Der in Entwicklung befindliche Kernel 5.6 bringt einen ganzen Packen neuer Features mit. Neben Wireguard zählen dazu USB-4-Code, das neue Zone-FS-Dateisystem, ein Systemaufruf, der Sandboxing erleichtert und eine Lösung für das Jahr-2038-Problem.
Laut Linus Torvalds Ankündigung fallen die im Merge-Window eingesammelten Code-Lieferungen eher kleiner aus als gewöhnlich, aber die Quantität sagt wenig über die Qualität aus. Tatsächlich landen eine Menge interessanter neuer Features im Linux-Kernel 5.6. Allen voran Wireguard, über das das Linux-Magazin bereits ausführlich berichtet hat. Doch es gibt auch andere Highlights.

Das Jahr-2038-Problem betrifft unter Unix “time_t”, das als Typ eine vorzeichenbehaftete 32-Bit-Ganzzahl verwendet (Quelle: Public Domain, Monaneko).
So löst der Kernel für 32-Bit-Systeme das Jahr-2038-Problem. Wie das animierte Bild schön zeigt, reicht der für das Datum gewählte 32-Bit-Datentyp nicht aus und würde das Datum im Jahr 2038 auf vielen Systemen auf 1901 umspringen. Die Typen “time_t/timeval/timespec” wurden daher aus dem Kernel entfernt, einige Treiber und verbliebene Dateisysteme gepatcht. Laut Entwickler Arnd Bergmann gibt es im neuen Kernel 5.6 keine Referenzen mehr auf “time_t”, so dass sich der Kernel unter ein paar Bedingungen prinzipiell für 32-Bit-Systeme einsetzen lässt, die länger als 2038 laufen sollen.
Neuer Syscall
Linus selbst hebt den Systemaufruf “openat2()” hervor, an dem die Kernelentwickler seit geraumer Zeit schrauben. Das Problem: Der Vorgänger “openat()” akzeptiert ungeprüfte Flags aus dem Userspace, was Sicherheits- und Stabilitätsprobleme nach sich zieht. “openat2()” bringt hingegen eine Path Resolution mit. Laut Torvalds ist es also möglich, nach Dateinamen zu suchen, ohne Symlinks und Mountpoints zu folgen. Entwickler können ihren Code anweisen, Pfade nur dann zu öffnen, wenn sich diese nicht außerhalb eines bestimmten Sandboxing-Bereiches befinden.
Zone-FS
Von Western Digital kommt ein neues Dateisystem namens Zone-FS, das sich für spezielle Gerät, so genannte Zoned Storage Devices (ZSD), eignet. Dank dieser Technologie möchte Western Digital künftig in großen Infrastrukturen, die heute bereits viele HDDs und SSDs einsetzen noch mehr Daten effizient speichern. Dafür hat das Unternehmen sogar eine eigene Zoned Storage Initiative gegründet. Linus Torvalds hat den Code für ZSD für Kernel 5.6 akzeptiert.
Daneben gibt es auch ersten Code für USB4. Die Spezifikation orientiert sich am Thunderbolt-3-Protokoll, ist zudem rückwärtskompatibel zu Thunderbolt 3 und USB 3.x. Der im Kernel gelandete Code unterstützt unter anderem PCIe- und Display-Port-Tunneling, P2P-Networking und Host- sowie Device-seitige NVM-Firmware-Upgrades. Auch im Ökosystem zu USB4 gibt es einige Änderungen: Code von Intel hilft beim Initialisieren von USB4-Geräten und liefert Support für die Time Management Unit in USB4-Routern. Auch die Dokumentation wurde aktualisiert.
Das sind nur ein paar der vielen anliegenden Änderungen. Weitere Details liefert das Linux-Magazin beim Erscheinen der Version 5.6 in einigen Wochen. Der Vorab-Kernel lässt sich aber bereits jetzt testen, er wartet auf Kernel.org




