Aus Linux-Magazin 12/2009

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Archivemail

© Sascha Burkard , 123RF.com

Die ganze Sysadmin-Rubrik kennt in diesem Monat nur ein Thema: Mail. Den Reigen eröffnet Magazin-Kolumnist Charly, der sich zwar als ordnungsliebend outet, aber trotzdem auf Mails zugreifen können will, die ihn zu Goethes Lebzeiten erreicht hatten .

Der Anfang jeder Ordnung ist ein großer Papierkorb. Das gilt uneingeschränkt für E-Mail-Postfächer gleichermaßen. Dem steht entgegen, dass ich gelegentlich eine bestimmte antike Mail wieder schnell herauskramen muss, um meinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Da mein Mailclient einen Volltextindex auf die Inbox hält, bekomme ich die gesuchte Information normalerweise binnen Sekunden. Allerdings ist die Freude nicht von Dauer, denn bei einem täglichen Zuwachs von etwa 300 Mails, Mailinglisten nicht eingerechnet, bekommt der Indexer oft dicke Backen. Da die Mails oft genug mit bauchigen Anhängen versehen sind, drängt es mich, den Augiasstall auszukärchern.

Archivemail [1] hilft mir, das Postfach zu bereinigen, und hat dafür ein paar nette Tricks auf Lager. Für die ersten Experimente assistiert mir ein Schattenboxen-Schalter. Ist er gesetzt, simuliert Archivemail das weitere Vorgehen ohne Schreibzugriffe:

archivemail --dry-run /home/charly/mailbox

Dieser einfache Aufruf würde alle Mails, die älter sind als 180 Tage, aus der Mailbox kämmen, in eine separate Datei names »mailbox_archive« schreiben und dieser abschließend mit Gzip die überschüssige Luft rauslassen.

Tageweise

Archivemail erstellt die neue Datei im Mbox-Format, sodass ich sie bei Bedarf schnell mit einem Mailclient einlesen kann. Die Zeitschwelle ist natürlich konfigurierbar. Will ich Mails bereits früher loswerden als nach 180 Tagen, halbiere ich den Wert mit

archivemail --dry-run --days=90 /home/charly/mailbox

wie in Abbildung 1. In der Praxis behalte ich meine Mails aber wesentlich länger, nämlich »days=730«. Um die Inbox trotzdem schlank zu halten, lasse ich Archivemail noch mal von der Leine:

archivemail --dry-run --size=1000000 /home/charly/mailbox

Auf diese Weise landen auch alle Mails, die größer sind als 1 MByte, im Archiv. Mit der Option »–no-compress« verhindere ich die Gzip-Komprimierung, wenn ich die Archiv-Mbox häufig nutze oder es mich gar nach ständigem Zugriff dürstet.

Abbildung 1: Archivemail entnimmt hier Mails, die 90 Tage und älter sind, aus Charlys überfüllter Mailbox und archiviert sie in einer Gzip-Datei.

Abbildung 1: Archivemail entnimmt hier Mails, die 90 Tage und älter sind, aus Charlys überfüllter Mailbox und archiviert sie in einer Gzip-Datei.

Die nützliche Option »–preserve-unread« nimmt ungelesene Mails von der Archivierung aus, auch wenn Zeit- oder Größenkriterien ansonsten zuträfen. Wer wie ich einen großen Papierkorb tatsächlich für den Anfang aller Ordnung hält, ist ein Kandidat für den »–delete«-Schalter. Der schiebt die von den Suchkriterien erfassten Mails nicht ins Archiv, sondern in den Mülleimer. (jk)

Infos

[1] Archivemail: [http://archivemail.sourceforge.net]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein in Kamp-Lintfort. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.

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