspricht das morgendliche Aufstehen zu erleichtern, indem sie zum spätestmöglichen Zeitpunkt vor einer REM-Phase den Wecker aktiviert (Abbildung 5). Ob das einer wissenschaftlichen Überprüfung standhält, ist nicht gesagt – der I-Phone-Vorgänger war daran gescheitert [21]. Immerhin schickt sie den Schlafsuchenden aber rechtzeitig ins Bett, sodass er acht Stunden schläft (Abbildung 6).

Abbildung 5: Die Smart Alarm Clock für Android richtet sich nach dem Aufwachwunsch des Anwenders: Der trägt eine Zeitspanne ein, damit die App ihn vor Beginn der nächsten REM-Phase weckt.

Abbildung 6: Zeit, um ins Bett zu gehen! Die Smart Alarm Clock weist den Anwender freundlich darauf hin, dass er spätestens jetzt schlafen gehen muss, um acht Stunden Schlaf zu bekommen.
Als praktisch erweist sich auch die App Scan2PDF [22]. Gratis ist sie im Gegensatz zu dem Smartphone-Wecker nicht, sondern im Android-Market mit 4 Britischen Pfund ausgepreist. Sie generiert ein PDF aus dem mit der Handykamera aufgenommenen Bild (Abbildungen 7 und 8). Scan2PDF ist ein Beispiel für das Geschäftsmodell mit proprietären Apps: Der Hersteller bietet seine Software auch für Windows Mobile und I-Phone an.
Wer gern in den Himmel schaut, für den ist Google Skymap wie gemacht [23]: Die App zeigt Planeten und Sternenbilder an der Stelle des Himmels, auf die der Anwender die Kamera hält (Abbildung 9). Gemäß der Neigung des Telefons visualisiert sie dazu die passende Horizontlinie.

Abbildung 8: … und konvertiert es ins Portable Docu- ment Format – praktisch, hat aber seinen Preis.
Richtig appsahnen
Die Cross-App Easy Debian und die Subversiv-App Preware deuten es an: Allein mit den Stores und Repositories der Hersteller gibt sich ein Teil der Anwender nicht zufrieden. Ihnen gelüstet es nach mehr Linux – zum Beispiel dann, wenn sie Systemrechte brauchen, um Store-fremde oder gar eigene Apps zu installieren. Wer darum nun aus der Konsumenten- in die Herrscher-Arena wechseln will, schreitet voran zu dem Artikel übers Jailbreaking.










