Aus Linux-Magazin 05/2021

Netze sichern mit Endian Firewall Community

© Dmytro Vietrov / 123RF

2003 überlegte sich ein Team von Open-Source-Enthusiasten und Netzwerkspezialisten, dass die zunehmende Vernetzung in den kommenden Jahren ernste Folgen für die IT-Sicherheit haben würde. Das war der Ansporn, eine Open-Source-Firewall als effizienten Filter zu entwickeln.

Das Ziel der Endian-Entwickler war, durch die Möglichkeiten von Open-Source-Technologien eine Sicherheitslösung zu schaffen, die vor Bedrohungen aus dem Internet schützt und für jeden kostenlos zugänglich ist. Das Resultat ihrer Arbeit, Endian Firewall Community (EFW), ging 2004 an den Start.

Endian Firewall Community präsentiert sich als schlüsselfertige, Linux-basierte Sicherheits-Software für den Heimbereich sowie für kleine Netzwerke. Wirft man allerdings einen Blick in die Foren, so sieht man, dass die Firewall durchaus auch in größeren Netzwerken zum Einsatz kommt. Mit EFW lässt sich jede Hardware-Appliance in eine vollwertige Unified-Threat-Management-Lösung (UTM) verwandeln. Mittlerweile verzeichnet die Firewall über 2 Millionen Downloads weltweit.

Heute bietet das Unternehmen Endian eine breite Palette von Sicherheitslösungen an, die auf große Netzwerke und Industrieunternehmen fokussieren. Neben der Community-Version entwickelt und vertreibt Endian auch eine Enterprise-Variante der Firewall für den Schutz größerer Unternehmensumgebungen. Ein Aspekt, der für die Kunden dieser Lösung immer wichtiger wird: Bei Endian handelt es sich um einen europäischen Hersteller.

Seit der ersten Veröffentlichung wurde EFW mehrmals überarbeitet und die Leistung kontinuierlich verbessert. Das aktuelle Endian-Betriebssystem basiert auf der Yocto-Plattform, einem modularen Embedded-Linux-Entwicklungs-Framework, mit dem Endian seine eigene Distribution erstellt, die der Hersteller als EndianOS bezeichnet. Mithilfe dieses Frameworks kann Endian das zentrale Modul des Betriebssystems, den Kernel, auswählen und die entsprechenden Komponenten und Anwendungen hinzufügen. So entstehen verschiedene Produktlinien, die auf praktisch jeder Hardware, Software oder virtuellen Plattform laufen.

Da Endian Firewall Community auf einem modernen Linux aufbaut, benötigt sie nur eine vergleichsweise einfache Hardware. Die empfohlenen Anforderungen umfassen eine Dual-Core-x86_64-CPU von Intel mit 2 GHz Taktrate, 4 GByte RAM, eine 20-GByte-Festplatte sowie im Regelfall mindestens zwei Netzwerkschnittstellen, eine für WAN und eine für LAN.

Erstes Setup

Sie erhalten EFW als ISO-Installationsprogramm, mit dem Sie das Image auf eine CD schreiben, von der Sie dann booten. Die Bare-Metal-Installation überschreibt die Daten der von Ihnen gewählten Zielplatte komplett. Das Image enthält sämtliche nötigen Komponenten einschließlich eines sicheren Linux-Betriebssystems.

Sie können von Anfang an einen Monitor und eine Tastatur anschließen, um das konsolenbasierte grafische Installationsprogramm zu nutzen, das Sie durch die einzelnen Schritte leitet. Der Vorgang beginnt mit dem Schreiben des Images auf die Festplatte. Weiter geht es mit dem Aktivieren einer seriellen Konsole und dem Einstellen der LAN-IP-Adresse für die webbasierte Erstkonfiguration.

Die erste Installation der Endian Enterprise Software Appliance funktioniert im Prinzip genauso wie die der Community-Version. Einen Unterschied gibt es bei der virtuellen Endian Enterprise Appliance, die Sie nur über Ihre Hypervisor-Verwaltungsoberfläche importieren. Bei der schlüsselfertigen Endian Enterprise Hardware Appliance ist die Software vorinstalliert, sodass Sie sie einfach einschalten und mit der Konfiguration beginnen.

Ist das System vollständig installiert, starten Sie es neu. Anschließend steht Ihnen eine voll funktionsfähige UTM-Appliance zur Verfügung, und Sie können mit der Erstkonfiguration Ihrer Anwendung beginnen. Unterstützung bietet dabei der webbasierte Endian-Konfigurationsassistent. Um auf ihn zuzugreifen, schließen Sie einen Rechner an den LAN-Port des Geräts an, auf dem Sie die Firewall installiert haben. Dann erstellen Sie eine statische IP, die sich im selben Subnetz des LANs befindet, das Sie bei der Installation konfiguriert haben.

Als Nächstes öffnen Sie einen Webbrowser und greifen über https://<I>Endian-LAN-IP<I>:10443 auf den Endian-Assistenten zu (Default: https://192.168.0.15:10443). Über das Tool stellen Sie die Sprache der Weboberfläche, die Zeitzone sowie Web- und Kommandozeilenpasswörter ein und konfigurieren alle relevanten Netzwerkschnittstellen einschließlich LAN, WAN, DMZ und so weiter (Abbildung 1).

Abbildung 1: Erste Schritte in der Netzwerkkonfiguration mit dem webbasierten Endian-Assistenten.

Abbildung 1: Erste Schritte in der Netzwerkkonfiguration mit dem webbasierten Endian-Assistenten.

Um die unterschiedlichen Netzwerkzonen zu visualisieren und damit eine bessere Übersicht zu bieten, gibt es ein Farbkodierungssystem, das für jede Netzwerkzone eine Farbe festlegt. Rot steht für das Internet/WAN, Grün für das vertrauenswürdige LAN, Orange für die DMZ und Blau für zusätzliche interne Netzwerke (etwa LAN 2/DMZ 2).

Auch bei der Erstkonfiguration gibt es kleine Unterschiede gegenüber der Enterprise-Variante: Letztere bietet dem IT-Administrator einen detaillierteren grafischen Assistenten, um die Erstkonfiguration vorzunehmen. Außerdem unterstützt die Enterprise-Plattform ein Plug-and-Connect-Konzept für eine zentralisierte (Erst-)Konfiguration vom Switchboard (etwa einem zentralen Server) aus.

Standards

Als Gateway-Appliance stellt Endian Firewall Community die Netzwerksicherheit zwischen dem Internet, also einer nicht vertrauenswürdigen Quelle, und den privaten, internen Netzwerken des Benutzers her. Deshalb zielt die Standardkonfiguration auch darauf ab, die Sicherheit der privaten Netzwerke zu maximieren. Sie setzt die Standard-Firewall-Regeln so, dass sie keinen Internet-Verkehr in die internen Netzwerke zulassen.

Für die internen Zonen gibt es zudem eine Konfiguration, um die grüne Zone, also den LAN-Bereich, vor allen anderen internen Zonen zu schützen. Ein Standard-Regelsatz für die ausgehende (Egress-)Firewall stellt sicher, dass gängige Anwendungen aus den internen Netzwerken ins Internet gelangen (HTTP/S, SMTP, DNS, etc.). Im Bereich der Standardkonfigurationen gibt es keinen wesentlichen Unterschied zu den Einstellungen der Endian-Enterprise-Plattform.

Die Web-GUI

Sicherheitsanwendungen müssen sich einfach und intuitiv bedienen lassen. Diesem Grundprinzip folgt auch Endian, und dementsprechend ist ein großer Vorzug von Endian Firewall Community die unkomplizierte Bedienung der Weboberfläche (Abbildung 2). Über sie kann man alle Funktionen der Appliance einfach konfigurieren, ohne irgendwelche Linux-Befehle kennen oder die Kommandozeile benutzen zu müssen. Die Anpassungsmöglichkeiten umfassen dabei die gesamte Netzwerk-, DHCP- und DNS-Konfiguration, alle Firewall-Komponenten, Sicherheitsdienste wie Intrusion Prevention, Web- und E-Mail-Filterung und sowohl SSL- als auch IPsec-VPN-Server sowie Netzwerk-zu-Netzwerk-Konfiguration und Vieles mehr.

Abbildung 2: Ein Dashboard bietet einen guten &Uuml;berblick an zentraler Stelle.

Abbildung 2: Ein Dashboard bietet einen guten Überblick an zentraler Stelle.

Endian Enterprise 6.0 nutzt unter Verwendung eines modernen Web-Frameworks eine noch ausgefeiltere Oberfläche. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind im Wesentlichen dieselben, jedoch verfügt die Enterprise-Version über eine Reihe erweiterter Funktionen, die der Community-Variante fehlen.

Compliance und Reporting

Endian Firewall Community bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten, mit denen sich die Aktivitäten im System nachvollziehen lassen. So steht dem Administrator ein Live-Protokoll-Viewer zur Verfügung, der in Echtzeit alle Systemprotokolle anzeigt oder nur ausgewählte, basierend auf dem Anwendungstyp. Zusätzlich bietet EFW Systemprotokolle, die sich nach Aktivitätstyp, Datum, Uhrzeit oder nach benutzerdefinierten Suchbegriffen filtern lassen. Darüber hinaus kann man über den Firewall-Protokoll-Viewer die Firewall-Aktivitäten überwachen und benutzerdefinierte Suchen vornehmen. Außerdem hat der Administrator noch die Möglichkeit, Service-Protokolle für IPS, Anti-Virus und VPN (Abbildung 3) zu nutzen sowie Proxy-Protokolle für Web- und E-Mail-Filterung einzusehen.

Abbildung 3: Auch ein Open-VPN-Netzwerk kann die Endian-Community-Version realisieren.

Abbildung 3: Auch ein Open-VPN-Netzwerk kann die Endian-Community-Version realisieren.

Dem professionellen Anwender stehen in der Endian-Enterprise-Plattform dieselben Funktionen zur Verfügung wie in der Community-Variante. Darüber hinaus ermöglicht die Enterprise-Plattform erweiterte Systemgrafiken und Berichtsfunktionen sowie eine Dashboard-Ansicht mit den wichtigsten Informationen über Web, E-Mail und andere Sicherheitsdienste.

Für Unternehmen ist die Überwachung und Regulierung der Bandbreite besonders wichtig. Deshalb kann der Administrator in der Enterprise-Plattform den Datenverkehr kontrollieren, indem er Traffic-Informationen wie Quelle, Ziel und Anwendungsaufschlüsselung einsieht. Probleme durch übermäßigen Bandbreitenverbrauch oder Bandbreitenmissbrauch lassen sich so schnell identifizieren und analysieren.

Kernfunktion Sicherheit

Naturgemäß steht bei einer Firewall der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Schon über die sehr strikten Standardeinstellungen schützt Endian Firewall Community die Netzwerke des Anwenders. Jede unnötige Bedrohung aus dem Internet wird erst einmal unterbunden. Auch beim Benutzerzugang sorgt Endian für Sicherheit. Neben dem Administratorenkonto für die Nutzung der Weboberfläche gibt es ein separates Benutzerkonto für die Verwaltung auf der Kommandozeile, die der Anwender bei der Erstkonfiguration einrichten muss.

Die finale Konfiguration lässt viel Raum für individuelle Anpassungen. Es liegt an Ihnen, akzeptable Expositions- und Risikostufen basierend auf Ihrer Netzwerkumgebung zu definieren. Für eine Extraportion Sicherheit integriert EFW das Intrusion Detection and Prevention System (IDS/IPS) Snort, die führende Open-Source-Anwendung in diesem Bereich. Außerdem bietet die Endian-Plattform Ihnen viele Möglichkeiten, um festzulegen, wie und wo Sie die IDS/IPS-Engine einsetzen, indem Sie die Überprüfung für jede bestehende oder neue Firewall-Regel einfach umschalten. Auf diese Weise behalten Sie die vollständige Kontrolle darüber, welchen Datenverkehr die IDS-Engine überwacht.

Erweiterungen

Offiziell bietet Endian keinerlei Zusatzfunktionen an, mit denen sich die Firewall erweitern lässt. Das ist im Regelfall auch nicht notwendig, weil EFW über ein breites Spektrum an Anpassungsmöglichkeiten verfügt, mit denen sich die Appliance anwenderfreundlich und vor allem sicher nutzen lässt.

Wem das nicht ausreicht, der hat die Möglichkeit, bei der starken Gemeinschaft von Endian-Anwendern um Rat zu fragen. Die haben sich auf inoffiziellen Foren zusammengeschlossen, um Nutzern bei der Installation von zusätzlichen Anwendungen und Funktionen zu helfen. Die populärsten dieser Foren sind das deutschsprachige EFW-Forum [1] und das englischsprachige Efwsupport.com [2]. Beide haben eine starke Fangemeinde und bieten viel Unterstützung bei der Installation von Drittanbieteranwendungen oder auch Systemfunktionen.

Die Möglichkeiten zur Erweiterung des Systems stellen wohl auch den wichtigsten Unterschied zwischen der kostenlosen Endian Firewall Community und der Endian-Enterprise-Plattform dar. Die Variante für Unternehmenslösungen bietet zahlreiche Zusatzfunktionen, die der Community-Version fehlen. Dazu gehören beispielsweise Premiumdienste wie die Anti-Viren-Engine von Bitdefender. Hinzu kommen Features wie VPN-Authentifizierung über Active Directory oder LDAP, One-Time-Password-Unterstützung für VPN, L2TP/Xauth-VPN, Hotspot Captive Portal, redundante Hardware-Hochverfügbarkeit, Anwendungsfilterung in der Firewall und anderes mehr. (jcb/jlu)

Infos

  1. Inoffizielle deutsche Support-Plattform: https://www.efw-forum.de
  2. Englischsprachiges EFW-Support-Forum: http://efwsupport.com
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