Aus Linux-Magazin 11/2019

Bücher über Umwälzungen im IT-Betrieb und in der Kommunikation

“Docker für Dummies” führt Leser ohne Vorkenntnisse in die Containertechnologie Docker ein, “Visual Storytelling im Business” diskutiert die Möglichkeiten des bildhaften Erzählens im Web und anderswo.

Docker sei die nächste große Revolution in der IT-Infrastruktur, behaupten die Autoren von “Docker für Dummies” einleitend, um so für die Auseinandersetzung mit dieser Containertechnologie zu motivieren. Für Docker allein ist das sicherlich zu viel des Lobes, denn zur Umwälzung im IT-Betrieb geraten die Container vor allem da, wo man sie in größeren Mengen als Flotte managen muss.

Das aber leistet Docker nicht selbst, sondern überlässt es anderen, allen voran Kubernetes und dessen Ablegern. Immerhin bleibt Docker ein wesentliches Element einer neuen IT-Infrastruktur, die auch neuartige Applikationen hervorbringt, und ist also in der Tat wichtig.

Einleitend erläutert das Buch einige Grundbegriffe, nicht immer hundertprozentig exakt. Was soll es beispielsweise bedeuten, dass das “Host-Netzwerk im Prinzip den Host selbst” darstelle? Auch fallen viele Erklärungen deutlich Windows-lastig aus. Es folgen drei Kapitel zur Docker-Installation unter verschiedenen Betriebssystemen. Auch hier gehen die Autoren wieder besonders ausführlich auf einen Umweg ein, der nur Windows-Nutzer interessiert, die Linux-Container ausführen wollen.

Woher bekommt man Container? Diese Frage beantwortet das Kapitel zu Docker Hub. Ein alternativer Weg, den die Autoren anschließend besprechen, führt über den Eigenbau eines Image. Dann geht es um das Steuern mehrerer Container mit Docker Compose, weitere Kapitel behandeln das Vernetzen von Containern und persistenten Storage für Container.

Mit fortgeschritteneren Themen geht es weiter: Wie funktioniert der Windows-Containerdienst? Wie baue ich eine Docker Registry auf? Wie lassen sich Images im Zuge eines Continuous-Delivery-Prozesses automatisch erstellen? Wie passen Container zu einer Microservice-Architektur oder zum Serverless Computing? Spätestens ab diesem Punkt lässt sich – wie auch in nachfolgenden Kapiteln etwa zu Docker Swarm oder Kubernetes – aber nur eine grobe Übersicht vermitteln, eine detaillierte Darstellung würde jeweils eigene Bücher erfordern.

Alles in allem legen die Autoren mit diesem Buch eine gut verständliche Einführung in Docker vor, die auch weiterführende Themen zumindest anreißt und damit ein recht komplettes Bild zeichnet.

Ein Bild sagt mehr als Tausende Worte

Für Webseiten und Präsentationen ist das grafische Erzählen – Visual Storytelling, verkürzt Visuals, wie das Buch das auf gut Denglisch nennt – sicher nützlich. Die Autorin empfiehlt ihr Werk aber darüber hinaus jedermann und für beinahe jeden Zweck, egal ob beruflich oder privat. In diesem Enthusiasmus, der das ganze Buch durchzieht, geht sie auch gerne mal einen Schritt zu weit – etwa wenn sie zu belegen versucht, dass alles auf Bilder zurückzuführen sei, und behauptet: “Mathematik ist ebenfalls eine Sprache, die etwas abbildet.”

Dabei lassen sich besonders in der Mathematik Dinge ausdrücken, die eben gerade kein Abbild der erfahrbaren Wirklichkeit sind, zum Beispiel n-dimensionale Räume oder Zahlen, die so groß sind, dass sie nicht mehr aufgeschrieben werden können – nicht einmal in Exponentialschreibweise oder als Turm von Potenzen.

An eine kurze Einführung in die Grundlagen der Wahrnehmung und des Geschichtenerzählens schließt sich ein Kapitel über die Macht der Bilder an. Zwar greift das Buch auf zahlreiche, zumeist populärwissenschaftliche Quellen zurück, kommt aber auch zu Schlussfolgerungen, die nicht belegt scheinen. So glaubt die Autorin etwa, “starke Visuals” zeichneten sich dadurch aus, dass sie Emotionen auslösen, Menschen und Interaktionen zeigen, Geschichten erzählen sowie realitätsnah sind. Diese Aufzählung wirkt schon deswegen ein wenig willkürlich, weil sich die Kriterien stark überschneiden und wichtige Aspekte auslassen, etwa die Komplexität der Darstellung.

Bildhafte Kommunikation ist wichtig und wirksam – diese Erkenntnis durchzieht das Buch wie ein Mantra, und sie ist gewiss nicht falsch. Allerdings verabsolutiert die Autorin sie im Buch stellenweise derart, dass es schon komisch wirkt. So stellen sich angeblich “viele Vertreter der jungen Generation die Frage, warum Menschen überhaupt noch lesen sollten”? Vielleicht deshalb, weil ihnen das vorliegende Werk mit über 450 Textseiten sonst verschlossen bliebe?

Info 1

Frank Geisler, Benjamin Kettner: Docker für Dummies

Wiley Verlag, 2019

420 Seiten

30 Euro

ISBN 978-3-527-71607-4

Info 2

Pia Kleine Wieskamp: Visual Storytelling im Business

Hanser, 2019

490 Seiten

41 Euro

ISBN 978-3-446-45437-8

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