Aus Linux-Magazin 10/2019

Das Linux-Magazin und seine Konkurrenten

© lim_atos, 123RF

Linux- und Open-Source-Titel bilden im Zeitschriften-Markt nur ein kleines Segment, und das Linux-Magazin ist hier die weltweit dienstältestes Heft. Das war aber nicht immer so.

Es war der ewige Stachel im Fleisch der Redaktion: Nicht das in München gemachte Linux-Magazin, sondern das amerikanische Linux Journal (Abbildung 1) war jahrzehntelang das weltweit älteste monatliche Linux-Heft. Denn das erste Journal erschien im März 1994, das erste Magazin aus München trug dagegen den Erscheinungsmonat 10/1994. Deutschland hatte den Sieg also knapp verpasst!

Abbildung 1: Linux Journal.

Abbildung 1: Linux Journal.

Der Kanadier Bob Young, Mitarbeiter am Red-Hat-Projekt und früherer Boss seines Unternehmens ACC, und Phil Hughes waren mit ihrer Erstausgabe schneller, zudem konnten sie mit einem Interview mit dem medienscheuen Linus Torvalds aufwarten. In den 1990ern war das Journal auch oft dicker als das Linux-Magazin, und da ein Abo selbst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nicht sonderlich teuer war, machten die Amerikaner dem Linux-Magazin selbst auf dem heimischen Markt das Leben nicht leicht. Der damalige Chefredakteur Tom Schwaller und sein Team hielten aber dagegen.

Ab den 2000ern wendete sich das Blatt dann gegen die Amerikaner. So platzierte die neu gegründete Linux New Media AG, der damalige Verlag des Linux-Magazins, mit Hilfe ihrer britischen Redaktion in den USA einen Konkurrenten: Das Linux Magazine International. Die ins Englische übersetzen Inhalte stammten oft aus dem deutschen Linux-Magazin sowie dem auch 2000 gegründeten Linux User.

Das zweite Problem des Linux Journal ist typisch für den amerikanischen Markt: Weil der Vertrieb über Kioske und Supermarktregale nicht wie in Deutschland monopolisiert ist, ist er für Verlage ungemein aufwändig zu managen. Das erklärt, warum man in den USA so schwer gut sortierte Presse-Verkaufsstellen findet und die Preise für Abos so billig sind. Die paar eingenommenen Dollar decken meist nur die Versandkosten; für den Druck und die Redaktion braucht man viel Werbung. Wenn das Anzeigengeschäft aber in Konjunkturdellen wie nach 9/11 oder bei Börsencrashs wegbricht, steht jedes so durchkalkulierte Blatt am Rande seiner Existenz – so auch das Linux Journal mehrfach.

Bei der vorletzen Krise sprang fünf nach zwölf ein Hostingunternehmen als Sponsor ein. Seither erschienen die Ausgaben ausschließlich online. Seit Anfang August 2019 ist auch damit Schluss – “Time to say Goodbye” mussten die letzten Macher des Blattes verkünden (Abbildung 2). Das deutsche Linux-Magazin ist seit dem ersten Journal-Shutdown bereits die älteste gedruckte Linux-Zeitschrift weltweit und jetzt auch in Sachen Online-Erscheinung.

Abbildung 2: Nach langen Jahren sagt das Linux Journal Tschüss.

Abbildung 2: Nach langen Jahren sagt das Linux Journal Tschüss.

Abgesehen von dem mühsam errungenen prestigeträchtigen Titel sorgten im deutschsprachigen Raum in den 2000er Jahren auch lokale Konkurrenten dafür, dass es dem hiesigen Marktführer nicht zu wohl wurde Abbildung 3). So brachten die etablierten PC-Zeitschriften immer häufiger Sonderhefte zum Thema Linux heraus. Schon in den 1990ern hatte “Chip” (Abbildung 4) damit angefangen – der Autor dieses Artikel hatte hieran einen gewissen Anteil. Aber auch PC-Welt, C’t, PC Intern, PC Magazin und andere merkten, dass das Thema bei den Lesern zog und ließen Heft für Heft am Kiosk auslegen.

Abbildung 3: Unix Open.

Abbildung 3: Unix Open.

Abbildung 4: Chip.

Abbildung 4: Chip.

Eine bemerkenswerte Sonderrolle nahm ein Import aus Polen ein: Die vierteljährlich in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift Aurox war eine Übersetzung des gleichnamigen polnischen Hefts und punktete durch seine Vielzahl mitgelieferter CDs – oft fünf Stück.

Verfolger aus Deutschland

Auch aus Deutschland kamen echte Linux-Zeitschriften auf den Markt, die von sehr ambitionierten Redaktionen gestaltet wurden (Abbildung 5). Zuerst ist da sicher Linux Computing zu nennen, die mit Geld aus dem Umfeld des Heise-Verlages und frischen Ideen versuchten, einen eigenen Endkunden-Markt aufzurollen. Richtig funktioniert hat das nicht, und der Finanzier im Hintergrund zogen seine Hand zurück, was die sofortige Projekt-Einstellung des Teams um Chefredakteur Michael Knoblauch zur Folge hatte. Mehr Durchhaltevermögen bewies Linux Enterprise (Abbildung 6) vom Software&Support Verlag. Die Zeitschrift fand über lange Jahre genug Leser, um mitspielen zu können.

Abbildung 5: Linux Computing.

Abbildung 5: Linux Computing.

Abbildung 6: Linux Enterprise.

Abbildung 6: Linux Enterprise.

Die Linux-Magazin-Redaktion hat das Treiben der Konkurrenten zu einigermaßen aufmerksam, aber nie ängstlich beäugt. Denn in München waren sich alle einig, dass das Linux-Magazin und seine Schwesterpublikationen Linux User und Easy Linux mit zwei Pfründen wuchern konnten: Die größte Autorendatenbank mit den kompetentesten Autoren zu besitzen und Redaktionen, die sich genau auf dieses Thema spezialisiert hatten. Letztlich ging die Rechnung auf: Viele der Mittbewerber sind wieder verschwunden, weil Leser und Anzeigenkunden nicht bei der Stange blieben.

Nie um einen Verlag verlegen

Aber auch im Umfeld des Linux-Magazins blieb nicht alles gleich: Die Linux New Media AG benannte sich 2012 in Medialinx AG um. Der neue “Linux”-freie Name sollte neue Aktivitäten jenseits des Freie-Software-Marktes besser ermöglichen. Das Expansionskonzept erwies sich nicht als erfolgreich, und Medialinx verkaufte seine Linux-Zeitschriften 2014 an den jetzigen Eigentümer Computec Media aus Franken.

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