Aus Linux-Magazin 02/2022

Effiziente Rechenzentren dank Virtualisierung und Containern

© Peachaya Tanomsup / 123RF.com

Laufen auf einem leistungsstarken Server statt eines einzelnen Diensts etliche virtualisierte Services in VMs oder Containern, dann erhöht das die Effizienz – zumindest in der Theorie. Wie das auch in der Praxis klappt und was man sonst noch tun kann, zeigt dieser Artikel.

Irgendwie ist ja alles “green” und “organic” heutzutage – vom Waschmittel über das Frühstücksbrot bis hin zum Biobaumwollbezug des Kissens, auf das man sein Haupt allabendlich bettet. Eher selten denkt Ottilie Normalverbraucherin allerdings über den Bio- und Umweltfaktor der digitalen Dienste nach, die sie jeden Tag in Anspruch nimmt.

Doch das eigene Smartphone hat ebenso einen ökologischen Fußabdruck wie die Infrastruktur, die sein Betrieb erfordert. Die geliebte Serie auf Netflix, Amazon Prime oder Sky setzt ebenfalls eine erhebliche digitale Infrastruktur voraus, und zwar nicht nur zum unmittelbaren Ausspielen der Inhalte, sondern im Hintergrund auch für deren Konversion in platzsparende Videoformate. Dienste des alltäglichen Bedarfs wie der eigene Mail-Provider oder der Lieblingswebshop für den großen Weihnachtseinkauf sind ohne riesige Rechenzentren ebenfalls kaum denkbar. Da kommt schnell die Frage auf, ob sich IT überhaupt ökologisch realisieren lässt und welche Faktoren da gegebenenfalls eine Rolle spielen.

Die Antwort fällt, wie so oft, eher unbefriedigend aus: Kommt darauf an. Dieser Artikel wagt eine Bestandsaufnahme: Welche Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um die Klassifizierung digitaler Dienste im Hinblick auf den Öko-Fußabdruck geht? Wie wirken sich Faktoren wie Virtualisierung darauf aus? Und welche Optionen existieren gegenwärtig, um Rechenzentren und die Workloads darin wirklich ökologisch zu gestalten?

Ein langer Weg

Wirft man einen Blick in die Rechenzentren, findet sich vielerorts eine ähnliche Situation: Virtualisierung dominiert die Szene. Dabei spielt es aus heutiger Sicht eher eine untergeordnete Rolle, ob es um die Virtualisierung ganzer Server mit Paravirtualisierung (Abbildung 1) oder um eine weniger invasive Virtualisierung mit Containern (Abbildung 2) geht. Beide Faktoren wirken sich zwar unterschiedlich aus, worauf der Artikel später noch im Detail eingeht, doch fallen die Unterschiede nicht so riesig aus, dass sie am Ende entscheidend wären.

Abbildung 1: Klassische Virtualisierung ist der Schlüssel dazu, riesige leistungsstarke Server überhaupt sinnvoll auszulasten. Es muss dabei gar nicht immer die Cloud sein, wie oVirt zeigt. Quelle: Red Hat

Abbildung 1: Klassische Virtualisierung ist der Schlüssel dazu, riesige leistungsstarke Server überhaupt sinnvoll auszulasten. Es muss dabei gar nicht immer die Cloud sein, wie oVirt zeigt. Quelle: Red Hat

Abbildung 2: Container drehen noch weiter an der Effizienzschraube, weil sie mehr Workload auf derselben Hardware ermöglichen: Ihr Overhead ist kleiner als der bei Para- oder Vollvirtualisierung. Quelle: Red Hat

Abbildung 2: Container drehen noch weiter an der Effizienzschraube, weil sie mehr Workload auf derselben Hardware ermöglichen: Ihr Overhead ist kleiner als der bei Para- oder Vollvirtualisierung. Quelle: Red Hat

Wichtig ist viel eher, dass Virtualisierung als solche bereits einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Ökologie im Rechenzentrum darstellt. Allerdings haben viele Admins sich mit dem Thema anfangs eher unfreiwillig befasst und stehen dem Konzept bis heute skeptisch gegenüber. Vielerorts konnte Virtualisierung erst aus purer Notwendigkeit heraus Fuß fassen, weil Server spätestens Anfang des Jahrtausends so leistungsstark wurden, dass sie mit einzelnen Anwendungen praktisch nicht mehr auszulasten waren.

Mehrkern-CPUs gelten bis heute vollkommen zu Recht als ein Meilenstein in der Prozessorentwicklung, haben aber auch für ein heftiges Missverhältnis zwischen verfügbarer Leistung und genutzten Ressourcen im Rechenzentrum gesorgt. Ein klassischer Webserver oder selbst ein Java-basierter Tomcat vermögen die verfügbare Power eines Mehrkern-Xeons kaum vollständig auszureizen. Lediglich Datenbanken schaffen es bis heute regelmäßig, an den Leistungsgrenzen der verfügbaren Hardware zu kratzen. Das liegt oft genug nicht so sehr an deren Ressourcenhunger, sondern schlicht am schlechten Datenbankdesign.

Kenngrößen

Was im Fließtext so leichtfüßig daherkommt, lässt sich wissenschaftlich mit Kriterien genauer ausdrücken, vor allem aber mit Maßeinheiten. Seit 2016 gibt es die Maßeinheit der Power Usage Effectiveness (PUE), die die Energieffizienz eines Rechenzentrums in Zahlen erfassen will. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen der gesamten Energieaufnahme eines Rechenzentrums und dem Anteil, der davon unmittelbar an die Compute-Hardware geht.

Hier spielt der Computing Output also noch gar keine Rolle. Viel eher soll der PUE errechnen, wie hoch der Overhead des Energieverbrauchs durch unterstützende Infrastruktur ausfällt, etwa durch Kühlung und Netz. Ein PUE nahe 1,0 gilt als theoretischer Idealwert – dann würde die RZ-Infrastruktur keinen nennenswerten Energieaufwand mehr hervorrufen. Die besten Rechenzentren der Welt kommen aktuell auf einen PUE-Wert von 1,06 bis 1,09; das ist schon ziemlich gut.

Soll auch die tatsächlich erbrachte Rechenleistung in die Kalkulation einfließen, greift man zu einer anderen Kenngröße, der Performance per Watt (PpW). Hier ist Vorsicht geboten, denn die PpW bezieht sich in der Regel auf die maximale Performance eines Geräts, die es bei maximaler Leistungsaufnahme liefert. Wie effizient die vom Admin betriebene Infrastruktur wirklich arbeitet, lässt sich damit nicht unmittelbar ablesen.

Da wird dem geplagten Admin schnell klar, dass das Berechnen der Energieeffizienz von Cloud Computing gar nicht so trivial ist.

Das UBA hilft

Die Bestätigung für diese These kommt von einer Institution, von der man das so gar nicht erwartet hätte: vom Umweltbundesamt. Es hat Mitte 2021 ein Kompendium hinsichtlich der ökologischen Faktoren rund um das Thema Cloud Computing veröffentlicht. Darin gibt es Betreibern auch einen Leitfaden [1] an die Hand, wie sich die Energieffizienz des eigenen Rechenzentrums anhand verschiedener Kriterien bewerten lässt. Wer auf eine einfache Formel hofft, sieht sich jedoch bitter enttäuscht. Stattdessen hantiert das Umweltbundesamt mit einer Vielzahl von Faktoren, die in Tabellen gepackt und in Relation zueinander gesetzt werden wollen.

So definiert die Behörde als einen Faktor der Kalkulation etwa den abiotischen Rohstoffverbrauch (Abiotic Depletion Potential, ADP), also die Nutzung von Mineralien und fossilen Rohstoffen, etwa bei der Halbleiterherstellung. Hinzu kommt das Treibhausgaspotenzial (Global Warming Potential, GWP), das die Wirkung des Betriebs von IT-Infrastruktur im Hinblick auf den Ausstoß schädlicher Treibhausgase ermittelt. Der kumulierte Energieaufwand (Cumulative Energy Demand, CED) gibt den Verbrauch von Energie aus erneuerbaren wie nicht erneuerbaren Quellen an. Auch der Wasserverbrauch (Water Usage) spielt eine Rolle, wenn Rechenzentren etwa wassergekühlt sind.

Wem die Komplexität der Tabelle des Umweltbundesamts hier bereits zu hoch ist, auf den warten schlechte Nachrichten. Im nächsten Schritt legt der Admin nämlich pro Gerät anhand der Kategorien Server, Speicher, Netzwerk sowie Infrastruktur fest, wie viel Prozent auf die jeweilige Kategorie entfallen und wie viel davon die einzelnen Dienste beanspruchen, die die Geräte erbringen.

Bereits an dieser Stelle muss der Admin zwangsläufig mit Näherungswerten arbeiten. Geht es etwa darum, den Stromverbrauch eines Switches zu bewerten, wird man sinnvollerweise die Leistungsaufnahme des Geräts durch die Anzahl der genutzten Ports teilen und die jeweiligen Ports dann spezifischen Diensten zuordnen. Dasselbe Spiel wiederholt der Admin für die anderen genannten Faktoren, bis am Ende eine Tabelle entsteht, die für jeden Faktor und jeden Service eine Ziffer enthält.

Was bringt es?

Dann folgt die nächste mathematische Übung: Bislang enthält die vom Admin erstellte Tabelle ja nur den geleisteten Aufwand, also etwa die in das Setup investierte Energie. Die muss allerdings in Relation zum Nutzen stehen, den das Setup am Ende generiert.

Die Angabe, dass der Speicherdienst Cloud-Storage eine bestimmte Menge Kilowattstunden pro Jahr und damit eine bestimmte Menge an CO2-Äquivalent in Kilogramm pro Jahr durchbläst, hilft dem Admin ja noch nicht weiter. Wichtig ist stattdessen, wie viel Speicherplatz im Online-Speicher effektiv zur Verfügung steht. Daraus wiederum ergibt sich im Beispiel des Strombedarfs (GWP) ein CO2-Äquivalent in Kilogramm pro Terabyte. Dieser Wert heißt im Dokument des Umweltbundesamts Green-Cloud-Computing-Faktor, kurz GCC.

Für die anderen Parameter verfährt der Admin ebenso, um den Umweltaufwand einer privaten Cloud zu bewerten. Aus den einzelnen Werten pro Service ergibt sich am Ende jeweils eine GCC-Ziffer für den jeweiligen Materialeinsatz, mit dem der Admin endlich arbeiten kann. Nach demselben Rechenschema lassen sich auch die Effektivitätswerte für konventionelle Setups errechnen und mit den Werten der Cloud vergleichen.

Selbst Admins mit einem Faible für eher komplexe Tabellen seien allerdings gewarnt: Das Kompendium des Umweltbundesamts hat es durchaus in sich und bedarf einigen Verstehens, bevor es sich unmittelbar anwenden lässt.

Der Faktor Public Cloud

Glaubt man den aktuell erhobenen Statistiken, dürfte sich ein großer Teil der Leserinnen und Leser dieses Texts mit eigener IT-Infrastruktur im Rechenzentrum schon längst nicht mehr beschäftigen. Die Versprechen der großen Public-Cloud-Anbieter waren vielerorts zu verlockend, und Unternehmen entscheiden sich reihenweise für den Umzug in die öffentliche Cloud. Aus Perspektive der Umwelt ergibt das durchaus Sinn, denn große Anbieter haben etablierte und erprobte Prozesse, um neue Standorte möglichst energieeffizient zu bauen und bestehende Standorte so effizient wie möglich zu betreiben.

Gerade große Public-Cloud-Provider bedienen sich dabei mittlerweile aus einer riesigen Trickkiste. Das fängt schon bei der bereits erwähnten PUE an, die für Rechenzentren heute als Richtgröße gilt. Die Optimierungen haben sich in den vergangenen Jahren vor allem beim Thema Kühlung niedergeschlagen: Wo Rechenzentren früher einfach große Räume mit vielen Racks waren, herrscht heute eine strikte Trennung zwischen Kalt- und Warmgängen.

Wie weit das geht, bemerkt man erst, wenn man selbst einmal Hardware bestellt hat, bei der die Richtung des Luftzugs im Innern des Gehäuses unpassend war. In die Warmgänge entsorgen die Server ihre heiße Abluft, aus den Kaltgängen beziehen sie frische, kalte Luft. Das bedeutet, dass die Luft nur innerhalb der hermetisch von ihrer Umgebung abgeschirmten Kaltgänge gekühlt werden muss. Damit das Schema funktioniert, müssen aber die in einem Rack verbauten Geräte ihre Luft in die richtige Richtung entsorgen. Viele Hardwareanbieter sehen bei ihren Modellen daher Wahlmöglichkeiten für die diversen Abluftvarianten vor.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Server im Format einer halben Höheneinheit mittlerweile außer Mode geraten sind. Waren sie vor ein paar Jahren noch ein beliebter Trick, eine Höheneinheit doppelt zu nutzen, machen heute moderne Lüftungskonzepte diesem Ansatz einen Strich durch die Rechnung.

Der richtige Standort

RZ-Betreibern bieten sich jedoch noch viel mehr Stellschrauben als nur Kalt- und Warmgänge, um an der Energieeffizienz ihrer Setups zu drehen. Es hat sich mittlerweile eingebürgert, Rechenzentren nach Möglichkeit gleich so zu bauen, dass natürliche Faktoren der Umgebung einen Teil der Kosten des RZs tragen. Auf riesige Klimaaggregate, die viel Strom fressen, kann man getrost verzichten, wenn man ein Rechenzentrum neben einen Fjord in Norwegen baut: Der führt in ein paar Dutzend Metern Tiefe Wasser, das garantiert kalt genug ist (Abbildung 3), um eine bessere Kühlung zu bieten als jedes auf Umluft basierende System. Zudem leitet Wasser Wärme besser ab als Luft. Die Anzahl der Rechenzentren in Skandinavien hat entsprechend in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Abbildung 3: Orte mit viel Wasser, das aus natürlichen Gründen kalt ist, wie dieser Fjord in Norwegen, rücken seit einigen Jahren in den Fokus von RZ-Planern. Quelle: Wikipedia / Simo Räsänen

Abbildung 3: Orte mit viel Wasser, das aus natürlichen Gründen kalt ist, wie dieser Fjord in Norwegen, rücken seit einigen Jahren in den Fokus von RZ-Planern. Quelle: Wikipedia / Simo Räsänen

Ein weiterer Vorteil von Rechenzentren an der Küste: Auch Strom steht hier oft relativ günstig zur Verfügung. Offshore-Windparks etwa produzieren Strom, der sich bei entsprechendem Vertrag mit dem Betreiber direkt für einen Standort nutzen lässt, ohne den Umweg über den Strommarkt zu gehen. Da die Standorte von RZ und Windpark in solchen Szenarien oft nur ein paar Kilometer voneinander entfernt liegen (Abbildung 4), erscheint diese Option aus Sicht des RZ-Betreibers attraktiv. Die Kühlung mit Wasser sowie der Betrieb mit lokal erzeugtem Strom aus Wind haben zudem einen sehr kleinen ökologischen Fußabdruck: Das genutzte Wasser muss man nicht mehr kühlen, und der Strom steht vor Ort bereit und kommt nicht aus AKWs oder anderen nicht erneuerbaren Quellen.

Abbildung 4: Rechenzentren in Küstennähe sind unter anderem deshalb von Vorteil, weil sich in ihrer Nähe grüner Strom billig herstellen und schnell zum Einsatzort transportieren lässt. Quelle: Wikipedia / Lieven

Abbildung 4: Rechenzentren in Küstennähe sind unter anderem deshalb von Vorteil, weil sich in ihrer Nähe grüner Strom billig herstellen und schnell zum Einsatzort transportieren lässt. Quelle: Wikipedia / Lieven

Große Anbieter wie Amazon, Google oder Microsoft versuchen, solche Vorteile zu nutzen, wo immer das möglich ist. Wer gerade keinen Fjord zur Hand hat, greift heute immer häufiger zum ebenfalls kalten Grundwasser – falls die Behörden keinen Strich durch die Rechnung machen, wie es Google kürzlich in Brandenburg passierte.

Einen weiteren Trick ziehen große RZ-Betreiber heute gern aus dem Hut, wenn es um unterbrechungsfreie Stromversorgung geht. Immer häufiger ersetzen riesige Schwungräder die altbackenen Dieselaggregate, die im Falle eines Falles zumindest für eine Überbrückungszeit noch Strom liefern sollen. Die Räder sind nicht nur deutlich umweltfreundlicher, sondern sie verbannen auch die Brandlast Diesel aus dem Rechenzentrum (Abbildung 5).

Abbildung 5: Schwungräder als Energiespeicher ersetzen in vielen RZ die klassische Diesel-USV, weil sie umweltfreundlicher und obendrein weniger störanfällig sind. Quelle: Hizinger, Linz

Abbildung 5: Schwungräder als Energiespeicher ersetzen in vielen RZ die klassische Diesel-USV, weil sie umweltfreundlicher und obendrein weniger störanfällig sind. Quelle: Hizinger, Linz

Zugegeben: In einer Public Cloud hat der Kunde praktisch keine Möglichkeit, den ökologischen Fußabdruck des eigenen Setups zu bestimmen. Wer eigene Infrastruktur betreibt, könnte sein Setup zwar nach den Maßgaben des Umweltbundesamts bewerten, doch die fallen so komplex aus, dass in vielen Fällen die Anwendung bereits am Erheben der benötigten Zahlen scheitern dürfte.

Es stellt sich mithin die Frage, was der einzelne Administrator tun kann, um ohne große Kraftakte die Energieeffizienz der eigenen Umgebung zu erhöhen. Im Folgenden liefert dieser Artikel zumindest ein paar Denkanstöße dazu.

Virtualisierung hilft

Als praktisch hat es sich etwa herausgestellt, in der eigenen Infrastruktur Virtualisierung so weit wie möglich zu erzwingen. Viele Infrastrukturdienste, die früher noch auf eigener Hardware gelaufen wären, begnügen sich heute mit einer kleinen VM, etwa solche für das Deployment von Servern: NTP, DHCP, TFTP, PXE und andere benötigen so wenig CPU- und RAM-Ressourcen, dass sie als VMs auf demselben System laufen können. Wer leistungsstarke Server betreibt, auf denen diese Dienste in kleinen VMs mitlaufen können, tut noch einmal mehr für die Umwelt, als würde er kleine Systeme nur für diese Dienste betreiben.

Mehr Effizienz erzielt der Administrator obendrein, wenn er für Virtualisierung zu anderen Mitteln als KVM greift. Die Voll- oder Paravirtualisierung mit KVM erzeugt für den Betrieb eines eigenen Kernels und eines gesamten virtuellen Servers einigen Overhead. Es gibt Alternativen: Container etwa erzeugen im Hinblick auf CPU und RAM kaum Overhead, sodass sich auf einem System grundsätzlich mehr voneinander abgeschirmte Container betreiben lassen als VMs.

Vielen Admins sind Container allerdings suspekt, weil sie den Sicherheitsmechanismen des Linux-Kernels nicht trauen. Hier bietet Amazons Firecracker eine valide Alternative, deren praktische Relevanz bisher allerdings eher einschränkt bleibt. Schade, denn Firecracker ist sehr viel effizienter als die Kombination KVM/Qemu. Daher lassen sich mit Firecracker mehr VMs auf einem System betreiben als mit KVM.

Hardware effektiv nutzen

Im Kontext der Ressourcen kommt immer wieder das Thema des Verschnitts bei Virtualisierung auf. Es betrifft die Anbieter öffentlicher und privater Clouds, die ihren Nutzern allzu viel Freiheit bei der Stückelung der genutzten Ressourcen lassen.

Geht man davon aus, dass ein Standard-Server heute mit 256 GByte RAM und 40 physischen CPU-Kernen daherkommt, merkt man schnell, dass die Stückelung der virtuellen Hardwareprofile im Idealfall ein Vielfaches im Verhältnis 1:1 oder 1:2 ist. Vier CPU-Kerne hätten dann etwa 8 GByte Arbeitsspeicher zur Verfügung, 16 Cores entsprechend 64 GByte RAM.

Forciert ein Unternehmen diese Regeln nicht und erlaubt beliebige Kombinationen, klicken sich die Nutzer früher oder später Instanzen mit 16 CPU-Kernen, aber 256 GByte RAM zusammen. Die restlichen 24 CPU-Kerne des Hosts laufen dann zwar mit, lassen sich aber für produktiven Workload nicht mehr nutzen.

Insbesondere für Public-Cloud-Provider stellt das, abgesehen vom Faktor der Umweltfreundlichkeit, auch ein kommerzielles Problem dar. Vermeiden lässt es sich nur durch virtuelle Hardwareprofile, von denen Anwender nicht abweichen dürfen.

CPU-Overcommitment

Nicht zuletzt darf hier ein Hinweis nicht fehlen, der vielen Admins Zornesfalten auf die Stirn treiben dürfte: CPU-Überprovisionierung ist kein Verbrechen. Manchem Systemverwalter rollen sich erfahrungsgemäß bereits die Zehennägel hoch, wenn er das Wort Overcommitment nur hört. Im Hinblick auf Arbeitsspeicher erscheint diese Grundhaltung vollkommen gerechtfertigt: RAM-Überprovisionierung ist ein sicheres Ticket direkt in die Hölle.

Bei CPUs liegt die Sache naturgemäß etwas anders. Denn wer nur genau so viele virtuelle CPUs zuteilt, wie es Threads oder gar physische Kerne auf einem System gibt, erlebt in vielen Fällen, dass das betroffene System sich langweilt. In der Praxis lastet die Mehrzahl aller Workloads eben nicht alle Kerne (oder vCPUs) permanent zu 100 Prozent aus. Weil über das Abwickeln von Rechenschritten am Ende so oder so der Host-Kernel entscheidet, ist es daher nicht nur legitim, mit einem kleinen Overcommitment-Faktor zu rechnen, sondern aus ökologischer Sicht sogar vernünftig.

Nicht wenige Hoster betreiben ihre Umgebungen mit einem Overcommitment-Faktor von 8 oder 16. Aber selbst ein Wert von 4 trägt bereits dazu bei, die Verschwendung von Ressourcen zu reduzieren und die Energieeffizienz einzelner Geräte zu erhöhen.

Herunterschalten

Vielen Admins ist obendrein nicht klar, dass auch Server-CPUs ab Werk Energiesparoptionen mitbringen. Auf vielen Systemen liegen diese deshalb brach. Dabei ergäbe sich auch hier ein sinnvoller Ansatz, um Energie zu sparen: Ein Server, der sich etwa aufgrund fehlender Überprovisionierung langweilt, braucht nicht sämtliche CPU-Kerne mit voller Energie zu betreiben. Welche Stromsparmechanismen für die eigenen CPUs zur Verfügung stehen, ergibt sich aus der Dokumentation des Herstellers. In den Handbüchern der großen Enterprise-Distributionen finden sich mittlerweile durchgängig Kapitel, die das Thema Green IT auch unter Berücksichtigung dieses Faktors beleuchten.

Ein Wort zu Bitcoin

Eine Betrachtung zum Thema ökologische Rechenzentren kann das Thema Bitcoin nicht außen vor lassen. Auch wenn nur in wenigen RZ der Welt das Mining von Bitcoins stattfindet, bleibt festzuhalten: Vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise sind Gewinnspekulationen rund um die Kryptowährung und der dafür betriebene Aufwand ungeheuerlich und nicht zu rechtfertigen.

Bei aller Euphorie und allen Fantasiebeträgen, die im Kontext von Bitcoin immer wieder in den Medien kursieren, dürfen die Fakten nicht in Vergessenheit geraten. Zunächst gilt: Bei einer Bitcoin handelt es sich im Wesentlichen um ein immaterielles Etwas, für das ein virtueller Käufer viel Geld zu zahlen verspricht. Der Bitcoin-Markt, auf dem die Spekulanten dieser Welt Gewinne machen, ist höchst spekulativ und für die meisten Menschen weder nachvollziehbar noch empfehlenswert. Seinen gesamtgesellschaftliche Nutzen darf man getrost in Frage stellen.

Dass die meisten Spekulanten Mining-Orte mittlerweile bewusst so wählen, dass Faktoren wie Strom und Kühlung besonders günstig ausfallen, vermag über diesen Umstand nicht hinwegzutäuschen. Wer Bitcoin-Miner in skandinavischen Fjords verbuddelt, weil dort die Kühlung billig ist und der Strom mit dem Wind aus der Luft kommt, beansprucht heute zwar nicht selten die Illusion, er betreibe klimafreundliche IT. Fakt ist jedoch: Bitcoin verbraucht inzwischen mehr Energie als einige mittelgroße Länder.

Wie man es auch dreht und wendet und wo man seine Miner auch aufstellt: Bitcoins können nicht umweltfreundlich sein, wenn die für sie aufgebrachte Energie keinen wie auch immer gearteten Gegenwert gesellschaftlicher Relevanz produziert. In einem Zeitalter, in dem jede noch so kleine Handlung zur Reduktion der globalen Erwärmung sinnvoll und richtig ist, muss man den Betrieb entsprechender Infrastruktur mithin moralisch wie ethisch anzweifeln.

Fazit

Virtualisierung, Container und Cloud Computing steigern fraglos den Grad der Ausreizung von Hardware im Rechenzentrum und machen mithin IT effizienter. Es ist allerdings gar nicht so einfach, diese Effekte in belastbare Zahlen umzuwandeln, selbst das Umweltbundesamt gibt in seinem Kompendium zum Thema nur eine ungefähre Richtung vor.

Der Wunsch, die eigene IT-Infrastruktur so effizient wie möglich zu verwalten, lässt sich aus ökologischer Sicht nachvollziehen. Allerdings muss sich der Admin oft genug eher auf sein Gefühl verlassen, als sich an konkreten Zahlen orientieren zu können. Wer sich als Kunde in die Obhut einer Public Cloud begibt, hat sogar praktisch kaum noch Möglichkeiten, auf die Energieeffizienz des eigenen Setups Einfluss zu nehmen. Immerhin gibt es ein paar Grundsätze, deren Beachtung die Chance einer umweltschonenden Nutzung von IT-Hardware deutlich steigert. (jcb/jlu)

Infos

  1. Green-Cloud-Kompendium des Umweltbundesamts: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/green-cloud-computing
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