Linux-Distribution Gentoo bietet Binärpakete

Über Jahre war Gentoo der Inbegriff einer rein quellcodebasierten Linux-Distribution für die eigene Konfiguration. Die Community der Linux-Distribution Gentoo hat jetzt angekündigt, ihren Nutzern künftig zahlreiche Binärpakete direkt zum Download und zur Installation anzubieten.

Dieser Schritt war für die Community zwar seit Jahren theoretisch technisch möglich, das Team sah davon aber bisher immer prinzipiell ab. Denn eine der wohl wichtigsten Ideen von Gentoo ist es, dass Nutzer ihr Gesamtsystem selbst aus dem Quellcode erzeugen, es dabei optimieren und entsprechend an ihre Hardware anpassen.

Das Angebot der Binärpakete ist eine Abkehr von diesem Prinzip und eine Hinwendung zu dem, wie die allermeisten anderen Linux-Distribution funktionieren. Vollständig unterstützt wird dies für 64-Bit-x86-Systeme und 64-Bit-ARM-Systeme.

Hier können Nutzer weitverbreitete klassische Desktopumgebungen oder auch Bürosoftware sowie auf insgesamt mehr als 20 Gigabyte Pakete zurückgreifen. Für alle weiteren von Gentoo unterstützten Architekturen sind die bereitgestellten Binärpakete jedoch auf das Kernsystem beschränkt.

Möglich macht das Angebot der Binärpakete der hauseigene Paketmanager Portage, der an das Portsystem von FreeBSD angelehnt ist und bereits seit Jahren die Nutzung und Verbreitung von Binärpaketen unterstützt. Wie für das Projekt üblich, bietet das Team hierfür eine sehr ausführliche Dokumentation an, die etwa Anleitungen dafür beinhaltet, wie Nutzer selbst einen entsprechenden Host für Binärpakete aufsetzen können. Als Begründung, warum auch in Gentoo auf Binärpakete statt auf selbst kompilierten Quellcode gesetzt werden soll, heißt es dort, dass dies schlicht schneller sei.

Wie bei anderen auf Binärpaketen aufbauenden Distributionen muss sich das Team von Gentoo beim Kompilieren auf eine möglichst breite Hardwareunterstützung fokussieren. Einer der wichtigsten Vorteile von Gentoo selbst, die große Konfigurationsmöglichkeit der Software über zahlreiche Kompilierflags, geht damit aber verloren.

In der Frage-Antwort-Sektion der Ankündigung schreiben die Beteiligten dazu: “Aber hey, das ist nicht für meine CPU optimiert! – Pech gehabt. Ihr könnt die Pakete immer noch selbst kompilieren, genau wie früher!”

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