Aus Linux-Magazin 08/2020

Bücher über Hackerangriffe und Java-Programmierung

Ein Buch widmet sich versteckten Schlachten im Internet, die Hackergruppen und Geheimdienste austragen. Ein zweites führt in die Programmiersprache Java ein.

Der Titel klingt mehr als nur ein wenig reißerisch: “Der digitale Weltkrieg, den keiner bemerkt”. Man kann sich sicher darüber streiten, ob der Begriff Krieg – zumindest im völkerrechtlichen Sinn – überhaupt zutrifft: Hackergruppen oder Geheimdienste sind weder Staaten, noch geben sie eine Kriegserklärung ab. Die Folgen von Aggressionen via Internet können Kriegsfolgen allerdings ähneln – man denke nur an Angriffe auf Infrastruktur wie Kraftwerke, Bahnnetze, Schleusen, Tunnel, Flughäfen, die Wasserversorgung und so weiter – all das ist heute vernetzt und kommt nicht mehr ohne Rechner aus.

Von solchen Angriffen und seinen Recherchen dazu berichtet der niederländische Investigativjournalist Huib Modderkolk in durchaus spannenden Kapiteln. Er hat das Buch in Teile gegliedert, die vorgeben, im Zeichen je einer bestimmten Frage zu stehen, aber das hat keinen großen Einfluss auf die Schilderungen von Hackeraktivitäten und Recherchebemühungen. Modderkolk erzählt detailreich, zuweilen etwas ausschweifend und generell immer mit Bezug auf niederländische Akteure, die dem hiesigen Leser nicht immer so präsent sind. Auf Seite 39 stößt man auf einen kuriosen Fehler, bei dem allerdings unklar bleibt, ob er dem Autor, dem Übersetzer oder dem Lektor zuzurechnen ist; jedenfalls wird hier CERT als Computer Energy Response Team aufgedröselt, wo es korrekt natürlich Emergency heißen muss. Wer immer das verbockt oder verschlimmbessert hat, war ziemlich ahnungslos.

Das Buch hat Unterhaltungswert, aber hat es auch eine Aussage? Vieles bleibt in der Schwebe, weil es der Autor dann doch nicht aufklären konnte, vor allem aber, weil er immer wieder vor scheinbar unauflösbaren Dilemmas steht: Ein demokratischer Staat muss sich gegen Angriffe wehren und deshalb seine Geheimdienste auch digital aufrüsten. Aber dürfen die deswegen ohne Verdacht unschuldige Bürger bespitzeln? Sollen sie mit Sicherheitslücken handeln, die man bewusst nicht schließt, um einem Akteur eine Hintertür zu öffnen? Wie soll man mit der für Geheimdienste selbstverständlichen Intransparenz umgehen? Darf man ein Unternehmen wie Huawei boykottieren, obwohl bisher niemand dessen Verwicklung in staatliche Spionage beweisen kann (oder will)? Wie soll man mit wahrscheinlich kriminellen Unternehmern umgehen, die aus dem sicheren Ausland Spionen ebenso ihre Server anbieten wie Pornofilmern und Produktpiraten? Müsste es eine staatliche Stelle geben, die als Kontroll-, Beschwerde- oder Schiedsinstanz fürs Internet agiert? Welche Verantwortung haben soziale Netze? Vielleicht ist es schon verdienstvoll, diese Fragen überhaupt zu stellen; Antworten darauf gibt die Lektüre jedenfalls kaum.

So kommt vor allem der Leser auf seine Kosten, der den Gefahren des Internet einmal anhand konkreter, gut recherchierter Fälle nachgehen will. Dafür bietet das Buch eine umfangreiche und gute lesbare Beispielsammlung.

Infos

Huib Modderkolk

Der digitale Weltkrieg, den keiner bemerkt

320 Seiten, 22 Euro

Ecowin Verlag, 2020

ISBN: 978-3-7110-0262-4

Java lernen

Das Java-Buch von Hans-Peter Habelitz orientiert sich in seinem Aufbau an einem konventionellen Lehrbuch mit Merksätzen und Hinweisen, Übungsaufgaben an jedem Kapitelende, für die ein Anhang Musterlösungen parat hält, vielen Abbildungen und Listings sowie einer klaren Gliederung. Trotz der Plattformunabhängigkeit von Java beziehen sich die meisten Bemerkungen zur Installation des JDK und später der IDE Eclipse sowie zum Umgang mit dem Rechner allgemein explizit auf Windows; Linux kommt nicht vor.

Das Vorgehen beim eigentlichen Sprachenlernen fällt ebenso konventionell aus: Nach dem Start mit »HalloWelt.java« führt der Autor systematisch Datentypen und Variablen, Operatoren und Kontrollstrukturen ein. Damit lassen sich dann schon einfache Kommandozeilenprogramme entwickeln. Bevor es weitergeht, installiert der Leser nach Anleitung erst Eclipse und macht sich etwas mit der IDE vertraut. Im Anschluss geht es um ein zentrales Java-Feature: die Objektorientierung. Der nüchterne, sachliche und leicht verständliche Duktus des Buchs verzichtet auf vermeintlich hippe Jugendsprache-Elemente; die Beispiele sind nicht übermäßig originell, aber zweckmäßig.

Weiterführende Themen der Objektorientierung, wie Delegation, Vererbung, abstrakte Klassen oder Interfaces, reißen – einer Einführung entsprechend – kurze Abschnitte nur an. Weiter geht es dann mit elementaren Klassen, die Java mitbringt, etwa »String« oder Klassen für Datums- und Zeitwerte. Das folgende Kapitel wagt sich zu grafischen Oberflächen vor und führt in die umfangreiche Java-Swing-API ein. Weiter geht es mit der Fehlerbehandlung in Java und mit den Containerklassen für Arrays und Listen. Im Anschluss daran kommen die Dateiverwaltung in Java sowie das Lesen und Schreiben in Text- und Bilddateien an die Reihe. Die letzten beiden Kapitel behandeln Animationen (und gehen in diesem Zusammenhang auch auf Multithreading ein) sowie den Zugriff auf Tabellen und Datenbanken.

Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für Neueinsteiger in die Java-Programmierung, das auch Leser ohne Vorkenntnisse sicher zu einem soliden Grundwissen über diese Programmiersprache führt und sich zum Selbststudium eignet.

Infos

Hans-Peter Habelitz

Programmieren lernen mit Java (6. Auflage)

520 Seiten, 20 Euro

Rheinwerk, 2020

ISBN: 978-3-8362-7374-9

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