Aus Linux-Magazin 10/2019

Herausforderungen für Open-Source-Geschäftsmodelle: Eine Antwort der FSFE

© Denis Ismagilov, 123RF

Freie Software gibt es seit über 30 Jahren. In dieser Zeit haben sich viele Geschäftsmodelle rund um freie Software herausgebildet und immer wieder verändert. Doch die vielleicht größte Herausforderung steht gerade jetzt an. Neben der Wissenschaft bezieht auch die FSFE dazu Stellung.

Geschäftsmodelle für freie Software ermöglichen es, direkt mit freier Software oder zugehörigen Dienstleistungen nachhaltig ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Bereits seit vielen Jahren gibt es allerdings auch Geschäftsmodelle, die es sich einfach machen, indem sie nicht mit freier Software den Umsatz generieren, sondern mit proprietärer Software, die lediglich einen freien Kern hat. Gemeint ist das so genannte Open-Core-Geschäftsmodell, das immer eine Tendenz dazu hat, den Anteil freier Software möglichst klein zu halten und den proprietären Anteil auszubauen.

Firmen, die auf ein derartiges Modell setzen, unterscheiden meist zwischen Heimanwendern und Unternehmen. Dabei versuchen sie den freien Kern groß genug zu halten, um den Heimanwender glücklich zu machen, aber klein genug, damit die Unternehmen die proprietäre Version kaufen müssen. Die Rechte, die einem freie Software einräumt – das Verwenden, Verstehen, Verbreiten und Verbessern –, sollten aber allen zugutekommen, auch den Unternehmen.

Für einen langfristigen und nachhaltigen Erfolg freier Software ist es unerlässlich, Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, die wirklich mit freier Software ihren Umsatz erwirtschaften und nicht proprietäre Software unter dem Deckmantel freier Software sind (Abbildung 1). Nur so tragen sie am Ende zum Wachstum des gesamten Ökosystems bei.

Abbildung 1: Zum Verständnis ist zwischen Geschäfts-, Lizenz- und Entwicklungsmodell zu unterscheiden. Diese Modelle verhalten sich zueinander wie die Achsen eines dreidimensionalen Koordinatensystems.

Abbildung 1: Zum Verständnis ist zwischen Geschäfts-, Lizenz- und Entwicklungsmodell zu unterscheiden. Diese Modelle verhalten sich zueinander wie die Achsen eines dreidimensionalen Koordinatensystems.

Im Jahr 2015 setzten 97 Prozent aller Unternehmen an der einen oder anderen Stelle freie Software ein [1]. Mit der zunehmenden Verbreitung freier Software, gerade auch im kommerziellen Umfeld, entstand ein stetig wachsender Markt. Die Firmen wollen allerdings beim Einsatz von Software auch sichergehen, dass diese langfristig gepflegt wird, die Software gängigen Qualitäts- und Sicherheitsansprüchen genügt und dass es jemanden gibt, der ihnen das garantiert und der im Ernstfall auch die Verantwortung übernimmt.

Auch spezielle Anpassungen, Schulung und Beratung sowie zugesicherte Antwortzeiten im Supportfall sind Aufgaben, die ein ausschließlich von der Gemeinschaft getriebenes Softwareprojekt nur schwer bewältigen kann. Das heißt: Sobald freie Software in unternehmenskritischen Bereichen eingesetzt wird, steigt die Nachfrage nach Firmen, die diese Garantien und Dienstleistungen anbieten.

Schutz durch Lizenzen

Damit sich Unternehmen an der Entwicklung freier Software beteiligen oder Eigenentwicklungen unter einer Lizenz für freie Software veröffentlichen, ist es wichtig, dass faire Wettbewerbsbedingungen herrschen. So muss zum Beispiel sichergestellt sein, dass niemand einen Vorteil aus der Arbeit eines Mitbewerbers ziehen kann, ohne dass dieser selbst auch profitiert. Traditionell wurde das mit Copyleft-Lizenzen erreicht, die wohl bekannteste ist die GNU GPL.

Copyleft bedeutet, dass der Lizenznehmer das Recht bekommt, die Software zu verwenden, zu untersuchen, anzupassen und weiterzugeben. Wenn er die Software weitergibt, muss der Empfänger aber wieder dieselben Rechte haben. Experten sprechen auch von schützenden Lizenzen, da sie die einmal gewährten Freiheiten dauerhaft erhalten. Ein Konkurrent kann also nicht die Arbeit eines anderen nehmen, anpassen und dann als proprietäres Produkt vertreiben.

Steht eine Software dagegen nicht unter einer schützenden Lizenz und es bildet sich ein kommerzielles Ökosystem, dann wird in den meisten Fällen ein zusätzliches Vertragswerk eingeführt, oft in Form einer Foundation oder eines Vereins wie im Fall der Open Stack Foundation, das parallel zu den Lizenzen Regeln für die Zusammenarbeit einführt, um einheitliche Wettbewerbsbedingungen herzustellen und zu sichern.

Die erste Phase der Kommerzialisierung

Die Kommerzialisierung von freier Software lässt sich in drei Phasen beschreiben. Obwohl in der Anfangsphase das Geldverdienen nicht im Vordergrund stand, ist es rückblickend interessant zu sehen, dass bereits von Anfang an Geld mit freier Software verdient wurde.

Als Richard Stallmans Idee der freien Software konkrete Formen annahm, verließ er das Massachusetts Institute of Technology in Boston, wo er zu der Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt war. Er wollte damit verhindern, dass die Universität Besitzansprüche an seiner Software geltend macht, was die Veröffentlichung als freie Software hätte verhindern können. Stallman stand also vor dem Problem, seinen Lebensunterhalt finanzieren zu müssen. Da es Internetzugänge zu dieser Zeit nur an den Universitäten gab und diese auch nicht besonders schnell waren, verkaufte er Bänder mit Emacs und später mit weiteren GNU-Werkzeugen.

In dieser ersten Phase verdienten einzelne Personen oder kleine Unternehmen ihr Geld damit, freie Software auf physischen Datenträgern zur Verfügung zu stellen. Eines der ersten Unternehmen in diesem Bereich war Cygnus Solutions. Cygnus portierte die GNU-Tools auf Windows und stellte für das damals noch junge Betriebssystem eine komplette GNU-Umgebung zur Verfügung.

Dieses Modell wurde von den GNU/Linux-Distributionen in den folgenden Jahren perfektioniert. In deren Hochphase wurden in so gut wie jedem Computer- und Buchladen Red Hat, Suse und andere Distribution verkauft. Anfangs auf Disketten, später auf CDs, oft zusammen mit ausführlichen Handbüchern.

Mit der immer größeren Verbreitung schneller Internetverbindungen geriet auch dieses Geschäftsmodell in den Hintergrund. Die Anwender konnten sich ihre bevorzugte Distribution in wenigen Minuten selbst herunterladen. Handbücher wurden unwichtiger, da man alle Informationen im Internet finden konnte, und war mal etwas nicht zu finden, dann erhielt man in einem der vielen Foren, in Mailinglisten oder Chats schnell Hilfe. 2003 hatte sich dieser Wandel endgültig vollzogen. In diesem Jahr entschied Red Hat, dass mit einem Desktop-Betriebssystem nur noch schwer Geld zu verdienen sei, und überführte die Desktopvariante in Fedora.

Die zweite Phase: Support

Damit war die zweite Phase der Kommerzialisierung freier Software eingeläutet. Da es nicht mehr möglich war, mit dem Vertrieb von freier Software auf physischen Datenträger Geld zu verdienen, konzentrierten sich die meisten erfolgreichen Firmen auf den Servermarkt.

Sobald eine kritische Infrastruktur betrieben wird, sprich Dienste, deren Ausfall zu hohen Verlusten führen kann, wollen sich große Unternehmen und Organisationen nicht darauf verlassen, dass ihnen jemand in einem Internetforum den richtigen Tipp gibt. Stattdessen erwarten sie ein Unternehmen im Hintergrund, das ihnen entsprechende Unterstützung anbietet, die Langzeitpflege der Software übernimmt und entsprechende Qualitäts- und Sicherheitsstandards garantieren kann (Abbildung 2).

Abbildung 2: Support war lange Zeit ein gewinnträchtiges Angebot von Softwareherstellern.

Abbildung 2: Support war lange Zeit ein gewinnträchtiges Angebot von Softwareherstellern. © Wavebreak Media Ltd, 123RF

Die Firmen rund um freie Software wandten sich also von den kleineren Kunden und Heimanwendern ab und konzentrierten sich auf die großen Konzerne mit ihren großen Serverfarmen. Mit den anwachsenden Anforderungen in Unternehmen ist hier der Markt immer weiter gewachsen. Im Jahr 2012 wurde Red Hat auf diesem Weg das erste Freie-Software-Unternehmen mit mehr als einer Milliarde US-Dollar Umsatz. Seit ein paar Jahren gibt es aber je nach Branche eine Verlangsamung oder sogar Umkehr dieser Entwicklung.

Die dritte Phase: Clouds

Dies führt zur dritten Phase. Bis vor wenigen Jahren wuchs die Anzahl der Server in Unternehmen mit der Anzahl der zur Verfügung gestellten Dienste. Mittlerweile zeigt sich hier eine Trendwende: Während die Anzahl der Dienste weiterhin steigt, werden die zunehmend nicht mehr auf eigenen Servern, sondern in der Cloud betrieben, indem sich die Firmen virtuelle Hardware bei einem Cloudanbieter mieten.

Ignoriert man die Frage des Datenschutzes, dann hat das erst mal viele Vorteile für die Unternehmen. Man spart sich teure Hardware, deren Wartung und die Kosten für die gesamte Infrastruktur wie Serverräume, Kühlung und so weiter. Auch muss sich der Kunde über die Dimensionierung der Server weniger Gedanken machen, da die virtuellen Server unbegrenzte Rechenleistung und unbegrenzten Speicherplatz versprechen.

Wenn der Speicher zu klein wird oder die Performance nicht mehr den Anforderungen entspricht, kann man mit wenigen Klicks neuen Speicher oder CPUs hinzufügen. Das ist oft einfacher und kostengünstiger als die Erweiterung von selbst betriebenen Servern. Aber was bedeutet das für die vielen Unternehmen, die bisher darauf gesetzt haben, dass ihre Software von Firmen direkt auf eigener Hardware eingesetzt wird und denen sie auf diese Weise Support, Anpassungen und Schulung verkaufen konnten?

Die großen Cloudanbieter haben das Budget und das entsprechende Personal, um die Server mit dem gesamten Software-Stack ohne zusätzlichen Support aus eigener Kraft zu betreiben. Sie kaufen weder Support von großen Linux-Distributionen noch von einer der vielen Firmen, die hinter den anderen Komponenten stehen. Auch die Freie-Software-Lizenz stört sie in der Regel nicht, selbst wenn es die GNU AGPLv3 ist, eine der am stärksten schützenden Lizenzen.

Der Grund dafür ist einfach: Sie verdienen ihr Geld mit der Bereitstellung schlüsselfertiger Server, auf denen sich mit wenigen Klicks benötigte Komponenten installieren lassen. Die Anforderungen der Lizenzen sind in einem solchen Umfeld leicht zu erfüllen, ohne Einbußen beim Umsatz in Kauf nehmen zu müssen, da der Wert nicht in der eingesetzten Software liegt, sondern im Gesamtpaket der virtuellen Umgebung (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Cloud macht bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle überflüssig und verlangt die Entwicklung neuer Modelle für freie Software.

Abbildung 3: Die Cloud macht bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle überflüssig und verlangt die Entwicklung neuer Modelle für freie Software.

Suche nach Auswegen

Dies stellt bisher gut laufende Geschäftsmodelle von Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die ersten Reaktionen ähnelten sich. Redis entschied sich, die so genannte Commons Clause [2] für zentrale Komponenten einzuführen. Die verbietet es, die Software zu verkaufen, sie als kostenpflichtigen Dienst anzubieten und jegliche Art von Beratungs- und Support-Dienstleistungen. Cloudanbietern wurde damit faktisch der Einsatz der Software verboten, sie müssten vorher mit dem Anbieter verhandeln.

Dieser Schritt wurde in der Freie-Software-Gemeinschaft hart kritisiert. Effektiv bedeutet der Wechsel, dass Redis nicht mehr freie Software ist, da die Lizenz den Einsatz der Software einschränkt. Ein weiteres Problem der Commons Clause ist, dass sie nicht nur die großen Cloudanbieter trifft, sondern auch die vielen kleinen Unternehmen, die bisher Dienstleistungen rund um freie Software angeboten haben. Dadurch wird das gesamte Ökosystem um das entsprechende Softwareprojekt geschädigt.

Mongo DB vollzog einen ähnlichen Schritt. Sie entschieden sich für die Server Side Public License (SSPL, [3]). Diese Lizenz schließt den kommerziellen Einsatz oder Vertrieb zwar nicht aus, stattdessen wird hier versucht, den Copyleft-Effekt so sehr auszudehnen, dass die Cloudanbieter darauf angewiesen sind, eine gesonderte Lizenz von den Anbietern der Software zu erwerben.

Die Lizenz basiert auf der GNU AGPLv3, wurde aber so abgeändert, dass derjenige den Quellcode seines gesamten Dienstes offenlegen muss, der Software unter der SSPL als Dienst anbietet. Das beinhaltet die Software zur Verwaltung des Dienstes, verwendete Backuplösungen, Werkzeuge, die zur Automatisierung oder für das Monitoring eingesetzt werden, die Speicherlösung und das darunter liegende Betriebssystem.

Nach der Einschätzung führender Köpfe der Freien-Software-Bewegung ist diese Anpassung weder mit der Open-Source-Definition noch mit der Definition freier Software vereinbar. Darüber hinaus gibt es erhebliche Zweifel, ob solche weitreichenden Ansprüche überhaupt rechtlich durchsetzbar sind.

Ein weiterer Ansatz ist die Confluent-Community-Lizenz [4], sie verbietet grundsätzlich den Einsatz der Software als Dienst. Auch dies schränkt das Recht ein, die Software für jeden Zweck zu verwenden, womit Software unter dieser Lizenz eindeutig proprietär ist.

Eine Alternative

Dagegen verfolgt die Business-Source-Lizenz (BSL, [5]) einen Ansatz, der sich deutlich von den bisher genannten abhebt. Die erste Version der BSL wurde von Maria DB eingeführt und später mit der Unterstützung von Bruce Perens überarbeitet [6]. Das Besondere an der Lizenz ist, dass Software unter dieser Lizenz anfangs proprietär ist, mit einer gewissen Verzögerung aber automatisch freie Software wird.

Bereits am Anfang erlaubt es die Lizenz, die Software zu kopieren, abzuändern und veränderte Versionen zu veröffentlichen. Der Inhaber des Urheberrechts kann aber zusätzliche Einschränkungen formulieren. Im Fall von Maria DB beziehen sich diese Einschränkungen auf Max Scale, einen Proxy, der Anfragen auf mehrere Datenbankserver verteilt. Solange die Einschränkungen wirksam sind, dürfen maximal drei Datenbankserver zum Einsatz kommen, auf die Max Scale die Anfragen verteilt. Die Einschränkungen dürfen nicht länger als vier Jahre gelten, danach fällt die ganze Software unter eine zur GNU GPL kompatible Lizenz. Unter diesen Rahmenbedingungen kann jeder Urheber die Einschränkungen und ihre Gültigkeit sowie die Ziel-Lizenz frei wählen. Es gibt also streng genommen nicht die eine BSL, weil sie für jedes Projekt etwas anders gestaltet ist.

Die Idee ist, dass man am Anfang den Entwicklern ein Zeitfenster einräumt, in dem sie als alleinige Anbieter die Entwicklungskosten einspielen können, bevor die Software frei wird. Bei allen anderen Ansätzen ist die Software dauerhaft proprietär, hier ist aber sichergestellt, dass die Software am Ende frei ist. Vor Kurzem hat Cockroach DB angekündigt, ebenfalls auf diese Lizenz zu wechseln.

Ob diese Lizenz die erhoffte Wirkung entfaltet, bleibt abzuwarten. Wie man mit AWS Open Distro for Elasticsearch sieht, schrecken große Cloudanbieter nicht davor zurück, freie Software kurzerhand zu forken und selber weiterzuentwickeln, wenn ihnen die Lizenz nicht passt.

Cloudanbieter schaden sich

Den Firmen, die hier mit sehr kreativen Lizenzlösungen experimentieren, ist zugutezuhalten, dass die Gefahr für sie, ihr Geschäftsmodell und ihre Angestellten real ist. Wenn das Verhalten der großen Cloudanbieter dazu führt, dass viele dieser Unternehmen mittelfristig verschwinden, dann wäre das ein Verlust für das Ökosystem freier Software, und es ist zu bezweifeln, dass die Cloudanbieter dies für sich selber abfedern können.

Die Gefahr ist groß, dass sie sich damit auf lange Sicht selber schaden. Es mag möglich sein, die Entwicklung für ein Projekt zu übernehmen, doch einen Großteil der Entwicklung des kompletten Software-Stacks, der bei diesen Diensten zum Einsatz kommt, zu schultern, ist eine andere Aufgabe. Die Entwicklung wird auch nicht bei den Datenbankanbietern haltmachen.

Die Nächsten, die es treffen könnte, wären die GNU/Linux-Distributionen, die ebenfalls davon abhängig sind, dass genug Unternehmen ihre Software auf eigenen Servern betreiben und dafür Dienstleistungen kaufen. Schon heute schließt keiner der großen Cloudanbieter einen Supportvertrag mit Red Hat, Suse oder Canonical. Wenn mehr Unternehmen ihre Server in die Cloud verlagern, könnten die Distributionen diesen Wandel bald zu spüren bekommen.

Ein anderes Szenario wäre, dass die Lizenzänderungen Wirkung zeigen. Die Unternehmen hinter der Software also mit den Cloudanbietern eine Vereinbarung schließen, die sie an den steigenden Einnahmen partizipieren lassen. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre das ein Erfolg. Aus Sicht freier Software eine Niederlage, da viel freie Software, die wir heute täglich einsetzen, nicht mehr frei verfügbar wäre. Auch würde ein Erfolg dieses Modells schnell andere Projekte mit starken Firmen im Hintergrund dazu ermutigen, ähnliche Schritte einzuleiten. Es blieben zwar die Unternehmen hinter der Software erhalten, zugleich ginge aber die freie Software verloren.

Fazit

Die aktuelle Situation schadet dem Ökosystem rund um freie Software, selbst die momentanen Nutznießer werden dies langfristig spüren. Daher sollte es im Interesse aller Beteiligten sein, eine Lösung zu finden, die es unter weiterem Wachstum dieser Clouddienste ermöglicht, dass die Firmen hinter der Software daran partizipieren können und sie ihre Software weiterhin unter freien Lizenzen entwickeln und vertreiben können. Die technische Entwicklung lässt sich nicht aufhalten oder zurückdrängen.

Gleichzeitig sollten die Anwender von der vermeintlich einfachen Lösung, proprietäre Lizenzen einzusetzen, Abstand nehmen. Sollen Softwarehersteller weiter Menschen im selbst bestimmten Umgang mit Technik unterstützen, braucht es erfolgreiche Geschäftsmodelle, die keine Einschränkungen bei der Freiheit der Software benötigen.

Der Autor

Björn Schießle hat an der Universität Stuttgart Informatik studiert und im Bereich der verteilten künstlichen Intelligenz und der Robotik geforscht. Bereits früh erkannte er die gesellschaftliche und politische Dimension von Software. Daraufhin engagierte er sich ehrenamtlich bei der Free Software Foundation Europe (FSFE), ein gemeinnütziger Verein, der Menschen im selbst bestimmten Umgang mit Technik unterstützt. Seit 2017 ist er als Deutschland-Koordinator der FSFE tätig. Auch hauptberuflich arbeitet er in einem Unternehmen, das ausschließlich freie Software entwickelt, und ist so mit den im Artikel beschriebenen Herausforderungen täglich konfrontiert.

Matthias Kirschner ist Präsident der FSFE. 1999 begann er GNU/Linux zu nutzen und realisierte, dass Software tief in allen Bereichen unseres Lebens verwurzelt ist. Er ist davon überzeugt, dass diese Technik unsere Gesellschaft nicht einschränken, sondern sie befähigen muss. Seit 2004 unterstützt er Organisationen, Unternehmen und die öffentliche Verwaltung dabei, von freier Software zu profitieren, und er erklärt, wie die grundlegenden Rechte von freier Software – das Recht sie zu verwenden, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern – die Meinungsfreiheit, Pressefreiheit oder Privatsphäre fördern.

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