Aus Linux-Magazin 05/2023

Bücher über Modellierung und Usability

Ein Buch diskutiert die verschiedenen Techniken der Modellierung in der Informatik, ein zweites beschäftigt sich mit Methoden der Usability und des UX-Designs.

Modellbau

Oft geht das Modellieren dem eigentlichen Entwickeln von Soft- oder Hardware voraus. Es beschreibt die Aufgabe, oft auf einer abstrakten Ebene, dient dem Problemverständnis, unterstützt eine systematische Herangehensweise und dient als Maßstab für die Lösung. Beim Modellieren kann sich der Designer verschiedener Techniken (Kalküle) bedienen, die das vorliegende Buch jeweils in ihren Grundzügen darstellt.

Nach einer Einführung geht es mit Modellen auf Basis von Mengen oder Wertebereichen los. Erläutert werden die Grundbegriffe der Mengenlehre nebst Relationen, Folgen und Funktionen. Die Autoren demonstrieren die Anwendung an einer Fallstudie zur Steuerung eines Getränkeautomaten, die sich durch das ganze Buch zieht. Wie bei allen Kapiteln finden sich auch hier zum Abschluss Kontrollaufgaben. Der nächste Abschnitt behandelt Terme und Algebren. Terme verstehen sich allgemein als Verknüpfung von Operatoren, Operanden und Symbolen. Gesetze (Axiome), die Operationen mit Termen zueinander in Beziehung setzen, bilden schließlich eine Algebra (wie die Boolesche Algebra oder die Arithmetik). Auch mit Algebren lassen sich Aufgabenstellungen modellieren.

Ein weiteres Kalkül ist das der formalen Logik. In diesem Zusammenhang stellt das Buch die Grundlagen der Aussagen- und Prädikatenlogik vor: logische Operatoren, Quantoren, Normalformen und Transformationen. Das anschließende Kapitel widmet sich einem weiteren Kalkül der Modellierung, den Graphen und Bäumen. Konkrete Ausprägungen wären etwa Entscheidungsbäume oder Ablaufdiagramme.

Besonders zur Modellierung von Strukturen eignen sich kontextfreie Grammatiken und Entity-Relationship-Diagramme. Sie kennt man vom Datenbankentwurf oder von der Modellierungssprache UML her, die das nächste Kapitel vorstellt. Die folgenden beiden Kalküle, endliche Automaten und Petri-Netze, dienen dagegen hauptsächlich zur Modellierung von Abläufen. Ein abschließendes Kapitel führt noch einmal alles zusammen und zeigt anhand zweier Beispiele die Anwendung verschiedener Kalküle im Vergleich.

Info

Uwe Kastens, Hans Kleine Büning

Modellierung

Hanser Verlag, 2021

308 Seiten, 30 Euro

ISBN 978-3-446-46942-6

Nutzerfreundlich

Das Handbuch “Usability und User Experience Design” will Studenten und Neulinge, aber auch gestandene Profis in der Produktentwicklung systematisch mit den Grundzügen und Methoden des Entwurfs nutzerfreundlicher Produkte und Dienstleistungen vertraut machen. Dazu stellt es ausgehend von einer Begriffsklärung in den ersten sieben Kapiteln die Grundlagen vor. Dazu gehören die Erörterung der wirtschaftlichen Dimension nutzerbezogenen Designs und deren Messbarkeit, eine Übersicht über verschiedene Entwurfsprozesse wie Design Thinking oder Minimum Viable Product (MVP) sowie der Data-Driven-UX-Design-Ansatz, der das Beste aus verschiedenen Prozesswelten kombinieren soll. Ein weiteres Kapitel behandelt die wissenschaftlichen Grundlagen aus den Bereichen Wahrnehmungspsychologie, Gedächtnis und menschliche Informationsverarbeitung.

Der zweite Teil nimmt dann in mehreren Kapiteln das Thema Data Driven UX Design wieder auf und betrachtet es im Detail. Zunächst geht es um die Vorbereitung und Planung eines solchen Prozesses im Rahmen der agilen Softwareentwicklung. Das unterstützen drei Praxisbeispiele, die sich durch das ganze Buch ziehen und immer wieder zur Illustration herangezogen werden. Im Folgenden geht es um die Nutzungskontextanalyse im Zusammenhang mit Data Driven UX Design, deren Prinzipien und Methoden ausführlich erklärt werden. Im selben Zusammenhang geht das darauf folgende Kapitel auf die Spezifikation der Nutzungsanforderungen ein. Wie sich wiederum darauf aufbauend Gestaltungslösungen entwickeln und evaluieren lassen, ist Gegenstand der nächsten beiden Kapitel.

Wie an vielen Stellen stellt das Buch auch beim Thema Evaluierung ein ganzes Bündel an Methoden zur Auswahl, im Beispiel Rapid-User-Tests, A/B-Testing, UX-Benchmarking, 5-Sekunden-Tests oder standardisierte Fragebögen. Danach diskutiert ein weiteres Kapitel die Frage, an welchem Punkt Schluss sein sollte, oder genauer gesagt, zu welchem Zeitpunkt der Wechsel in die zweite Phase der kontinuierlichen Weiterentwicklung ansteht. Schließlich stellt ein letztes Kapitel eine Entscheidungsmatrix vor, die dabei helfen soll, aus der Fülle der vorgestellten Methoden diejenigen auszuwählen, die am besten zu einem bestimmten Projekt passen. Ein Glossar rundet das Handbuch ab.

Alles in allem stellt das Buch das Thema Usability und User Experience umfassend aus vielen Perspektiven dar. Es eignet sich zum Einlesen in die Materie wie zum Nachschlagen und dabei hilft, Produkte zu entwickeln, die ihre Anwender gern verwenden werden.

Info

Michaela Kauer-Franz, Benjamin Franz

Usability und User Experience Design

Rheinwerk, 2022

750 Seiten, 50 Euro

ISBN 978-3-8362-8720-3

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