BSI will künftige Crowdstrike-Debakel verhindern

Nach den weltweiten IT-Störungen am 19. Juli 2024 hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) laut einer Mitteilung mit den beteiligten Software-Unternehmen Crowdstrike und Microsoft erste Schritte eingeleitet, um vergleichbare Vorfälle künftig zu vermeiden.

Das BSI werde auch mit weiteren Software-Herstellern Gespräche. Neben einer kurzfristigen Analyse des Sicherheitsvorfalles erwarte das BSI eine tiefgründige technische Aufarbeitung der genauen Ursache, heißt es weiter.

Das BSI will mit Microsoft, Crowdstrike und Herstellern vergleichbarer Softwarelösungen darauf hinwirken, dass das jeweilige Betriebssystem auch bei schwerwiegenden Fehlern immer mindestens in einem abgesicherten Modus gestartet werden kann. Das langfristige Ziel des BSI ist es, neue und resiliente Komponenten konzipieren und umsetzen zu lassen, die die gleiche Funktionalität und Schutzwirkung entfalten wie bisher, die allerdings weniger tiefgreifende Eingriffsrechte in die Betriebssysteme benötigen. Damit sollen die Auswirkungen etwaiger Softwarefehler minimiert werden.

Das BSI hat auf Grundlage der Gespräche, der Auswertung der vorliegenden Analysen sowie weiterer laufender Rückmeldungen des Herstellers zunächst folgende kurzfristige Maßnahmen bis spätestens Mitte August 2024 entwickelt.

  • Analyse der Betroffenheit vom Sicherheitsvorfall in Deutschland
  • Laufende Verfolgung der Wiederherstellungsquote betroffener Systeme (mit Stand 25. Juli 2024 21:54 Uhr MESZ sind laut Crowdstrike bereits 97 Prozent aller Systeme mit Windows-Sensoren wieder online)
  • Zusammenführung bereits erfolgter kurzfristiger Warnungen mit erwarteten CVEs zum Vorfall auf Basis des etablierten CVD-Prozesses

Die mittelfristige Maßnahmen bis spätestens 30. September 2024 heißen:

Auswertung des folgenden ausführlichen und abschließenden Analyseberichts (Root Cause Analysis)

  • Überprüfung des aktuellen und weiterentwickelten Testkonzepts von Crowdstrike durch das BSI in Abstimmung mit weiteren internationalen Partnerbehörden sowie Diskussion zu erforderlichen Anpassungen mit Crowdstrike
  • Klärung zukünftiger Maßnahmen zur Sicherstellung eines zügigen Rollouts der Logiken/Signaturen unter strikter Gewährleistung der Betriebsstabilität von Kundensystemen
  • Prüfung der Wirksamkeit des von Crowdstrike bereits angekündigten gestaffelten und eng überwachten Ausrollprozesses von Updates bei Kunden mit erweiterten Telemetrieanalysen durch Crowdstrike zur unmittelbaren Erkennung von Störungen nach Installation der Updates
  • Sensibilisierung der Crowdstrike-Produkte nutzenden Organisationen hinsichtlich der grundsätzlichen Betriebsrisiken sowie zur Schaffung ausreichender betrieblicher Redundanzen für kritische Einsatzszenarien

Langfristige Maßnahmen bis spätestens Ende Dezember 2024

  • Diskussion von konkreten Möglichkeiten zur Evaluierung der Softwareentwicklungsprozesse des Herstellers durch unabhängige Dritte in Anlehnung an BSI TR-03185 auf Basis von bereits erfolgten Ankündigungen von Crowdstrike
  • Etablierung einer Zusammenarbeit des BSI mit Crowdstrike und Microsoft, um auch bei schwerwiegenden Fehlern des EDR-Tools ein Starten des Systems, mindestens in einem eingeschränkten Modus, zu ermöglichen
  • Erstgespräche mit allen relevanten Stakeholdern zur Architektur von EDR-Tools zur Erhöhung derer Resilienz
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