Einige Entwickler versuchen, den Zweck der vergangene Woche verkündeten Codeplex Foundation von Microsoft herauszufinden. Ein Rechtsberater der Linux Foundation verbessert in seinem Blog gar ihren organisatorischen Aufbau .
Wie man die Codeplex-Stiftung zu nehmen habe, kann ihr Statthalter Mark Stone anscheinend beim besten Willen nur vage beantworten. So betont er in der Codeplex-Googlegroup, das beispielsweise die auf der Webseite erhältlichen Contribution und License Agreements nur Vorlagen seien, als sich eine Diskussion an der darin geforderten Rechteübertragung entzündet. Eine andere aufgeworfene Frage will feststellen, was genau die neue Stiftung für einen Entwickler eigentlich leiste, warum er sich also an die Codeplex-Stiftung wenden sollte und nicht etwa zum Beispiel an die Apache Foundation. Stone führt daraufhin aus, dass für die Codeplex-Stiftung die lizenzrechtlichen und wettbewerbstechnischen Unsicherheiten auf Seiten von Firmen und die arbeitsvertraglichen Einschränkungen auf Seiten ihrer Entwickler der Ausgangspunkt seien: “Ich denke das ist die Welt, in der die meisten kommerziellen Manager, Produktverantwortlichen und Entwickler leben.” Entsprechend könnte die Codeplex Foundation eine Vermittlerrolle zwischen Closed-Source-Firmen und Open-Source-Projekten einnehmen, ja sogar dazu verhelfen, an Projekten wie Apache teilzunehmen. Auf eine Konkretisierung drängt der Fragesteller allerdings vergebens.
Zweck der neuen Codeplex Foundation ist nach dem aktuellen Stand der Diskussion also, Wege für die Entwickler von Closed-Source-Unternehmen zu finden, zu Open-Source-Projekten beizutragen. Weniger sieht die Stiftung ihren Sinn darin, einzelne Projekte zu unterstützen oder Open-Source-Technologie als solche voran zu bringen. Das Ganze nennt sich ein “geschäftsorientierter, nicht technologieorientierter Ansatz”, wie es Stone in der Diskussionsgruppe formuliert. Damit will sich die Stiftung nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zu anderen Open-Source-Stiftungen wie der Apache Foundation positionieren. Doch Diskussionsbeiträge werfen die Frage auf, ob das Unternehmen Microsoft damit nicht seine eigene Zielgruppe darstellt. Mark Stone kann nur beteuern, dass sich die Stiftung keinesfalls auf Dotnet-Projekte festlegen will.
Auch der Rechtsberater der Linux Foundation sorgt sich in einem Blog-Eintrag um die Microsoft-lastige und mitgliedschaftslose personelle Struktur der neuen Stiftung. Ausgehend von Microsofts Ambition, mit der neuen Stiftung eine offene und neutrale Plattform aufzusetzen, hat sich Andy Updegrove mit ihren bis dato erhältlichen Statuten auseinandergesetzt und in einem Blogeintrag einen FAQ-Katalog erstellt, in dem er seine Beobachtungen festhält. Am Ende merkt er an: “Es gibt eine Menge Wege, eine Organisation offen aussehen zu lassen, während ihre Gründer in Wahrheit für eine lange Zeit die Kontrolle behalten.” In seinen abschließenden Empfehlungen stellt er vor allem auf die organisatorische Verfasstheit ab. Der Vorstand sollte größer sein, jeweils nur eine Firma repräsentieren, paritätisch sein und vor allem auf Basis von freiwilligen, zahlenden Mitgliedern mit Wahl- und Entscheidungsbefugnissen gebildet werden. Insgesamt sollte sich die Stiftung seiner Meinung nach von Microsoft lösen, sowohl finanziell als auch personell.
Mark Stone ist laut Codeplex.org der einzige Festangestellte der Ende vergangener Woche gegründeten Codeplex Foundation, für die es außerdem einen sechsköpfigen Vorstand und 12 beratendende Vorsitzende gibt. Er ist laut einer Selbstbeschreibung Linuxer seit 1994 und als Linux-Redakteur unter anderem bei O’Reilly und Sourceforge tätig. Seit Mitte 2008 arbeitet er mit dem Open-Source-Strategieteam von Sam Ramji bei Microsoft zusammen.
Andrew Updegrove ist seit 2007 Rechtberater im Dienste der Linux Foundation. Der Anwalt mit einer Kanzlei in Boston, Massachusetts setzt sich auf den Plattformen Digistan.org und Consortiuminfo.org für offene Standards ein und initiierte unter anderem die Ableitung des Den Haager Menschenrechtskatalogs zu einer “Erklärung der Internetrechte“.


