Niemand entkam auf der SUSECON den beiden Topthemen KI und digitale Souveränität – manch einer mag versucht gewesen sein, laut Bingo zu rufen. Doch abseits davon lässt sich vor allem bei SLE und MLM viel Positives berichten.
Ganz im Einklang mit dem Motto “Shape Your Resilient Future” und dem omnipräsenten Trendthema digitale Souveränität kehrte die SUSECON 2026 nach Europa zurück. Vom 20. bis 23. April tummelten sich im Hilton Prague Atrium (Abbildung 1) in der Nähe der Prager Altstadt mehr als 1000 Teilnehmer auf der SUSE-Hausmesse.

Abbildung 1: Das Konferenzhotel stand ganz im Zeichen der SUSECON und bot mit mehr als 7000 m2 ausreichend Veranstaltungsfläche.
Dabei hatten sie die Wahl aus über 140 Sessions rund um Linux, Open Source, Automatisierung und Container-Technologien. Neben SUSE-eigenen, teilweise mit Mitgliedern der Entwicklungsteams besetzen Produktständen (Multi-Linux Manager, SUSE Linux, SUSE Rancher) fanden sich zahlreiche Stände verpartneter Unternehmen. Dort ließen sich nicht nur Kontakte knüpfen, sondern auch wertvolles Produktfeedback abgeben. An den SUSE-eigenen Ständen waren in diesem Jahr außerdem erstmalig Support-Mitarbeitende auf der Konferenz vertreten, um aktiv nach Feedback und Verbesserungsvorschlägen zu fragen.
Traditionsgemäß schuf die SUSECON wieder die Gelegenheit, kostenfreie Fachprüfungen abzulegen. Wie andere Hersteller bietet SUSE zahlreiche Schulungen und Zertifizierungen für das Produktportfolio an [2]. Bei den Examen handelt es sich in aller Regel um Multiple-Choice-Prüfungen, die Preise rangieren zwischen 150 und 200 US-Dollar. Die Lernziele lassen sich öffentlich einsehen – routinierten Administratoren könnte ein Prüfungsversuch also auch ohne Vorabschulung gelingen. Das kostenlose Angebot erfreut sich großer Beliebtheit: Die etwa 2 Stunden andauernden Sessions waren nahezu ausgebucht.
Den Keynote-Reigen eröffnete am Montag erfreulicherweise die technische “Demopalooza” mit einer Vorschau auf kommende Ankündigungen der nächsten Tage. Bemerkenswert war, dass übliche buzzword-getränkte Präsentationen in den Hintergrund rückten und stattdessen zahlreiche Technologien als anschauliche Live-Demos auf dem Programm standen. Für Entscheider und Managerinnen gab es am ersten Vormittag eine spezielle Session (“SUSE Sovereign Summit”) rund um digitale Souveränität [3].
Kaum überraschend gestaltete sich die Agenda der SUSECON 2026 erneut stark KI-lastig. In einer der Keynotes dauerte es keine halbe Minute, bis ein dramatisch musikalisch untermaltes Intro in den Begriffen “AI”, “Digital Sovereignty” und “Fate” mündete. Generell richteten sich die Keynotes aufgrund der überschaubaren inhaltlichen Tiefe und hochglanzpolierten Folien wenig an technisch interessierte Besucherinnen. SUSE-CEO Dirk-Peter van Leeuwen betonte, SUSE sei nicht zuletzt wegen der Diskussion rund um digitale Souveränität und Offenheit relevanter denn je.
Der Austragungsort Prag sei auch deswegen passend, da die geschichtsträchtige Stadt viel politische Veränderung erlebt hat – eine Parallele zur ökonomisch-geopolitisch angespannten Lage der IT-Branche. Außerdem müsse man langjährige Partnerschaften unter diesen veränderten Voraussetzungen neu definieren. Das lässt sich durchaus als Anspielung auf den VMware-/Broadcom-Eklat interpretieren. Auch im IT-Alltag omnipräsente Dienste mussten Kritik einstecken – so wurden SUSE Private Registry und SUSE Application Collection als denkbare Alternativen zu DockerHub und Artifact Hub genannt.
Im Bezug auf das Produktportfolio erklärte van Leeuwen, SUSE habe heute nur noch wenig mit dem Betriebssystem vor 30 und auch vor 3 Jahren gemeinsam – man sei nicht mehr der langweilige Linux-Hersteller, sondern fokussiere sich auf ein innovatives und breit aufgestelltes Angebot. Die Offenheit liegt laut van Leeuwen zudem darin begründet, dass Multi-Linux Manager mit 17 Distributionen weit mehr portfoliofremde Produkte unterstützt als die Konkurrenz.
Mit Multi-Linux Support (früher als SUSE Liberty Linux bekannt) böte man ein von SUSE gepflegtes binärkompatibles RHEL-Downstream an, das deutlich günstiger als RHEL und Oracle Linux sei. Das Angebot richtet sich an migrationswillige und -unwillige Kundinnen, die derzeit noch nicht auf SLE setzen können. In Kürze soll ein auf Enterprise Linux 10 basiertes Downstream erscheinen, ein vom Support abgedeckter Migrationspfad zu SLE steht ebenfalls auf der Erwartungsliste. Multi-Linux Manager zählt ab der Subskriptionsstufe Basic inzwischen zu den enthaltenen Features, CentOS 7-Installationen werden noch bis Juni 2028 unterstützt.
Verbandelt
Unterschiedliche Sprecherinnen und Gäste lobten bestehende Partnerschaften. Ein wenig deplatziert wirkte dagegen eine neue Partnerschaft mit Oracle, um das vollständige SUSE-Portfolio auch auf der US-amerikanischen Cloud-Platform anbieten zu können. Auch eher unversöhnlich klangen die Töne gegenüber Broadcom. Die Vorteile der eigenen Hyper-converged Infrastructure-Lösung SUSE Virtualization wurden mehrfach betont: Neben vergleichsweise deutlich niedrigeren Kosten unterstrichen die Referenten den Open Source-Bezug sowie die Integration in eine Vielzahl weiterer Tools.
Der Partnerschaft mit NVIDIA entspringt das neue Angebot SUSE AI Factory with NVIDIA. Es erweitert Rancher Prime um die Möglichkeit, KI-Workloads zeitsparend bereitzustellen und zu verwalten. Der NVIDIA-Aufsatz gestattet es, diverse Blueprints für selbst betriebene KI-Anwendungen auszuführen: namentlich NVIDIA RAG Blueprint, NVIDIA AIQ Blueprint und NemoClaw Blueprint. Vor der Bereitstellung lassen sie sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen.
Mit SUSE Sovereign Premium Support [4] kündigte SUSE bereits im letzten Jahr ein weiteres Support-Paket an, bei dem ausschließlich europäische Ressourcen (Speicher und Mitarbeitende) zum Einsatz kommen – ein erfreuliches und spannendes Angebot. Gleichzeitig kursieren dazu nach wie vor wenig konkrete Informationen. Ein Aufpreis gilt jedoch nachvollziehbar als unausweichlich.
Bezugnehmend auf digitale Souveränität hat es sich SUSE zur Aufgabe gemacht, das eigene Produktportfolio mittels MCP (Model Context Protocol) vielen unterschiedlichen LLMs zugänglich zu machen, so Rick Spencer (Vice President und General Manager Engineering). MCP ist ein quelloffenes Standard-Protokoll zur Kommunikation zwischen Anwendungen und Sprachmodellen – vergleichbar mit einer Art USB-C-Port für sogenannte Agentic AI-Applikationen (Abbildung 2). Dadurch funktioniert ein niederschwelliger Austausch über zustandsbehaftete JSON-RPCs – Software und Modell müssen dabei nicht zwingend aufeinander abgestimmt sein. Ein passende Webseite [5] sammelt unterschiedliche Demos der bisherigen Integrationen.
Das ist konzeptionell durchaus interessant, gleichwohl sind die gezeigten Beispiele eher als technische Spielereien mit Unterhaltungsfaktor und weniger als realistische Anforderungen aus dem Alltag zu betrachten. Man präsentierte vor allem n8n-basierte Workflows, die ausgeführte Anwendungen und die dazugehörige Infrastruktur auswerteten und entsprechend inhaltliche aufbereitete Reports in Slack-Chats sendeten. Ein anderes Beispiel beschränkte sich auf das Steuern von IoT-Lampen auf der Bühne. Dafür braucht es wahrlich keine komplexen KI-Szenarien. Die Lobeshymnen, welch komplexe Probleme sich mit KI-Technologie doch lösen ließen, wirkten repetitiv und wenig konkret. Der Spannungsbogen hat zumindest mich nicht mitreißen können.
Dabei gibt es durchaus thematisierenswerte technische Erneuerungen: Eine Keynote drehte sich um den in Entwicklung befindlichen persönlichen KI-Assistent Liz AI. Er erweitert die Kubernetes-Management-Plattform Rancher Prime um eine ChatGPT-ähnliche Schnittstelle, über die Betrieb und Analyse unterstützt werden sollen. Der Clou: Dabei soll nicht einmal mehr eine Anbindung an US-Player wie ChatGPT oder Gemini geschehen, sondern lokale Ressourcen Verwendung finden. Die Demonstration lief auf einem Rechner mit passender GPU-Leistung. Das dauerte zwar einige Sekunden länger, aber die Daten verließen eben nicht die Bühne und waren somit völlig autark und souverän. Das bildet eine Anforderung ab, mit der sich viele Kunden derzeit konfrontiert sehen dürften. Zugriffe auf die Infrastruktur erfolgten dank rollenbasierten Berechtigungen primär lesend. Vorgeschlagene Änderungen, beispielsweise um eine diskfunktionale Anwendung wieder zum Laufen zu bringen, erfordern zwingend menschliche Zustimmung.
Der Akquisition des US-amerikanischen Industrial IoT-Spezialisten Losant entstammt das neue Produkt SUSE Industrial Edge. Die Software zielt vor allem auf die als Tiny Edge bezeichneten Kleinstgeräte ab, beispielsweise Sensoren in Fertigungseinrichtungen oder smarten Städten. SUSE möchte die Technologie laut Keith Basil (General Manager Edge als Open Source veröffentlichten und in die bestehende SUSE Edge-Suite integrieren. In Zuge dessen wurde das Unternehmen außerdem Steering Committee-Mitglied des Margo-Projekts der Linux Foundation, einer Open Source-Community für industrielle Edge-Automation.
CloudBase Coriolis
Während der Keynotes griff man darüber hinaus eine neue Partnerschaft mit dem europäischen Softwareanbieter CloudBase Solutions auf. Die Firma ist vor allem für das Migrationswerkzeug Coriolis (benannt nach dem Effekt der gleichnamigen Scheinkraft) bekannt. Es erlaubt die massenhafte Migration (“lift and shift”) von VMs zwischen verschiedenen Cloud-Plattformen – während der Keynotes wurde vor allem die Migration von VMware vSphere hin zu SUSE Virtualization beworben. Zu den weiteren unterstützten Anbietern zählen unter anderem Amazon Web Services, Microsoft Azure und Hyper-V sowie Oracle Virtualization.
Über eine komfortable Weboberfläche (Abbildung 3) lassen sich entsprechende Quell- und Zielumgebungen definieren. Zahlreiche Optionen und Skripte erleichtern die Migration. So installiert die Software automatisch die benötigten Client-Komponenten der neuen Plattform, zum Beispiel »qemu-guest-agent« statt VMware Tools. Benutzerdefinierte hinterlegte Skripte ermöglichen die Migration komplexer Anwendungen. Ein zusammen mit SUSE und SAP entwickelter Workflow gestattet das Migrieren von SAP-Workloads ohne Verlust des Hersteller-Supports. Der neuen Partnerschaft ist auch ein weiteres Angebot zu verdanken: die SUSE-Kundschaft erhält fünf kostenfreie Migrationen zu Testzwecken, neue SUSE Virtualization-Subscriptions umfassen fortan zehn Migrationen frei Haus. Migrierte Systeme lassen sich nun automatisch in Multi-Linux-Manager registrieren – Red Hat- oder Oracle Linux-basierte Systeme lassen sich währenddessen in Multi-Linux Support-Systeme verwandeln.

Abbildung 3: Die Weboberfläche des Migrationswerkzeugs Coriolis macht einen übersichtlichen Eindruck. Quelle: CloudBase
Unter der Haube werkeln bei der Migration temporäre Worker-VMs. Sie nutzen die Snapshot-Technologie des verwendeten Hypervisors, um einen konsistenten Zustand der Quellmaschine herzustellen. Anschließend werden sämtliche Inhalte des Quellsystems in eine neue virtuelle Hülle übernommen – zuletzt ausgeführte Delta-Synchronisationen übertragen zwischenzeitlich neu hinzugekommene Dateien. Dabei kommen kryptografische Prüfungen zum Einsatz, um die Unversehrtheit der Datenmengen sicherzustellen. Ein Vorteil besteht darin, dass Migrationen ohne Downtime und Agentensoftware auskommen. Das Wechseln von der Quellmaschine zur neuen VM kann zu einem beliebigen Zeitpunkt stattfinden und nach der Übernahme verbleibender Inhalte lässt sich die Quellmaschine automatisch herunterfahren und dekommissionieren.
SLES
SUSE war seit dem gespannt erwarteten Release von SUSE Linux Enterprise (SLE) 16.0 [6] im November 2025 nicht untätig, wie ein Ausblick auf kommende Versionen zeigte. Mit der für November 2026 geplanten Version 16.1 verschmelzen SLE und der Immutable-Ableger SUSE Linux Micro (SL Micro). Das dürfte viele Engineers erfreuen, da SL Micro zwar einen innovativen und auf erhöhte Sicherheit optimierten Ansatz verfolgt, aber aufgrund einer stark reduzierten Paketauswahl in vielen Fällen eher ein Schattendasein fristet.
Während die SLE-Repositories circa 46 000 Pakete umfassen müssen sich Interessierte bei SL Micro derzeit mit knapp 4500 Paketen begnügen. Das führt dazu, dass SL Micro vor allem dort auftaucht, wo es eine einfache Appliance zum Ausführen von VMs oder Containern braucht, etwa beim Einsatz von Multi-Linux Manager oder Rancher Prime. Rudimentäre Zusatzpakete, wie alternative Shells und Anwendungsbibliotheken, fehlten bisher. Mit 16.1 entfällt SL Micro als dediziertes Produkt mit eigenem ISO-Abbild – es ist fortan lediglich eine Installationsvariante im SLE-Installer und kann aus dem vollen Repository-Umfang schöpfen. An die bisherige Rancher Prime- und Multi-Linux-Manager-Kundschaft, die das transkationale Betriebssystem bisher im Rahmen der Subskription frei Haus bekommen hat, will SUSE gedacht haben. Ob die Subskriptionen zukünftig ein vollwertiges SLES enthalten, ist bis dato allerdings unklar.
Zu den technischen Neuerungen zählen unter anderem eine neue Ansible Core-Version 2.20 sowie überarbeitete System Roles. Letztere sind von SUSE weiterentwickelte und freigegebene Ansible-Rollen auf Basis des gleichnamigen Projekts der Fedora-Community [7]. Diese Ansible-Inhalte liefert auch Red Hat zusammen mit Red Hat Enterprise Linux (RHEL) aus und sie sind in diesem Kontext vom Support abgedeckt. SUSE bedient sich hier aber nicht nur, sondern bietet entwickelten Code dem Upstream-Projekt an. Die Entwicklung ist begrüßenswert, da SUSE bisher Ansible scheute und auf alternative Ansätze wie Salt verwies.
Mit dem ersten Point-Release führt SUSE fort, was man in Version 16.0 angekündigt hat: die optionale KI-Funktionalität. Dem schon verfügbaren Paket »mcphost« wollen die Entwickler weitere Integrationen zur Seite stellen. So soll es möglich sein, lesenden Zugriff auf das systemweite Journal zu erhalten – eine Integration in Cockpit verspricht die bereitgestellte Technologie einfacher zu nutzen.
Mit 16.1 kehren darüber hinaus drei spezielle SLE-Varianten zurück: SLE High Availability (HA), SLE High Performance Computing (HPC) und das für den Einzelhandel optimierte SLE Point of Service (POS). Auch mit einer offiziellen Freigabe von SLE 16.x für SAP-Workloads durch die Waldorfer dürfte in den nächsten Monaten zu rechnen sein. Enthusiasten und Entwicklerinnen können sich an der öffentlichen SLE 16.1-Beta beteiligen, die im Mai 2026 startet. Die für November 2027 geplante Version 16.2 soll voraussichtlich erstmalig mit RISC-V-Support erscheinen.
Multi-Linux Manager
Während der Konferenz veröffentlichte SUSE Version 5.1.3 der hauseigenen Patch-Management-Suite [8]. Zu den auffälligsten Neuigkeiten gehört der von einigen Entwicklern sehnlichst erwartete Enterprise Linux 10- und Debian 13-Support. Die bereits im Mai und August 2025 erschienenen Distributionen ließen sich bisher noch nicht verwalten und patchen. Ein weiteres Comeback dürfte gleichsam für Freude sorgen: Online-Backups der verwendeten PostgreSQL-Datenbank sind ab sofort wieder möglich.
Das seit der ersten SUSE Manager-Version existierende »smdba«-Werkzeug hatte man im vergangenen Juli mit der Version 5.1 ersatzlos gestrichen. Grund hierfür dürfte gewesen sein, dass man die Datenbank in dieser Version in einen dedizierten Podman-Container verfrachtet hat. Dank Write-Ahead Logging lassen sich nun erneut konsistente Backups in dedizierte Podman-Volumes schreiben: Die Steuerung erfolgt komfortabel über das bereits bekannte »mgradm«-Kommando (Listing 1), weitere Details schildert die Dokumentation [9].
Listing 1
Aktivieren und Überprüfen von PostgreSQL-Backups
# mgradm backup db enable # mgradm backup db status
Mit der für Juni 2026 geplanten Version 5.2 verlängert SUSE den Wartungszyklus des Produkts. In Zukunft werden einzelne Versionen der Suite drei statt nur zwei Jahre unterstützt – das letzte Jahr beschränkt sich auf Bug und Security Fixes, neue Features werden dann nicht mehr portiert. Insbesondere große Systemlandschaften profitieren davon, bleibt doch dadurch mehr Zeit für das Aktualisieren des Patch-Managements. Die neue Version lässt sich weiterhin auf SL Micro 6.2 und SLE 15 SP7 betreiben, wobei letzteres nach wie vor eine dedizierte SLE-Subscription erfordert.
@L.Hinzugekommen ist eine dritte Option: Multi-Linux Manager lässt sich zukünftig über Helm als Kubernetes-Deployment bereitstellen. Das liegt vor allem in cloud-nativen Umgebungen nahe. SUSE testet hier vor allem auf der eigenen RKE2-Plattform – ob andere Kubernetes-Distributionen ebenfalls vom Support unterstützt werden, ist bislang unklar. Den Support für transaktionale Systeme (SL Micro und openSUSE Leap Micro) hat SUSE verbessert, Sicherheitsauditierungen über OpenSCAP [10] lassen sich jetzt wiederkehrend ausführen. Außerdem erhält die noch recht frische Role-based Access Control-Funktionalität mehr Feinschliff. Für das brandneue Ubuntu 26.04 und Raspberry Pi OS strebt man zukünftig offizielle Unterstützung an.
Im für die Gesamtsicherheit einer Systemlandschaft verantwortlichen Patch-Management sieht SUSE Potenzial für KI. So soll Multi-Linux Manager 5.2 über einen optionalen MCP-Agenten verfügen, um Wartungsläufe zu vereinfachen. Eine Demo während der Demopalooza-Keynote am ersten Tag zeigte, was sich damit machen lässt: Ein mit der Software n8n erstellter Workflow bezog Patch-Informationen in Echtzeit und erstellte einen mittels Natural Language verfassten Report, der in einen Slack-Chat floss.
Doch eine spätere Demonstration in einem anderen Vortrag war bedeutend interessanter. Hier agierte eine eigens entwickelte Python-Anwendung als Vermittler zwischen dem MCP-Agent und einem angeschlossenen Sprachmodell. Dieser APA (Autonomous Patching Agent) bezieht Informationen über ausstehende Patches und berechnet zusammen mit dem gewünschten Sprachmodell eine konservative und realistische Reihenfolge von auszuführenden Wartungsaufgaben. Daraufhin werden die Aufgaben auf semantische und syntaktische Plausibilität überprüft und schließlich muss ein Menschen sie sichten und bestätigen. Restriktive RBAC-Regeln sollen verhindern, dass übereifrige Modelle eigenständig Aktionen ausführen. Die Steuerung funktioniert per Chat-Eingabe, perspektivisch ist auch eine grafische Integration in das Produkt denkbar.
Für kommende Programmversionen nimmt sich das Entwicklungsteam unverfänglichere Verbesserungen vor. Unter dem Schlagwort Lazy Repo Sync möchte es schnellere und wenig umfangreiche Downloads von Softwarerepositories ermöglichen, beispielsweise durch das Überspringen nicht benötigter Pakete. Die Umsetzung dürfte sich jedoch als komplex herausstellen, da es viele konträre, rege in der Community diskutierte Ansätze gibt. Zukünftig sollen auch Ansible-Playbooks, Salt-Formulas und Bash-Skripte versioniert werden. Ein Highlight könnte die Verteilung von Snap- und Flatpaksoftwarepaketen sein. Auch im Security-Bereich will man nachbessern: Erweitere Auditierungsfunktionen und ein zentrales Security-Dashboard sollen die bisherigen Features aufwerten.
SUSE Virtualization
Mit SUSE Virtualization [11] bietet SUSE einen Hypervisor auf Basis des Harvester-Projekts [12] an, der technisch vor allem für cloud-native Workloads interessant ist. Auf Kubernetes und KubeVirt [13] basierend betreibt und verwaltet man sowohl VMs als auch Container-Workloads mit dem gleichen Stack. Für verteilten Speicher kommt das Longhorn-Projekt zum Einsatz, die Umgebung lässt sich bequem via Prometheus und Grafana überwachen. Außerhalb des Kubernetes-Ökosystems steht ein Terraform-/OpenTofu-Provider zur Verfügung. In Verbindung mit der eigenen Magenement-Suite Rancher Prime lassen sich so unterschiedliche Kubernetes-Distributionen betreiben und zentral verwalten. Neben K3S und RKE2 unterstützt SUSE auch bei auserwählten Hyperscalern gehostete Kubernetes-Umgebungen.
Zu den letzten Harvester-Neuerungen zählt der Multi-Instance GPU-Support (MIG) für NVIDIA-GPUs. Die Funktion erlaubt es, Grafikbeschleuniger zu isolieren und zu partitionieren (Abbildung 4). So lässt sich beispielsweise eine GPU mit 180 GByte Videospeicher und zahlreichen Ausführungseinheiten halbieren um die Resourcen zwischen ausgeführten Workloads aufzuteilen. Das verspricht eine höhere parallele Auslastung – in der Praxis dürften vor allem KI-Anwendungen davon profitieren. Darüber hinaus lassen sich VMs nun automatisch zwischen den Knoten eines Clusters verschieben, um ihn gleichmäßig auszulasten. Diese Funktion muss man allerdings manuell aktivieren, da damit eine kontinuierliche Überwachung der Ressourcen wie CPU und RAM einhergeht.

Abbildung 4: Mit Multi-Instance GPU-Support lassen sich GPU-lastige Workloads partitionieren. Quelle: Nvidia
Mit der bald erscheinenden Harvester-Version 1.8 werden erweiterte Netzwerk-Funktionalitäten eingeführt. So soll eine Topologie-Ansicht dabei helfen, ein besseres Verständnis hinsichtlich privater und öffentlicher Netzwerke zu erreichen.
Fazit
Insbesondere der fachliche Austausch mit Entwicklern und Teilnehmenden motivieren mich Konferenzen wie die SUSECON zu besuchen. Kostenfreie Prüfungen sind dabei ein Vorteil, den ich gern mitnehme, sofern es die Zeitplanung zulässt. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass Keynotes nicht nur wieder technischer sein sollten, sondern das auch sein müssen. Die Alternative ist, sie drastisch einzukürzen. Von 2013 bis 2024 waren eigens konzipierte Musikvideo-Parodien [14] Teil der Eröffnungszeremonie – sie brachten humorvolle Abwechslung und zahlreiche Teilnehmenden vermissen sie schmerzlich. An mangelnder Kreativität kann es nicht liegen: Die aus Mitarbeitenden bestehende SUSE-Band wusste das Publikum während einer Abendveranstaltung zu unterhalten.
Generell wirkten die omnipräsenten KI- und Souveränitätshymnen der SUSECON 2026 abgenutzt. Das ließ sich auch an einer Session erkennen, bei der ein Referent schallenden Beifall für die Aussage erntete, nicht über KI zu berichten. Für die prinzipiell interessante Demopalooza-Session wünsche ich mir realistischere Demos. Den starken Fokus darauf, KI-Workloads auch auf eigener Hardware auszuführen finde ich sinnvoll. Ich stehe dem Trendthema zwar grundsätzlich skeptisch gegenüber, sehe aber den Mehrwert durch die freie Wahl der Infrastruktur. Die halte die Entscheidung für richtig, bei KI-Assistenten den Menschen weiterhin als Kontrollinstanz zu behalten.
Glücklicherweise gibt es noch mehr Erfreuliches zu berichten: Vor allem bei SLE und MLM gibt es viele sehr sinnvolle Verbesserungen. SUSE hat sich also das Feedback der Kundschaft zu Herzen genommen. Insbesondere die neue Coriolis-Partnerschaft sowie die Entwicklungen im Harvester-Projekt scheinen in der aktuellen Marktsituation Anklang zu finden. Der nächste Austragungsort der SUSECON steht noch nicht fest. Ich hoffe, ich finde auch mit menschlicher Intelligenz den Weg zum Event. (csi)
Infos
- SUSECON-Webseite: https://s<paragraph></paragraph>usecon.com/
- SUSE-Prüfungen: https://www.suse.com/training/exam/
- SUSE Sorvereign Summit: https://more.suse.com/suse-sovereign-summit-26-register.html
- SUSE Sovereign Premium Support: https://www.suse.com/c/suse-eu-digital-sovereignty-support/
- SUSE MCP-Demos: https://fast.wistia.com/embed/channel/dywxuyqy3i
- SLES 16 & SL Micro 6.2: Christian Stankowic, “Automatisierung und Altlasten”, LM 02/2026, S. 54, https://www.lm-online.de/52814
- Fedora System Roles: https://linux-system-roles.github.io/
- SUSE Multi-Linux Manager 5.1 Release Notes: https://www.suse.com/releasenotes/x86_64/multi-linux-manager/5.1/index.html
- SUSE Multi-Linux Manager 5.1-Dokumentation bzgl. Backups: https://documentation.suse.com/multi-linux-manager/5.1/en/docs/administration/backup-restore-db.html
- OpenSCAP: Christian Stankowic, “Gefühl und Sicherheit”, LM 04/2026, S. 16, https://www.lm-online.de/53362
- SUSE Virtualization: https://www.suse.com/de-de/products/rancher/virtualization/
- Harvester: https://harvesterhci.io/
- KubeVirt: https://kubevirt.io/
- SUSE Parody Music Videos (YouTube): https://www.youtube.com/playlist?list=PL6sYHytyKN2-X93TurF3JptW8qSVm0DzA







