Aus Linux-Magazin 01/2022

Bücher über Webdesign und Python-Programmierung

Ein Buch will dabei helfen, das Webdesign im Dienst der Werbung zu optimieren, das andere hilft unkonventionell beim Lernen von Python.

Inhalt für Verkäufer

“Content is king” – ein Bill Gates zugeschriebener Spruch, über den man im Zusammenhang mit Webdesign allenthalben stolpert. Den Inhalten wird dabei übrigens nicht nur aus Sorge um den anderenfalls gelangweilten Nutzer die Königswürde angetragen, sondern auch, weil Googles Ranking-Algorithmen reinen Nonsens bestrafen. Das vorliegende Buch “Content Design” will den Weg zu gut gestalteten Inhalten weisen.

Dabei unterwerfen sich die Autoren von vorneherein einer Selbstbeschränkung: Es geht nicht um Bildungsinhalte, nicht um Nachrichten, nicht um Kunst, nicht um Unterhaltung, sondern ausschließlich um schnöde Werbung: “Der Fokus dieses Buches liegt daher auf der Nutzenmaximierung digitaler (Werbe-) Inhalte …”, stellen die Autoren klar. Entsprechend werden auch die einleitenden Betrachtungen zu Zielgruppen und deren Bedürfnissen allein durch die Verkäuferbrille betrachtet und nur mit Modellen aus der Verkaufspsychologie illustriert.

Ein ausführlicher Buchteil widmet sich den Gestaltungsgrundlagen, also etwa der Wirkung von Farben, Formen, Schriften, der Raumaufteilung und der Nutzung optisch hervorstechender Elemente. Dabei kommen auch ein paar Eigentümlichkeiten der visuellen Wahrnehmung zur Sprache, die der Text als Gesetze vorstellt und die beispielsweise besagen, dass der Rezipient Beeinanderstehendes als verbunden wahrnimmt.

Weiter geht es mit der strategischen Planung von Content, aufgeteilt nach den Inhaltssorten Text, Bild, Video und Audio. Das nächste Kapitel handelt von praktischen Fragen des Webdesigns und speziell der Gestaltung von Landing Pages. Das letzte Kapitel wendet sich der Conversion-Optimierung zu, die postuliert, dass der einzige Sinn und Zweck von Content der Verkauf von irgendetwas sei. Guter Content und viel Traffic erscheinen aus dieser Perspektive nutzlos, “wenn die Besucher auf der Webseite nicht klicken, konvertieren oder kaufen”. Entsprechend geht es hier unter anderem um Kennzahlen zur Erfolgsmessung oder das Testen verschiedener Gestaltungsvarianten sowie um Tools für die Optimierung.

Alles in allem eignet sich das Buch für alle, die im Web etwas verkaufen wollen und dazu praktisch nutzbare Gestaltungstipps suchen.

Infos

R. Weller, B. Harmanus

Content Design

Carl Hanser Verlag, 2021

550 Seiten, 45 Euro

ISBN: 978-3-446-46310-3

Leichter Wälzer

Die “Schrödinger”-Reihe aus dem Rheinwerk-Verlag ist für ihre etwas anderen Programmierlehrbücher bekannt. “Schrödinger programmiert Python” macht da keine Ausnahme. Der Text ist gespickt mit zahllosen Comic-artigen Zeichnungen, handschriftlich anmutenden Zeilen, Unterstreichungen oder mit unregelmäßigen Farbflächen hinter Textpassagen. Alle Elemente wirken skizzenhaft, scheinbar frei auf den Seiten verteilt, die Anordnung erscheint leicht chaotisch. Der Leser wird von Anfang an geduzt und direkt angeredet, die Sprache ist leger. Wozu das alles? Um dem Lernen, um das der Leser auch hier nicht herumkommt, die Aura des Anstrengenden, Mühevollen zu nehmen und es in etwas Spielerisches, Lustvolles zu verwandeln. Größtenteils funktioniert das gut.

Dazu kommt ein leichter Einstieg mit vielen, kurzen Beispielen, die sich auch ohne Programmiererfahrung leicht nachvollziehen lassen. Behandelt werden die notwendigen Elemente jeder Programmiersprache, wie Datentypen, Variablen, Kontrollstrukturen, bedingte Programmausführung und Funktionen. Die Schwierigkeit steigt, wenn es anschließend um komplexere Datentypen wie Listen, Tupel, Sets und Dictionaries geht oder um Strings, das Debugging, die Standardbibliothek und Erweiterungen durch Module.

Ein nächstes Kapitel führt in das objektorientierte Programmieren ein. Wer die Beispiele selbst ausprobiert, kommt diesem Programmierparadigma schrittweise näher und erwirbt dabei das Handwerkszeug, um später selbstständig eigene Klassen und Objekte zu verwenden. Weitere Kapitel widmen sich einem bunten Strauß an Themen wie der Datumsrechnung, dem Lese- und Schreibzugriff auf Dateien, Matrizen und Arrays, grafischen Oberflächen, Datenbanken, der Visualisierung, JSON, regulären Ausdrücken oder Data Science.

Das Buch bietet eine vergnügliche und recht umfassende Einführung in die Programmiersprache Python, die durchweg leicht verständlich ist. Kleiner Wermutstropfen: Die besondere Gestaltung braucht viel Platz, und so gerät das Buch zu einem 650-Seiten-Wälzer.

Infos

Stephan Elter

Schrödinger programmiert Python

Rheinwerk, 2021

660 Seiten, 45 Euro

ISBN: 978-3-8362-6745-8

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