Europol hat Ende Mai einen Aktionstag zum Thema Ausbeutung und Radikalisierung von Minderjährigen im Internet koordiniert. Mehr als 2000 Links, die auf dschihadistische und rechtsextreme gewalttätige und terroristische Propaganda für Minderjährige hinwiesen, wurden während des Aktionstages gemeldet.
Der Aktionstag fand nach Angaben von Europol nur wenige Wochen, nachdem Europol eine neue operative Taskforce ins Leben gerufen hatte, um gegen den zunehmenden Trend der Rekrutierung junger Täter für die schwere und organisierte Kriminalität vorzugehen, statt. Jüngste Daten, die Europol zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass Minderjährige mittlerweile in über 70 Prozent der kriminellen Märkte involviert sind. Der Schutz von Kindern vor der Anwerbung und Ausbeutung durch kriminelle Netzwerke sei eine der wichtigsten Prioritäten von Europol, heißt es in der Mitteilung.
Terroristische Organisationen und ihre Online-Unterstützer hätten neue Taktiken entwickelt, um Anhänger zu rekrutieren und zu gewinnen, indem sie ihre Botschaften anpassen und in neue Technologien und Plattformen investieren, um Minderjährige zu manipulieren und zu erreichen. Zu der bei der operativen Aktion aufgedeckten Propaganda gehörten Inhalte, die Bilder und Videos von Kindern mit extremistischen Botschaften kombinieren, sowie Materialien, die radikalisierten Eltern Anleitungen für die Erziehung künftiger Dschihadisten bieten.
Eine der wichtigsten Beobachtungen, die zu dieser koordinierten Aktion führten, sei der Einsatz von KI, insbesondere bei der Erstellung von Bildern, Texten und Videos, die ein jüngeres Publikum ansprechen sollen. Propagandisten investieren in Inhalte, Kurzvideos, Memes und andere visuelle Formate, die sorgfältig stilisiert seien, um Minderjährige und Familien anzusprechen, die für extremistische Manipulationen anfällig sind, sowie in Inhalte, die Spielelemente mit terroristischem Audio- und Bildmaterial verbinden.
Eine andere Art von gezielten Inhalten ist die Verherrlichung von Minderjährigen, die an terroristischen Anschlägen beteiligt sind. In dieser Hinsicht zielt die terroristische Propaganda vor allem auf männliche Minderjährige ab, die durch heroische Erzählungen, in denen sie als „Krieger“ und „Hoffnung“ der Gesellschaft dargestellt werden, dazu gebracht werden, sich extremistischen Gruppen anzuschließen. Auf weibliche Minderjährige wird seltener Bezug genommen, und ihre Rolle beschränkt sich weitgehend auf die Erziehung und Indoktrination künftiger „Kämpfer“ für die Sache.




