Dafür, dass es eine Milliarde PCs gibt, erscheint die Auswahl an Betriebssystemen oder Office-Programmen seltsam gering. Es wird Zeit für Fakten und Argumente, die herrschende Monopole ins Wanken bringen. Zehn davon tragen die folgenden Artikel zusammen. Die Strecke eröffnet aber ein Kommentar.
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Inhalt |
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34 | Transparenz Plaintext-Konfiguration und Zugriff auf den kompletten 36 | Effizienz Weniger ist mehr: Linux ist genügsam und lässt sich 38 | Softwareverwaltung Windows kommt ohne jede Paket- und Updateverwaltung für 40 | Unabhängigkeit Vendor-Lock-In ist der Alptraum. Freie Software erspart die 42 | Kosten Linux ist günstiger, so lautet das gängige Vorurteil. 44 | Emotional Linux-Admins erzählen, warum Microsoft das schlechtere Image 46 | Plattformneutral Linux ist anpassungsfähiger: Es läuft auf PCs, Handys und 48 | Entwicklungsmodell DRBD und FET demonstrieren die Vorteile von 51 | Sicherheit Virenfreiheit, Firewalls und das offene Entwicklungsmodell sprechen 52 | Community Bugzilla und Co: Wie die freie Community bei der Fehlersuche |
Die Schlagzeilen eines Monats: “Microsoft baut bis zu 5.000 Jobs ab” (22. 1.), “Microsofts Flight Simulator vor dem Aus” (25. 1.), “Microsofts Zune – Verkäufe im freien Fall” (26. 1.) – alle erschienen im ORF-Portal Futurezone [1]. Microsoft, gegründet 1975, hat bisher Arbeitsplätze nur in unbedeutendem Ausmaß gestrichen. Nun kommt die Krise bei der Windows-Produzentin an.
Steve Ballmer, bekannt für bizarre Sprüche und skurrile Tanzeinlagen, gesteht zwar zu, dass Microsoft nicht “immun” sei gegen die Rezession. Microsoft werde aus dieser Krise aber “gestärkt” hervorgehen. Dabei streicht das Unternehmen sogar Stellen im Zukunftsträchtigen Bereich Forschung und Entwicklung. Auch für das traditionsreichen Spiel Flight Simulator kommt nach fast drei Jahrzehnten das Aus.
Anfangs heftig beworbene Microsoft-Produkte wie der Musikplayer Zune, ohnehin bisher nur in den USA erhältlich, erweisen sich als Ladenhüter, bei denen der Konzern keine absoluten Zahlen verkaufter Einheiten angibt. Apple dagegen steigerte den Absatz seines I-Pod allein im zweiten Quartal 2008 um 3 Prozent auf 22,7 Millionen Geräte.
Die öffentliche Hand
Die größte Gefahr für Microsoft geht von Staaten aus, welche die Migration weg von Windows hin zu offenen Standards quasi verordnen. Gründe dafür lassen sich leicht finden: Kostensenkungen, Ausbau der im eigenen Land vorhandenen IT-Kapazitäten, Abbau der Abhängigkeit von einem US-Konzern sowie eine aktive Community, die für vergleichsweise sichere Produkte steht und die keine Geheimniskrämerei aus Bugs macht, sondern sie behebt. Wenn ein Staat auf offene IT setzen will, genügt im Prinzip ein Gesetz, welches anordnet, dass jede Software, die von oder für die Regierung entwickelt wird, auf offenen Standards zu beruhen hat. Den Weg geht beispielsweise Südafrika.
Das österreichische Bundesministerium für Justiz hat mit Erlass vom 27. Mai 2008, BMJ-Pr6214/0012-Pr5/2008, bekannt gegeben, dass die Justiz Open Office Writer als Standardtextverarbeitung einführt und andere Produkte ab Anfang 2009 nicht mehr zur Verfügung stehen. Andere Ministerien des Alpenstaates werden folgen, die staatlichen Schulen und Universitäten sind zum Nachziehen verpflichtet.
Proprietäre Microsoft-Produkte – bald ein (Un-)Ding der Vergangenheit? Der Trend geht in vielen Ländern in diese Richtung. Für Microsoft ist die Entwicklung in Österreich besonders schmerzlich: Seit 2002 arbeitet sich das Land, gestartet von Platz 11 im E-Government-Ranking der Europäischen Kommission, nach vorne und liegt seit drei Jahren auf Platz 1.
Das Kartellrecht und die wendige Konkurrenz
Auch kartellrechtlich ist Microsoft im Visier der Politik: Nach Ansicht der Europäischen Kommision hat der Firma wiederholt ihre Marktmacht missbraucht und bekam dafür Geldstrafen von der Wettbewerbsbehörde auferlegt, so im Februar 2008 beachtliche 899 Millionen Euro. [2] Begründung: Die Firma hat für die Bereitstellung technischer Informationen an ihre Konkurrenten überhöhte Preise verlangt und es riskiert, gegen Auflagen der Europäischen Kommission zu verstoßen. Derzeit läuft ein drittes Verfahren, losgetreten von Opera.
Andererseits lehren wendige Konkurrenten, insbesondere Google, mit neuen Online-Applikationen Microsoft das Fürchten. Microsoft hat abermals einen technologischen Anschluss verpasst und kann kaum mehr aus eigener Kraft wachsen. Da kam 2008 Steve Ballmer das Scheitern seines Versuchs, Yahoo zu übernehmen, sicher ungelegen.
Patente und Lizenzen
Ein anderes Ungemach sind teure Rechts- und Patentstreitigkeiten, die Geld und Energie binden. Insbesondere in den USA mutieren nicht genau definierte Patente zu “Patentbomben”, die Unternehmen in den Abgrund reißen können. Das Urteil im Prozess zwischen Alcatel-Lucent und Microsoft wegen der Verletzung eines Softwarepatents ging mit der Rekordstrafe von 1,14 Milliarden gegen Microsoft aus.
Dem Fraunhofer-Institut musste Microsoft für die Nutzung der MP3-Rechte relativ bescheidene 16 Millionen Dollar zahlen. Der größte US-Netzbetreiber AT&T verklagte Microsoft schon 2001 wegen Verletzung seiner Patente bei der Spracherkennung. Microsoft ist somit zum Gefangenen eines Systems geworden, das es selbst maßgeblich mit errichtet hat. Der Prozessreigen um proprietäre Software dreht sich immer schneller und wird immer unberechenbarer. Dazu kommt, dass es bessere Rechtsschutzmöglichkeiten für kleinere Unternehmen gibt, um sich gegen die Marktmacht von Microsoft und anderer zu wehren.
Microsoft hat sich in einem Gestrüpp aus vielen Rechtsstreitigkeiten mit hohen Streitwerten in vielen Ländern verfangen, was sich lähmend auf die Innovationskraft des Unternehmens auswirkt. Über die vielen Prozesse freuen sich nur die zahlreichen Anwaltskanzleien, die Microsoft beschäftigen muss, um nicht von einer Lawine ungelöster rechtlicher Probleme erdrückt zu werden.
Überflüssig statt flüssig
Microsoft ist zum Synonym für Bloatware geworden: Einem Übel, das darin besteht, Systeme mit für die Mehrzahl der Anwender überflüssigen Features zu überfrachten. Dem steht dann oft das vergleichsweise schlanke und stets flexible Linux gegenüber. Das bestes Beispiel gibt der boomende Markt für Netbooks ab, der anfangs fest in der Hand von Linux-Distributionen war.
Die freie Software genügt völlig zum Bewältigen der Alltagssituationen auf den Mini-Notebooks: Unterwegs im Internet zu surfen oder E-Mails zu verschicken. Als Reaktion darauf und weil Vista auf den im Vergleich zu einem Standard-PC mager ausgestatteten Netbooks nicht zum Laufen zu bringen war, musste Microsoft sein eigentlich schon aus dem Verkauf genommenen Windows XP Home aus dem Keller holen und als als ULCPC-Variante (Ultra Low Cost PC) den Netbook-Herstellern verbilligt antragen.
Doch die Bereitschaft, sich Diktaten von Quasi-Monopolisten zu beugen, sinkt. Viele Konsumenten erkennen, dass Windows auf Netbooks überflüssig ist und zum Beispiel Easy Peasy [3], eine für Netbooks optimierte Version von Ubuntu 8.10, besser und wesentlich flinker sind. Auch die Playstation 3 ist nicht nur eine Spielekonsole, sondern sie lässt sich zugleich auch als Zweit-PC mit Yellow Dog Linux nutzen. Open Source be- und verdrängt hier teure Bloatware aus ganzen Marktsegmenten.
Wenn Argumente sprechen
Das Unternehmen Microsoft tut sich mit seinem proprietären Vertriebskonzept momentan schwer. Und es besteht kaum Aussicht, dass sich die Situation verbessert. Um das Image der Firma ist es (außerhalb der USA) nicht zum Besten bestellt. Die in diesem Artikel angeführten Indizien liefern die Gründe, aber auch genug andere. (jk)
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Infos |
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[1] Futurezone: [http://futurezone.orf.at] [2] M. Huber, “Microsoft muss …”: [https://www.linux-magazin.de/news/microsoft_muss_899_millionen_euro_geldstrafe_zahlen] [3] Easy Peasy: [http://www.geteasypeasy.com] |







