Aus Linux-Magazin 12/2025

Nextcloud Hub 25 Autumn bringt technische Verbesserungen und durchdachte neue Funktionen

© Nextcloud

Die digitale Souveränität Europas steht unter Druck. In einer Zeit, in der internationale technische, politische und wirtschaftliche Herausforderungen die Unabhängigkeit Europas auf die Probe stellen, bietet Nextcloud mit Hub 25 Autumn eine souveräne Alternative.

Am 27. September 2025 hat Nextcloud die neue Version ihrer Open-Source-Kollaborationsplattform auf der Nextcloud Conference in Berlin offiziell vorgestellt. Mit Hub 25 Autumn [1] führt das Unternehmen nicht nur technische Neuerungen ein, sondern auch eine intuitivere Nomenklatur. Statt an verwirrenden Versionsnummern orientiert sich die Bezeichnung nun an Jahren und Jahreszeiten: Hub 25 für 2025, Autumn für den Herbst.

Für Nextcloud geht es um mehr als nur Software. Frank Karlitschek, CEO und Gründer von Nextcloud, erklärt: “Open Source ist nicht länger optional – Transparenz ist unverzichtbar für Europas Demokratie, Innovation und wirtschaftliche Stärke.” Diese Philosophie zieht sich wie ein roter Faden durch die neunjährige Firmengeschichte. Mit über 150 Mitarbeitern und Tausenden Contributors hat sich Nextcloud zur weltweit meistgenutzten datenschutzorientierten Kollaborationsplattform entwickelt – ein Beweis, dass ethische Prinzipien und geschäftlicher Erfolg sich nicht ausschließen müssen.

Das neue Design von Hub 25 Autumn begrüßt Nutzer mit einer durchdacht modernisierten Oberfläche. Die Änderungen sind subtil, aber wirkungsvoll: Outline-Icons geben der Benutzeroberfläche ein leichtes und modernes Design. Buttons erhielten eine visuelle Erhöhung, die sie förmlich “klickbar” erscheinen lässt.

Jan C. Borchardt, Design Lead bei Nextcloud, erklärt die Philosophie dahinter: “Das erneuerte Design soll dazu führen, dass sich Nutzer in ihrem digitalen Arbeitsbereich wohlfühlen. Die subtilen Änderungen machen die Oberfläche von Nextcloud Hub leichter, zugänglicher und polierter.”

In Office bekennt Nextcloud Farbe

Besonders auffällig sind die Veränderungen in Office. Nach Jahren des minimalistischen Blau-Schwarz-Weiß-Schemas bringt Hub 25 Autumn Farbe ins Spiel – und das aus gutem Grund. Die bunten Icons (Abbildung 1) helfen Nutzern, Werkzeuge schneller zu identifizieren. Außerdem kennzeichnet eine eigne Fokusfarbe jede Office-Anwendung. Dokumente, Tabellen und Präsentationen lassen sich damit auf einen Blick unterscheiden.

Abbildung 1: Die bunten Icons und Fokusfarben verbessern die Übersicht deutlich. Quelle: Nextcloud

Abbildung 1: Die bunten Icons und Fokusfarben verbessern die Übersicht deutlich. Quelle: Nextcloud

Die neue kontextuelle Popover-Funktion (Abbildung 2) beschleunigt die Textbearbeitung. Bei der Auswahl eines Textbereichs erscheinen die wichtigsten Formatierungsoptionen und eine Schnelloption für Kommentare direkt am Cursor. Mauskilometer zur Toolbar zurückzulegen gehört damit der Vergangenheit an.

Abbildung 2: Durch die Popover-Funktion kommen Nutzer deutlich schneller an wichtige Funktionen. Quelle: Nextcloud

Abbildung 2: Durch die Popover-Funktion kommen Nutzer deutlich schneller an wichtige Funktionen. Quelle: Nextcloud

Ein neuer Standard-Hintergrund, der sowohl im hellen als auch im dunklen Modus funktioniert, rundet das visuelle Erlebnis ab. Die fließenden 3D-Formen und abstrakten Muster, entworfen von Brand Graphic Designer Myoung Hee Jo, vermitteln Bewegung und Modernität.

Frank Karlitschek, Gründer und CEO von Nextcloud, betont die Ausrichtung der neuen Version: “Diese Version hilft Nextcloud-Neulingen, sich mit ihrem neuen, die Privatsphäre respektierenden digitalen Arbeitsplatz vertraut zu machen. Das bedeutet Design-Verbesserungen, aber auch einige Schlüsselfunktionen wie die verbesserte Suche in Files oder Threads und Live-Transkripte in Talk. Die technisch versierteren Nutzer unter den Lesern des Linux-Magazins werden die schnellen Config-Presets, die vielen neuen OCC-Befehle und die Entwickler-Upgrades zu schätzen wissen.”

An der Performance-Schraube gedreht

Nextcloud Hub 25 Autumn bringt selbstverständlich auch einige konkret messbare Leistungsverbesserungen: Systemweit 15 Prozent weniger Datenbankabfragen reduzieren nicht nur Wartezeiten. Zusätzlich ermöglicht die gesunkene Zahl mehr gleichzeitige Nutzer bei größeren Installationen.

Chunked Upload gestattet bis zu sechsfach schnellere Uploads, da große Dateien in Stücke aufgeteilt und parallel übertragen werden. Ab sofort steht die Funktion auch für öffentliche Links zur Verfügung. Die doppelte Upload-Geschwindigkeit in der iOS-App geht auf verbesserte Hintergrundprozesse und effizientere Datenübertragung, bei gleichzeitiger Reduzierung der Abstürze und Verbindungsabbrüche um 80 Prozent zurück.

Das Virtual File System (VFS) zeigt Dateien im lokalen Datei-Explorer an, ohne sie tatsächlich herunterzuladen – sie werden erst bei Bedarf vom Server geholt. Das spart massiv Speicherplatz auf dem lokalen Gerät. Die Optimierungen für macOS und Windows zeigen deutliche Verbesserungen: Auf macOS ist das Setup jetzt nahezu sofort abgeschlossen und ermöglicht parallele Ordnernavigation während der laufenden Synchronisation.

Der Batterieverbrauch und die Netzwerknutzung wurden durch intelligente, bedarfsgerechte Synchronisation erheblich reduziert. Unter Windows beschleunigt optimierte Indexierung das Setup um 30 Prozent. Die neue “Keep file locally available”-Option ermöglicht es zudem, wichtige Dateien dauerhaft lokal zu speichern, statt sie lediglich als Platzhalter anzuzeigen.

Dem Whiteboard spendierten die Entwickler ein überarbeitetes Backend mit einer “Local-centric”-Architektur. Das bedeutet: Mehr Verarbeitung findet direkt im Browser statt, wodurch weniger Server-Kommunikation nötig ist. Änderungen werden lokal zwischengespeichert und intelligent synchronisiert, was die Reaktionsgeschwindigkeit steigert – besonders bei mehreren gleichzeitigen Nutzern in Brainstorming-Sessions.

Nextcloud Talk: Ordnung ins Chaos

Die von zahlreichen Nutzern lange geforderte Thread-Funktion in Nextcloud Talk strukturiert Gruppenchats besser. Nebendiskussionen bleiben direkt mit der ursprünglichen Nachricht verknüpft, sodass der Kontext nie verloren geht. Die Thread-Ansicht ermöglicht es, einzelne Gesprächsfäden separat zu verfolgen.

Videoanrufen verleiht die neue Live-AI-Transkription Barrierefreiheit. Zudem haben Nutzer damit die Möglichkeit, das Gesagte gezielt nach bestimmten Inhalten zu durchsuchen. Ob für Teilnehmer mit Hörbeeinträchtigungen oder zur späteren Dokumentation – die Echtzeituntertitelung unterstützt verschiedene Nutzungsszenarien.

Die Steuerelemente wandern in eine neue Bottom-Bar, wodurch wichtige Funktionen wie die Änderung des virtuellen Videohintergrunds oder Handzeichen nur noch einen Klick entfernt sind. Diese Änderung mag zunächst klein erscheinen, verbessert aber vor allem bei längeren Meetings die Nutzererfahrung erheblich.

Zudem führt Hub 25 Autumn ein überarbeitetes Statussystem ein. Neben den modernisierten Icons für “Verfügbar” (grün), “Abwesend” (gelb) und “Nicht stören” gibt es jetzt auch “Beschäftigt” (rot). Dieser neue Status aktiviert sich automatisch während Anrufen und geplanten Kalenderterminen und signalisiert Kollegen die momentane Nichtverfügbarkeit.

KI-Integration: vom Assistant zum Agenten

Mit Hub 25 Autumn entwickelt sich der Nextcloud Assistant (Abbildung 3) zu einem vollwertigen digitalen KI-Agenten. Seine neue Fähigkeiten umfassen beispielsweise eine E-Mail-Integration: “Was waren die To-dos aus der Konferenz-Mail letzte Woche?”. Darüber hinaus können Nutzer ihn mit natürlicher Sprache anweisen, nach Dateien zu suchen: “Finde die Excel-Tabelle mit den Marketing-Daten für 2025.”

Abbildung 3: Der Nextcloud Assistant kann jetzt auch mit Nextcloud-Apps und -Funktionen interagieren. Quelle: Nextcloud

Abbildung 3: Der Nextcloud Assistant kann jetzt auch mit Nextcloud-Apps und -Funktionen interagieren. Quelle: Nextcloud

Per Prompt übernimmt Nextcloud Assistant darüber hinaus das Erstellen von Dokumenten, Tabellen und Präsentationen. Bei Bedarf beherrscht er verknüpfte Aktionen, das heißt, der Assistant kann mehrere Aufgaben in einem Befehl ausführen.

Jos Poortvliet, Director Communications und Co-Founder von Nextcloud, demonstrierte die neuen Features während des Presse-Briefings anhand eines Beispiels: “Finde die Support-Tickets aus Woche 37 in meinem E-Mail-Postfach, erstelle daraus eine Tabelle und teile sie im Talk-Raum.” Der Assistant führt sämtliche Schritte automatisch aus.

Model Context Protocol als Brückenbauer

Hinter dem Model Context Protocol (MCP) [2] steckt ein von Anthropic entwickelter offener Standard, der es KI-Assistenten erlaubt, sicher mit externen Datenquellen und Tools zu interagieren. Nextcloud implementiert MCP als Server, wodurch der Nextcloud Assistant zu einer Brücke zwischen verschiedenen KI-Systemen wird.

Dementsprechend können Home-Assistant-Nutzer über Nextcloud ihre Smart-Home-Geräte steuern (“Schalte das Licht im Wohnzimmer ein”), während die Integration mit ChatGPT und Perplexity es den externen Diensten ermöglicht, auf Nextcloud-Funktionen zuzugreifen, etwa um Dateien zu finden oder Nachrichten in Talk zu senden. Wichtig dabei: Die Datenhoheit bleibt beim Nutzer, da Nextcloud als Gatekeeper fungiert und kontrolliert, welche Daten geteilt werden.

Nextcloud bietet volle Flexibilität bei der Wahl der KI-Modelle. Nutzer können dabei auf vollständig lokal laufende Open-Source-Modelle wie Llama oder europäische Alternativen wie IONOS AI-Services zurückgreifen. Wenn gewünscht, lassen sich ebenfalls globale Dienste wie ChatGPT einbinden. Schließlich lässt sich auch ganz auf eine KI verzichten – alle AI-Funktionen sind optional und müssen vom Administrator explizit aktiviert und konfiguriert werden. Diese Wahlfreiheit ist entscheidend für Organisationen mit unterschiedlichen Anforderungen an Datenschutz, Performance und Kosten.

Mobile Apps: Revolution und Evolution

Die iOS-App wurde von Grund auf neu geschrieben und adaptiert das neue Liquid Glass Design. Mithilfe optimierter Hintergrundprozesse und effizienterer Datenübertragung haben die Entwickler die Upload-Geschwindigkeit verdoppelt. Dank Multi-Instance-Support lässt sich die Nextcloud-App zweimal auf dem iPad starten und nebeneinander anzeigen. So verschieben Nutzer Dateien per Drag & Drop direkt zwischen verschiedenen Accounts oder Servern.

Weiterhin erlaubt die App Pinch-to-Zoom in der Medienbibliothek. Dahinter steckt eine Touchscreen-Geste, bei der Sie zwei Finger auf dem Display zusammenziehen oder auseinanderschieben, um die Größe von Inhalten wie Bildern oder Text zu justieren.

Die Android-App erhält die neuen Outline-Icons für ein einheitliches Design mit der Webversion. Auch das Navigationsmenü hat eine neue Struktur bekommen: Zusammengehörige Funktionen sind nun gruppiert und wichtige Einträge prominenter platziert.

Die Migration zum Framework Glide v4 [3] sorgt für flotteres Laden von Vorschaubildern und flüssigeres Scrolling durch große Dateilisten. Zusätzlich beschleunigt sich die Synchronisation von Metadaten und die Sharing-Funktionen nutzen ausschließlich WebDAV für stabilere Freigaben.

Groupware: Updates für Mail, Kalender und Kontakte

Quick Actions vereinfachen die E-Mail-Verwaltung und fördern so die Kontrolle über den eigenen Posteingang. Mit einem Klick lassen sich mehrere E-Mails markieren, verschieben oder weiterleiten. Filter lassen sich direkt aus einer Nachricht erstellen. Wiederverwendbare Textblöcke sparen Zeit beim Verfassen ähnlicher Nachrichten.

Die neue Meeting-Proposal-Funktion automatisiert die lästige Terminfindung mit externen Teilnehmern. Sie berücksichtigt interne Verfügbarkeiten, während externe Partner aus vorgeschlagenen Zeitslots wählen. Sobald alle abgestimmt haben, wird der Termin fixiert – ein Feature, das Planung ohne Pingpong verspricht und stundenlangen E-Mail-Verkehr spart.

Bei der Kontakte-App hat Nextcloud technisch modernisiert. Die Migration zu Vue 3 [4] sorgt für bessere Performance, Unterstützung für AVIF-Bildformate bei Kontaktfotos und eine neue Multiselect-Funktion zum gleichzeitigen Bearbeiten mehrerer Kontakte. Neue Nutzer finden einen Beispielkontakt vor, der die Funktionen der App demonstriert.

Die überarbeitete Teams-Funktion erlaubt bessere Selbstorganisation. Dabei ist hervorzuheben, dass sich Gastzugänge ab sofort in Sekunden direkt aus dem Teams-Interface anlegen lassen.

Whiteboard: Punkt, Punkt, Komma, Update

Dem Whiteboard spendierte das Team ein Backend-Update mit mehreren neuen Funktionen. Die Grid-Ansicht hilft bei der präzisen Ausrichtung von Elementen, während der neue Präsentationsmodus mit Presenter-Following gemeinsame Präsentationen erleichtert.

Eine Bibliothek gestattet das Speichern und Teilen häufig genutzter Formen. Mithilfe der neuen Textsuche lassen sich Inhalte in komplexen Whiteboards schnell aufstöbern. Besonders interessant: Per Assistant-Integration können Nutzer Mermaid-Diagramme durch einfache Beschreibungen generieren. Die KI erstellt die Struktur, Mermaid wandelt sie in visuelle Diagramme um.

Für Admins: Setup-Checks und Config-Presets

Neue Setup-Checks prüfen automatisch die Konfiguration kritischer Komponenten: Bei Talk wird die Push-Notification-Einrichtung validiert, bei Mail die Serververbindungen getestet und beim Assistant die KI-Backend-Anbindung überprüft. Fehlkonfigurationen zeigt die Software mit konkreten Lösungsvorschlägen an.

Config-Presets (Abbildung 4) gehen noch weiter: Statt manuell dutzende Einstellungen anzupassen, können Admins die Nextcloud-Instanz mit einem Befehl für spezifische Nutzungsszenarien optimieren. Diese Presets konfigurieren automatisch passende Standardwerte für Apps, Sicherheitseinstellungen und Performance-Parameter.

Abbildung 4: Mithilfe der Config-Presets sparen sich Admins viel mühsame Einrichtungszeit. Quelle: Nextcloud

Abbildung 4: Mithilfe der Config-Presets sparen sich Admins viel mühsame Einrichtungszeit. Quelle: Nextcloud

Administratoren erhalten über 30 neue OCC-Befehle (Nextclouds Command-Line-Interface) für präzisere Systemkontrolle. Die neuen Storage-Befehle liefern detaillierte Informationen über Speichernutzung und -verteilung pro Nutzer und Gruppe. Für die Datenbankwartung gibt es Tools zum Aufspüren und Bereinigen verwaister Objekte. Dabei handelt es sich um Datenbankeinträge ohne zugehörige Dateien, die nach fehlgeschlagenen Uploads zurückbleiben können.

Im Kalenderbereich ermöglichen neue Befehle den Import und Export kompletter Kalender inklusive aller Events, was Migrationen und Backups vereinfacht. Die DAV-Photo-Cache-Verwaltung erlaubt das gezielte Leeren des Thumbnail-Caches bei Speicherproblemen. Vorrangig für größere Installationen wichtig: Die neuen Distributed-Memcache-Befehle ermöglichen die Verwaltung des verteilten Zwischenspeichers über mehrere Server hinweg. Cache-Einträge lassen sich setzen, lesen, löschen oder komplett leeren, ohne den Dienst neu starten zu müssen.

Für App-Entwickler: Vue 3 und WebSocket

Vue.js ist ein JavaScript-Framework für die Entwicklung von Benutzeroberflächen. Nextcloud migriert schrittweise von Vue 2 (veröffentlicht 2016) auf Vue 3 (veröffentlicht 2020). Version 3 verspricht erhebliche Verbesserungen, darunter mehr Performance durch einen optimierten Rendering-Mechanismus, geringere Bundle-Größen, modernere TypeScript-Unterstützung und die neue Composition API für saubereren Code.

Für App-Entwickler bedeutet die Migration mittelfristig Handlungsbedarf: Vue 2 erreichte Ende 2023 sein offizielles Support-Ende. Apps, die nicht migriert werden, könnten Kompatibilitätsprobleme bekommen und sind von Sicherheitsupdates abgeschnitten. Nextcloud stellt umfangreiche Dokumentation und Migrationsleitfäden im Developer-Portal bereit, um den Übergang zu erleichtern. Die Migration erfolgt schrittweise – Apps können weiterhin parallel in beiden Versionen laufen.

Im App-API-Ökosystem implementierte WebSockets ermöglichen Echtzeit-Kommunikation zwischen Apps und Server. Statt wie bisher regelmäßig nach Updates zu fragen (Polling), können Apps nun eine dauerhafte Verbindung zum Server aufbauen. Änderungen laufen sofort ein. Das macht kollaborative Funktionen wie gemeinsames Dokumentbearbeiten flüssiger und Benachrichtigungen erscheinen ohne Verzögerung. Besonders bei Apps mit vielen gleichzeitigen Nutzern reduziert das die Serverlast massiv, da unnötige Anfragen entfallen.

Das Integrations-Ökosystem wächst weiter. Neu hinzugekommen ist eine Overleaf-Integration für die Arbeit mit LaTeX-Dokumenten. Sie kommen besonders in wissenschaftlichen Kreisen für das Erstellen von Papers und technischen Dokumentationen zum Einsatz. Darüber hinaus haben die Entwickler bestehende Integrationen verbessert: Die Jira-Integration kann Projekt-Benachrichtigungen filtern, zeigt Jira-Alerts direkt in Nextcloud an und generiert Link-Vorschauen.

Bei Github und Gitlab hat das Team die Synchronisation und das Notification-Handling optimiert. Die Google-Integration vereinfacht die Konto-Verknüpfung mit einem streamlined OAuth-Flow. Für die soziale Vernetzung gibt es neue Sharing-Optionen: Dateien lassen sich jetzt direkt über Mastodon, WhatsApp und Bluesky mittels Freigabelinks teilen.

Flow Automation: Prozesse neu gedacht

Nextcloud Flow, die Automatisierungsplattform von Nextcloud, erhält bedeutende Erweiterungen für die Windmill-basierte Prozessautomatisierung. Die neuen Bausteine erweitern die Automatisierungsmöglichkeiten: Administratoren und Power-User können automatisch Benutzer aus bestimmten Gruppen abrufen, um beispielsweise Massenbenachrichtigungen zu versenden oder Berechtigungen zu verwalten.

Das System kann Tag-Zuweisungen an Dateien überwachen und darauf basierend Aktionen auslösen. Vergeben Nutzer etwa ein “Rechnung”-Tag, könnte die Datei automatisch in den Buchhaltungsordner verschoben und das Finance-Team benachrichtigt werden.

Die Dateiverwaltung ergänzen Funktionen zum automatischen Erstellen, Kopieren und Verschieben von Dateien und Ordnern. Besonders praktisch: Kalender-Events können als Trigger dienen – ein wöchentliches Meeting kann automatisch einen Ordner für Meeting-Notizen anlegen oder Erinnerungen versenden. Mit der Möglichkeit, Ordnerbäume aufzulisten, lassen sich auch komplexe Dateistrukturen automatisiert analysieren und reorganisieren.

Die Approval-App, die Genehmigungs-Workflows verwaltet, hat Nextcloud grundlegend überarbeitet. Genehmigungen lassen sich nun rückgängig machen – wichtig bei Fehlentscheidungen oder geänderten Anforderungen. Administratoren können die Verwaltung von Approval-Workflows an Einzelpersonen oder Gruppen delegieren. Dadurch verkleinert sich die Last auf der IT-Abteilung und Fachabteilungen bekommen mehr Autonomie.

Die zahlreichen unsichtbaren Arbeiten

Etwa 94 Prozent der Änderungen in Hub 25 Autumn sind Wartungsarbeiten – eine Zahl, die zeigt, wo die Entwicklungsprioritäten liegen. Während neue Features oft im Rampenlicht stehen, findet die eigentliche Arbeit im Hintergrund statt: Code-Optimierung, Bug-Fixes und Sicherheitsupdates.

Besonders intensive Wartungsarbeit erfuhren der App Store, die Approval-App und der Assistant. Dabei hat das Team die Listen offener Issues und Feature-Requests durchgesehen und bereinigt – unreproduzierbare Probleme, veraltete Anfragen und Tickets ohne Rückmeldung der Melder ließen sich schließen, wodurch sich die Anzahl offener Einträge in diesen Bereichen halbierte.

Viele Wege führen zur Nextcloud

Für Hub 25 Autumn gibt es unterschiedliche Deployment-Optionen. Für kleine bis mittlere Installationen eignet sich der All-in-One Docker-Container. Er glänzt mit automatischen Updates, minimalem Wartungsaufwand und bei vorhandener GPU mit integrierter KI-Unterstützung. Die Skalierung bleibt einfach, wobei die optimale Nutzerzahl von der Hardware und dem Nutzungsverhalten abhängt.

Größere Organisationen können auf die Enterprise All-in-One-Lösung für Kubernetes-Cluster zurückgreifen. Sie skaliert automatisch von 10 bis über 1000 Instanzen und passt die Ressourcenallokation dynamisch an die aktuelle Last an. Enterprise-Support steht zur Verfügung. Alternativ bieten zahlreiche europäische Provider vollständig verwaltete Nextcloud-Instanzen mit garantierter Datenhoheit in Europa an.

Fazit: Statement für digitale Souveränität

Hub 25 Autumn ist ein wichtiges Release für Organisationen und Anwender, die Wert auf Datenkontrolle legen. Mit verbessertem Design, optimierter Performance und optionaler KI-Integration erweist es sich als eine Alternative zu etablierten Cloud-Diensten. Nextcloud ermöglicht es Nutzern, zwischen verschiedenen Hosting-Optionen und Konfigurationen zu wählen – von lokalen Installationen bis zu vollständig betreuten Lösungen.

Frank Karlitschek fasst die Vision zusammen: “Hub 25 Autumn zeigt, dass Open Source nicht nur eine Alternative ist, sondern die innovativste und nachhaltigste Lösung für moderne Zusammenarbeit.” Die aktuelle Version bringt wichtige technische Verbesserungen, durchdachte neue Funktionen und eine modernisierte Oberfläche. Außerdem zeigt die Plattform, dass Open-Source-Software für viele Anwendungsfälle eine vollwertige Option ist – mit klaren Vorteilen bei Datenkontrolle, Anpassbarkeit und der Freiheit, zwischen verschiedenen Hosting-Optionen zu wählen.

Die Botschaft ist also klar: Digitale Souveränität ist keine Utopie, sie ist erreichbar. Mit Nextcloud Hub 25 Autumn haben Organisationen und Individuen die Werkzeuge in der Hand, ihre digitale Zukunft selbst zu gestalten, transparent, sicher und unter vollständiger eigener Kontrolle. Die Frage ist nicht mehr, ob man zu Open-Source-Software wechseln sollte, sondern warum man es nicht bereits getan hat. (csi)

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 6 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben