Deutsche Unternehmen skeptisch gegenüber EU AI Act

Der EU AI Act ist seit Anfang August offiziell in Kraft und muss nun in den EU-Mitgliedsländern umgesetzt werden. Deutsche Unternehmen sehen in neuer Regulierung ein Hindernis für die KI-Entwicklung, berichtet der Unternehmensberater Deloitte.

Eine aktuelle Befragung von Deloitte unter 500 Managern, die sich in den Unternehmen mit dem Thema beschäftigen, zeige eine deutliche Verunsicherung bei der Einschätzung der neuen Verordnung. Viele Unternehmen seien sich der konkreten Auswirkungen noch nicht bewusst und haben keine klare Vorstellung, wie sie mit den Vorgaben umgehen sollen.

So versprechen sich 39 Prozent der Befragten mehr Rechtssicherheit im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, rund 35 Prozent verneinen dies, während ein Viertel keinen großen Unterschied sieht.

Ein ähnlich heterogenes Bild zeigt sich bei der Frage, ob der AI Act zu eher mehr oder eher weniger Vertrauen in Künstliche Intelligenz führen wird: Hier glaubt rund ein Drittel (34,9 Prozent) an einen positiven Effekt, fast ebenso viele (30,8 Prozent) können das nicht erkennen. Im Gegenteil – fast die Hälfte der Befragten (47,4 Prozent) sieht laut der Umfrage in dem AI Act eher ein Hindernis bei der Entwicklung und Einführung von Anwendungen auf Basis von KI im Unternehmen. Nur ein Viertel (24,1 Prozent) ist überzeugt, dass die neue Regulatorik dabei helfen wird.

Obwohl der AI Act seit Anfang August in Kraft ist, haben sich 48,6 Prozent der befragten Unternehmen noch nicht intensiv auf die Umsetzung vorbereitet; gerade mal 26,2 Prozent sind tiefer in das Thema eingedrungen. Dennoch fühlen sich 35,7 Prozent der Befragten gut dafür gewappnet, den AI Act umzusetzen, 19,4 Prozent sehen sich eher schlecht vorbereitet. Entsprechend fürchten 52,3 Prozent eine Einschränkung ihrer Innovationsmöglichkeit im Bereich KI durch die Regulierung; nur 18,5 Prozent glauben, dass die Verordnung die Innovationsmöglichkeiten positiv beeinflusst.

Mit der Ratifizierung des EU AI Act habe sich die Lage für europäische Firmen grundlegend geändert, teilt Deloitte mit. Die regulatorischen Vorgaben seien für alle EU-Länder verpflichtend und müssten zumeist in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden. Mit einem Aufschub der Anforderungen oder Strafverschonung bei Verstößen können weder europäische Unternehmen noch die Anbieter von außerhalb der EU rechnen, sobald ihre KI-Anwendungen im EU-Territorium eingesetzt werden.

Es drohe eine Situation vergleichbar mit der Umsetzung der DSGVO, als die Unternehmen im Mai 2018 vor einer riesigen Aufgabe standen, da sie die zwei Jahre Übergangsfrist kaum genutzt hatten, so Deloitte. Verstöße gegen den EU AI Act würden mit hohen Geldstrafen geahndet, zudem verzögere sich der Einsatz von KI in diesen Unternehmen.

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