Aus Linux-Magazin 08/2024

Rotex-Wärmepumpen mit PyHPSU steuern

© akz / 123rf.com

Wir zeigen, wie Sie eine Wärmepumpe von Rotex mit einem Raspberry Pi steuern und sie perfekt in seine Smart-Home-Lösung integrieren. Das nötige Material ist nicht günstig, doch eine perfekte Linux-Integration entschädigt für den Aufwand.

Das Internet of Things genießt gerade bei alten IT-Haudegen einen eher zweifelhaften Ruf. Wer die Systemadministration von der Pieke auf gelernt hat und es gewohnt ist, sich sorgfältig um Wartbarkeit und Sicherheit zu kümmern, mag beim Anblick mancher Smart-Home-Ansätze vom kalten Grauen erfasst werden. Ein Beispiel sind kaum oder gar nicht abgesicherte Geräte, die es Kriminellen ermöglichen, die Lichtsteuerung im ganzen Haus zu übernehmen, sobald sie sich auch nur in Funkreichweite befinden.

Die Argumente ähneln sich in solchen Fällen fast immer: Wer Waschmaschinen, Kaffeemaschinen oder Backöfen baue, solle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, statt sich an IT-Lösungen zu versuchen, die am Ende allerhöchstens einen halbgaren Kompromiss bedeuten. Dass die allermeisten Unternehmen, die ihre Geräte mit einer Netzwerkanbindung ausstatten, ohnehin so vorgehen und die IoT-Lösungen quasi als Anbauteil extern zukaufen – geschenkt. Denn trotz dieses Ansatzes kommt es nach wie vor regelmäßig zu Totalausfällen, was die Sicherheit von IoT-Geräten betrifft.

Das gesamte Konzept deshalb zu verteufeln, greift aber genauso zu kurz. Klar ist: Ein vernetztes Heim bietet mannigfaltige Optionen, um Energie zu sparen und den Komfort der Bewohner zu erhöhen. Regelmäßig greifen diese Faktoren außerdem ineinander: Ein Schlafzimmer, das den gesamten Tag über nicht benutzt wird, muss im Winter nicht durchgehend beheizt werden. Wissen Sie jedoch, dass Sie um 22:00 Uhr zu Bett gehen möchten, können Sie Ihre Heizung so programmieren, dass die passende Temperatur zum gewünschten Zeitpunkt erzielt ist. Die dafür nötige Flexibilität lässt sich allerdings nur mit viel Disziplin erreichen – oder mit smarten Thermostaten, die die Raumtemperatur und die Uhrzeit korrelieren und den Aufwärmvorgang zum passenden Zeitpunkt in die Wege leiten.

Wärmepumpen bilden nicht allein ein Herzstück der Energiewende, sondern bieten in eben solchen Konzepten auch viele Möglichkeiten – sofern sie in eine Smart-Home-Umgebung eingebunden sind. Wenn Sie Ihre Wärmepumpe klug einsetzen, sparen Sie Strom und haben es im Haus trotzdem stets angenehm warm oder kühl – Wärmepumpen können schließlich beides. Obendrein behalten Sie den genauen Überblick über Temperatur und Energieverbrauch der Klimatisierung.

Um eine Wärmepumpe sinnvoll in ein Klimatisierungskonzept zu integrieren, muss sie über das eigene Heimnetz zu erreichen sein. Nur so lässt sich ein Wert wie die aktuelle Temperatur in einem bestimmten Raum einlesen und als Grundlage für die Konfiguration der Pumpe verwenden. Vor eben dieser Herausforderung stand vor ein paar Monaten der Autor dieses Artikels: Das frisch bezogene Heim verfügt über eine Wärmepumpe des Herstellers Rotex und die fast schon obligatorisch dazu gehörende Fußbodenheizung. Deren einzige Steuerungsmöglichkeit bestand beim Einzug allerdings aus den in den einzelnen Räumen angebrachten Thermostaten, die die Ventile der Fußbodenheizungssteuerung und damit indirekt die Wärmepumpe kontrollierten. In der Anlage selbst vorhandene Metrikdaten blieben via Heimnetz ebenso unerreichbar wie die durchaus vorhandenen Möglichkeiten zur dynamischen Rekonfiguration der Wärmepumpe. So ließen sich Ideen, smarte Raumthermometer mit dynamischen Heizprofilen zu verbinden, jedenfalls nicht umsetzen. Schnell war klar, dass einige Bastelstunden auf dem Programm stehen würden, um die Wärmepumpe in eine ebenso noch zu planende Smart-Home-Installation einzubinden.

Zielbild

Dabei galt es von Anfang an, etliche Faktoren zu beachten. Das Haus ist 2020 gebaut und quasi ab Werk mit diversen Annehmlichkeiten ausgestattet. Dazu gehören vollständig elektrisch zu bedienende Rollläden – ein sehr wichtiger Faktor, wie sich später noch herausstellen sollte. Die Wärmepumpe von Rotex ist ebenfalls ein zentraler Aspekt im Hinblick auf die energetische Planung. Die Fußbodenheizung lässt sich grundsätzlich auch schlau steuern, wenn man in die entsprechenden Geräte investiert. Zu den weiteren Faktoren zählen die automatische Erkennung der Außentemperatur und der Kippzustand der Fenster. Die Außentemperatur lässt sich leicht ermitteln, denn smarte Thermometer, die sich maschinell auslesen lassen, gibt es beim Elektrohändler des Vertrauens für kleines Geld.

Das Fensterthema entpuppte sich letztlich jedoch als nicht sinnvoll zu lösen. Das liegt vorrangig daran, dass klassische Kippfenster in Wohnhäusern sich kaum automatisch steuern lassen. Das würde Hardware voraussetzen, die direkt am Fenster sitzt und sich aus der Ferne regeln lässt. Zwar gibt es solche Geräte, etwa von Homematic, doch sie schlagen übertrieben teuer zu Buche und erweisen sich trotzdem als Kompromiss, weil sie nie spezifisch an ein konkretes Fenster angepasst sind. Eine Fenstersteuerung wäre wünschenswert gewesen, weil es damit möglich wäre, auf Wunsch im Haus Luftzug zu erzeugen oder zu vermeiden. So ließe sich das Stoßlüften ebenso automatisieren wie das Herunterkühlen des Hauses während eines Gewitters im Sommer. Aber auch ohne diese Möglichkeiten ist im Hinblick auf energetisches Haushalten durch die Korrelation von Raumthermostaten, Rollläden und Wärmepumpe schon einiges zu erreichen.

Wer sich ewig bindet

Obwohl das Haus des Autors erst 2020 gebaut wurde, kam es in Sachen Smart Home – von den genannten Punkten abgesehen – weitgehend unbeschlagen daher. Wer sich noch an frühere Ansätze in Sachen Smart Home erinnert, malt sich möglicherweise eine Situation aus, in der separate Elektroleitungen zu ziehen sind, um Thermostate anzubinden und gesteuerte Lichtschalter zu verwenden. In Bestandsbauten grenzt das oft an ein Ding der Unmöglichkeit, weil es zu großen Aufwand nach sich zieht und damit viel zu teuer ist.

Die gute Nachricht: Der Markt hat sich längst weiterentwickelt, und derartige Klimmzüge braucht es heute im Regelfall nicht mehr. Die allermeisten Vorrichtungen für Smart Home setzen auf WLAN, das in den meisten Haushalten ohnehin vorhanden ist. Zum Teil lassen sich Vorrichtungen wie schlaue Lichtschalter und Bewegungsmelder sogar mit Adaptern versehen, um vorhandene Schalterblenden des eigenen Hauses zu verwenden. Dann sind sie von außen gar nicht mehr zu erkennen und verrichten im Hintergrund ihren Dienst.

Das allein vereinfacht die Sache allerdings noch nicht. Wenn Sie Ihre Behausung mit den Annehmlichkeiten schlauer Gebäude ausrüsten möchten, stehen Sie zunächst vor der Entscheidung, welche der zahlreichen Lösungen es denn werden sollen. Hier offenbart schon eine kurze Suche im Netz einen riesigen Fundus verschiedener Ansätze: Siemens hat eigene Smart-Home-Lösungen ebenso im Sortiment wie Apple, hinzu kommen freie Anbieter wie Homematic oder Bosch sowie diverse Billig-Klone vorhandener Lösungen aus Fernost. Sie alle sind darauf ausgelegt, den Kunden im eigenen Universum einzusperren, weil sie untereinander lediglich mittelmäßig kompatibel sind.

Liebäugeln Sie beispielsweise mit smarten Heizkörperthermostaten von AVM, werden sie daran scheitern, sie vollständig mit der Lösung eines anderen Herstellers zu kombinieren. Bevor Sie auch nur einen Euro für Smart-Home-Hardware ausgeben, empfiehlt es sich deshalb unbedingt, im ersten Schritt ein umfassendes Konzept zu entwickeln. Dazu sollten Sie sich Fragen stellen wie: Welche Features sind nötig, welche Lösungen am Markt liefern sie, und welche Kommunikationsschnittstellen stellt die präferierte Lösung zur Verfügung? Das spielt gerade beim Anbinden von Wärmepumpen nämlich eine entscheidende Rolle.

Logisch: Eine funktionierende, bereits im Haus verbaute Wärmepumpe wird kaum jemand gegen eine andere austauschen, um Smart-Home-Fähigkeiten zu erlangen. Das käme in finanzieller Hinsicht sowie in Sachen Nachhaltigkeit schließlich völligem Irrwitz gleich. Stattdessen muss das Ziel der Übung darin bestehen, eine vorhandene Wärmepumpe an die zu schaffende Smart-Home-Lösung anzudocken. Das deckt zudem jene Szenarien ab, in denen das bezogene Haus kein Eigentum ist, sondern ein Mietobjekt.

Wer sich bis hierhin gefragt hat, wieso dieser Artikel eigentlich im Linux-Magazin erscheint, findet in der Verbindung einer Wärmepumpe mit dem Rest der Smart-Home-Installation die Antwort. Das freie Betriebssystem mit dem Pinguin spielt bei diversen am Markt gehandelten Wärmepumpen eine große Rolle, um eine Verbindung zu einer Smart-Home-Lösung zu schaffen. Freilich wissen auch die Hersteller von Wärmepumpen, dass eine komplett autarke Lösung im Jahre 2024 nicht mehr zeitgemäß ist. Sie sehen also durchaus selbst Mittel und Wege zur Steuerung von außen vor. Komplett fertig konfigurierte Anbindungen von Wärmepumpen an Smart-Home-Lösungen existieren jedoch nicht. Es besteht also stets die Aufgabe, eine Lösung zu konstruieren, die das jeweilige Gerät und die Smart-Home-Installation miteinander vernetzt.

Alter Bekannter

Im Fall des Autors stammt die verbaute Wärmepumpe wie beschrieben von Rotex. Das Unternehmen gibt es als eigenständigen Hersteller nicht mehr; es wurde inzwischen vom Branchenriesen Daikin aufgekauft. Der hat die Unterstützung für die Produkte von Rotex aber nicht eingestellt. Stattdessen hat man das Produktportfolio aktualisiert und an das bestehende Portfolio von Daikin angepasst. Die Wärmepumpe im spezifischen Fall folgt noch den Rotex-Regeln, was sich im weiteren Verlauf als relevanter Punkt zeigte. Denn Daikin hatte vor Jahren bereits eine Lösung entwickelt, um sämtliche Laufzeitdaten und Konfigurationsschnittstellen der eigenen Wärmepumpen über eine serielle Schnittstelle nach außen zu exponieren. Entsprechend finden sich diese Schnittstellen ebenso bei Daikin-gelabelten Rotex-Wärmepumpen der neueren Generation.

Die Wärmepumpe im Beispiel hingegen will eine andere Art der Ansprache: Auf der Steuerungsplatine sitzt die Klemme J13, die sich über ein Kabel mit einem Produkt namens “RoCon G1” verbinden lässt. Das “G” steht für Gateway, und das alte G1 von Rocon besaß – ähnlich wie Daikins In-House-Lösungen – eine Art serielle Schnittstelle für die Wärmepumpe. Doof nur: Ursprünglich rief Rotex für das RoCon G1 knapp 700 Euro auf. Und noch doofer: Mittlerweile ist das Produkt neu längst nicht mehr zu bekommen, weil Daikin die Produktion eingestellt hat. Gebrauchte Exemplare sind noch zu haben, reißen aber mit 350 Euro und mehr ebenso ein heftiges Loch ins Budget.

Wenn Sie ein bisschen Erfahrung in der Raspberry-Pi-Community gesammelt haben, schöpfen Sie beim Anblick des RoCon G1 aber vermutlich ohnehin sofort Verdacht: dass es sich nämlich um einen Einplatinencomputer mit modifizierter Software handeln könnte. Die äußerst experimentierfreudige Open-Source-Community liefert bei einer Google-Suche sofort die Antwort. Unter der Haube verbirgt sich beim G1 zwar kein Raspberry Pi, aber doch ein BananaPi – das ist jedoch lediglich ein Unterschied im Detail.

Gräbt man sich noch etwas weiter durch Google, erfährt man schnell, dass auf dem modifizierten BananaPi vor allem eine Software für die Verbindung zur Wärmepumpe zuständig ist: PyHPSU. Das wiederum steht als quelloffene Software auf Github frei zur Verfügung. Damit ist aus Sicht des Linux-Admins eindeutig, wohin die Reise geht: PyHPSU benötigt einen CAN-Bus, um mit einer Rotex-Wärmepumpe zu kommunizieren. Und CAN-Bus-Schnittstellen gibt es für den Raspberry Pi durchaus. Scheuen Sie sich nicht, einen Raspberry Pi mit CAN-Bus-Interface zusammenzubauen und auf Raspberry Pi OS anschließend PyHPSU auszurollen, bauen Sie einen gleichwertigen Ersatz für das RoCon G1 kurzerhand selbst.

Zugegeben, der im Folgenden beschriebene Weg ist hochspezifisch für Geräte von Rotex. Eine schnelle Google-Recherche zeigt jedoch, dass die Wärmepumpen vieler anderer Hersteller sich ebenso über einen CAN-Bus ansteuern lassen und dass für die jeweilige Variante des Protokolls Bibliotheken aus der Open-Source-Welt existieren. Dabei sollten Sie vor allem darauf achten, welche Schnittstellen die jeweilige Software bedienen kann. Bei PyHPSU sind das einige, etwa das Homematic-Protokoll, FHEM, OpenHAB oder die Ausgabe der Daten in eine SQL-Datenbank. Ganz nebenbei trifft PyHPSU damit zudem die Entscheidung für die Smart-Home-Lösung, die der Autor schließlich wählte: Homematic.

Einkaufen

Dann ging es daran, eine Einkaufsliste zu schreiben. Der Raspberry Pi 5 ist noch relativ neu, sodass für ihn am Markt bislang kein CAN-Board vorhanden ist. Das macht aber gar nichts, denn die Ressourcen des Raspberry Pi 4 (Abbildung 1) genügen für PyHPSU im Daemon-Betrieb völlig. Nötig ist neben der stärksten RasPi-4-Platine also der PiCan-3-Hat [1] und ein passendes Gehäuse [2] für das Gespann (Abbildung 2). Der Bastler braucht weiterhin, was beim Raspberry Pi ohnehin grundsätzlich ansteht: ein ausreichend leistungsfähiges Netzteil und eine passende MicroSD-Karte für Raspberry-Pi-OS. In Summe kosten diese Komponenten rund 200 Euro, was noch immer nicht günstig ist, aber deutlich erschwinglicher als selbst ein gebrauchtes RoCon G1.

Die Montage lässt sich flugs erledigen. Es genügt, den PiHat auf den RPi zu stecken, die Kombination im Gehäuse zu fixieren und den Deckel zu schließen sowie die SD-Karte einzustecken. Die hat der Admin zuvor mit Raspberry Pi OS bespielt, was mittels des dafür von RPi OS angebotenen Werkzeugs flott und sogar mit angepasster Konfiguration über die Bühne geht. Dann kommt der Moment der Wahrheit: Ein funktionierender Raspberry Pi mit CAN-Bus zählt als Erfolg, muss aber eben noch irgendwie mit der Wärmepumpe verbunden sein. Dafür empfiehlt sich eine Installationsleitung mit etwa 0,8 Quadratmillimetern Aderquerschnitt, damit die Montage an der Wärmepumpe nicht zu fummelig ausfällt.

Abbildung 1: Ein Raspberry Pi 4 bietet genug Leistung für das Auslesen von CAN-Daten per Can Hat, doch ist dafür auch ein besonderes Gehäuse nötig. Quelle: Raspberry Pi

Abbildung 1: Ein Raspberry Pi 4 bietet genug Leistung für das Auslesen von CAN-Daten per Can Hat, doch ist dafür auch ein besonderes Gehäuse nötig. Quelle: Raspberry Pi

Abbildung 2: PiCan 3 erweitert den Raspberry Pi um einen CAN-Bus, wie er erforderlich ist, wenn man per CAN kommunizierende Geräte wie Wärmepumpen von Rotex ansteuern möchte. Quelle: PiCan 3

Abbildung 2: PiCan 3 erweitert den Raspberry Pi um einen CAN-Bus, wie er erforderlich ist, wenn man per CAN kommunizierende Geräte wie Wärmepumpen von Rotex ansteuern möchte. Quelle: PiCan 3

Anschließen

Tatsächlich erwies sich die Installation des RasPi an der Wärmepumpe als einer der schwierigeren Teile der nötigen Arbeiten. Der ominöse Stecker J13 kam ja schon zur Sprache – unglücklicherweise ist er gar nicht bei allen Rotex-Wärmepumpen als Stecker ausgeführt. Zu finden ist der Schaltpunkt auf der Platine RoCon BM 1, auf der ebenso die zentrale Bedieneinheit der Wärmepumpe beheimatet ist. Sie ist dort platziert, wo man von außen das Display des Wärmespeichers sieht (Abbildung 3).

Anstelle eines Steckers fanden sich hier auf dem Board unter der Bezeichnung J13 allerdings lediglich drei Lötpunkte. “Mal eben verbinden”, war also kein valider Plan. Wohlbemerkt besteht J13 (Abbildung 4, Abbildung 5) aus insgesamt vier Lötpads: CAN-H, CAN-L, CAN-GND und CAN-VCC. Die Leitungen für CAN-H und CAN-L sowie CAN-GND sind mit den gleichnamigen Klemmverbindern des Can-Hat des Raspberry Pi zu verbinden. Wer etwas Erfahrung im Umgang mit Lötzinn hat, erledigt das schnell. Trifft das nicht zu, belegen Sie zuvor idealerweise einen entsprechenden Kurs oder lassen sich von einer löterfahrenen Person unter die Arme greifen.

Bitte beachten Sie unbedingt: Die Bedieneinheit BM-1 einer Rotex-Wärmepumpe steht unter Strom. Es ist deshalb vor sämtlichen Arbeiten an der Platine des Geräts absolut unumgänglich, dessen Spannungsfreiheit durch Ziehen der Sicherungen zu gewährleisten, sonst droht Lebensgefahr. Übrigens: Selbst wenn Sie ein Haus nur zur Miete bewohnen, lässt sich die Verbindung mit der Rotex-Wärmepumpe auf diese Weise herstellen. Denn das angelötete Kabel lässt sich, wenn richtig verlötet, später rückstandsfrei wieder entfernen.

Abbildung 3: Hinter der schwarzen Klappe oben, an der vorn die Bedieneinheit der Wärmepumpe zu sehen ist, findet sich das Bedienelement BM1 mit dem Stecker J13.

Abbildung 3: Hinter der schwarzen Klappe oben, an der vorn die Bedieneinheit der Wärmepumpe zu sehen ist, findet sich das Bedienelement BM1 mit dem Stecker J13.

Abbildung 4: Der Stecker J13 bietet vier Pins, von denen die Pins für CAN-H, CAN-L und CAN-GND mit ihren Gegenstücken auf dem Pi-Hat für den Raspberry Pi zu verbinden sind. Quelle: Daikin GmbH

Abbildung 4: Der Stecker J13 bietet vier Pins, von denen die Pins für CAN-H, CAN-L und CAN-GND mit ihren Gegenstücken auf dem Pi-Hat für den Raspberry Pi zu verbinden sind. Quelle: Daikin GmbH

Abbildung 5: In der unteren Bildmitte gut zu erkennen: die Lötpads für den Stecker J13. Mal finden sich hier tatsächlich Stecker, oft aber nur Pads zum Anlöten. Etwaige Arbeiten sollten unbedingt Profis erledigen – und die Wärmepumpe muss stromlos sein. Quelle: Daikin GmbH

Abbildung 5: In der unteren Bildmitte gut zu erkennen: die Lötpads für den Stecker J13. Mal finden sich hier tatsächlich Stecker, oft aber nur Pads zum Anlöten. Etwaige Arbeiten sollten unbedingt Profis erledigen – und die Wärmepumpe muss stromlos sein. Quelle: Daikin GmbH

Loslegen

Wenn CAN-Bus der Wärmepumpe und CAN-Hat des Raspberry Pi miteinander verbunden sind und der RasPi am Strom hängt, fehlt nicht mehr viel, bis sich die CAN-Daten der Wärmepumpe nutzen lassen. PyHPSU bringt ein »install.sh« mit, wobei hier erneut ein kleiner Stolperstein lauert. Wenn Sie bei Google nach “PyHPSU” suchen, landen Sie bei mehreren Github-Repositories, die miteinander verwandt und zum Teil voneinander geforkt sind. Der erste Google-Eintrag ist meist das Github-Verzeichnis von Zanac alias Emiliano Maina. Er hat an seinem einstigen Vorzeigeprojekt mittlerweile offensichtlich das Interesse verloren, und so hat die ursprüngliche PyHPSU-Variante seit über sechs Jahren keine Updates mehr erhalten.

Deutlich gesünder steht der Fork von Spanni26 [3] da, der zuletzt im Januar 2024 einige Code-Beiträge verzeichnen konnte. Das Installieren dieser Version gestaltet sich trivial: Nach dem Herunterladen des Git-Repos genügt ein »./install.sh« im Ordner, um die nötigen Werkzeuge an die passende Stelle zu kopieren. Danach legt der Administrator noch eine virtuelle Netzwerkschnittstelle für den CAN-Bus an, auf Raspberry Pi OS in »/etc/network/interfaces« (Listing 1).

Listing 1

Virtuelle Netzwerkschnittstelle

<pre>
  auto can0
  iface can0 inet manual
    pre-up /sbin/ip link set $IFACE type can bitrate 20000 triple-sampling on
    up /sbin/ifconfig $IFACE up
    down /sbin/ifconfig $IFACE down
</pre>

Wenn die Installation funktioniert hat, fördert das Kommando »pyHPSU.py -c t_hs« im Anschluss den Wert für »t_hs« zutage, den Sollwert für die Vorlauftemperatur des Wärmeerzeugers.

Noch mehr Hardware

In Sachen Installationsarbeit schien es, als sei der größte Brocken damit aus dem Weg geräumt. Das stellte sich bald als Trugschluss heraus. Wie eingangs erwähnt, sind die Rollläden im Haus des Autors mit Antriebsmotoren versehen. Das klassische Hochziehen und Herunterlassen geht also nicht mehr über einen seilzugartigen Mechanismus, sondern per Knopfdruck elektronisch. Das allein macht jedoch noch keine smarte Steuerung aus. Denn so besteht keine Möglichkeit, einzelne Rollläden gezielt per drahtlos übermitteltem Befehl zu öffnen, zu schließen oder einen Zwischenzustand herbeizuführen.

Für dieses Problem hat die Industrie sich allerdings Lösungen überlegt. Gerade das Sortiment von Homematic zeigt sich in dieser Hinsicht umfangreich. Unter dem etwas sperrigen Namen “Rollladenaktor” findet sich ein Produkt, das als Alternative zu bestehenden mechanischen Schaltern funktioniert und ihn in Standard-Unterputzdosen nahtlos ersetzt. Zudem gibt es Adapterplatten für die Dosen- und Schalterserien unterschiedlicher Hersteller wie Busch-Jäger. Ersetzen Sie einen vorhandenen Schalter durch einen solchen Aktor mit Adapter und passendem Aufsatz, ändert sich die Optik des Schalters im Regelfall gar nicht, wohl dagegen seine Funktion. Zwar funktioniert mit schlauem Rolladenaktor ebenso das händische Öffnen und Schließen der Rollläden per Tastendruck, viel sinnvoller erscheint aber das Steuern über Smart Home, für gewöhnlich per App auf dem Smartphone.

Ungünstigerweise ist in einem durchschnittlich großen Haus mit vielen Rollläden das Installieren jener Rollladenaktoren eine zeitraubende Angelegenheit. Das gilt umso mehr, wenn die Kabelführung wie im Haus des Autors etwas, nun ja, kreativ ausfällt. Wer von der Materie keine Ahnung hat, sollte auch hier tunlichst die Finger von der Elektroinstallation lassen und stattdessen einen Fachmann beauftragen. Die meisten Motoren für Rollladen funktionieren mit 230 Volt und sind in den Zimmern so montiert, dass zudem etwaige Lichtschalter und häufig eine einzelne Steckdose in unmittelbarer Nähe zu finden sind (Dreifachschalter). Dann gibt es in der Dose für den Rollladenschalter erst gar keinen separaten Neutralleiter, weil der bei einem einfachen Schalter schlicht obsolet ist.

Häufig ist L1 in diesem Konstrukt einfach durch den Rollladenschalter hindurchgeführt. Wenn Sie einen Rolladenaktor anschließen möchten, benötigt er eine separate Stromversorgung (also L1 und N). Obendrein können etwa die Homematic-Geräte L1 nicht durchschleifen. Im schlechtesten Fall hantiert man wie der beauftragte Elektriker im Beispiel, mit Wago-Klemmen, einer Abisolierzange und diversen anderen Werkzeugen auf kleinstem Raum in vorgebohrten Unterputzdosen. So braucht man mindestens einen halben Tag für insgesamt neun steuerbare Rollläden.

Ergänzend gesellten sich danach noch diverse digitale Raumthermostate dazu, die einerseits die jeweilige Raumtemperatur erfassen und andererseits schaltbar sind, also die Fußbodenheizung im Raum steuern. Wieder hatte Homematic entsprechende Lösungen dafür im Programm, die sich optisch allerdings nicht so gut in das Gesamtbild einfügen wie die Rollladenschalter. Der Mühe Lohn war am Ende jedenfalls ein Haus, in dem sich sowohl alle zentralen Eigenschaften der Wärmepumpe als auch die Temperatur in den Räumen sowie die dortige Rollladenkonfiguration einzeln abfragen und steuern lassen.

Die nächsten Schritte

Früh war der Plan entstanden, die diversen Smart-Home-Geräte mittels einer Open-Source-Lösung wie FHEM oder OpenHAB zu steuern. Weil die Wahl auf Homematic gefallen war, stellte sich gerade das als eine ziemliche aufwendige Aufgabe heraus. Immerhin hat Homematic sein Sortiment in den letzten Jahren gehörig umgebaut und sieht die Integration in Lösungen wie OpenHAB offiziell eigentlich gar nicht mehr vor. Auch hier retteten Open-Source-Lösungen und diverse Basteleien letztlich das Projekt. Worauf im Detail zu achten war und welche Hürden softwareseitig im Raum standen, verrät der zweite Teil dieses Artikels im kommenden Linux-Magazin mit seinem Smart-Home-Schwerpunkt.

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