Aus Linux-Magazin 09/2019

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Ntpviz

Abbildung 1: Jitter-Statistik von vier abgefragten NTP-Servern über zwölf Stunden.

Mit dem Network Time Protocol können Admins wie Magazin-Kolumnist Charly Kühnast ihre Rechner zeitlich einnorden. Allerdings gelingt das systembedingt nur mäßig gut, sodass nun die Zeit allmählich überreif ist für das heute vorgestellte Statistiktool Ntpviz.

Kürzlich durchstöberte ich das NTPsec-Repository [1]. Das ist ein heftig überarbeiteter Fork des bekannten Network-Time-Protocol-Daemon Ntpd. Der Neuling will alte Zöpfen abschneiden und sich endlich gegen Man-in-the-Middle-Angriffe wappnen. Um NTPsec geht es heute aber nicht direkt, sondern ich möchte von einem kleinen Tool berichten, das mir bei der Stöberei unterkam: Ntpviz. Unter anderem visualisiert das Programm, wie in welchem Maß die vom NTP-Server abgefragte Zeit von der lokalen Zeit abweicht (Offset) und wie stark sie schwankt (Jitter).

Um loszulegen, klone ich das Github-Repository und starte die Installation:

cd /usr/local
git clone --depth 1 https://gitlab.com/NTPsec/ntpsec.git
cd ntpsec
./buildprep
./waf configure --refclock=all && ./waf build && ./waf install

Dann lege ich das Verzeichnis an, in dem die Statistikdaten landen:

mkdir /var/log/ntpstats

Was noch fehlt, ist die »/etc/ntp.conf« aus Listing 1. Nun kann ich den NTP-Daemon starten. Mit dem Parameter »-N« läuft er mit erhöhter Priorität – das verbessert die Genauigkeit:

ntpd -c /etc/ntp.conf -N

Jetzt habe ich einen Tag Pause – Ntpd muss genug Statistikdaten sammeln. Ein

ntpviz @day/optionfile

sollte eigentlich die Visualisierung starten, fliegt mir im ersten Anlauf allerdings um die Ohren. Es stellt sich heraus, dass Gnuplot installiert sein muss – ein Umstand, der bei der Prüfung der Abhängigkeiten wohl durchgerutscht ist. Nach der Installation von Gnuplot läuft alles wie geschmiert: Im Unterverzeichnis »www/day« findet sich eine HTML-Datei mit diversen Graphen (Abbildung 1).

Listing 1

/etc/ntp.conf

01 server 0.de.pool.ntp.org
02 server 1.de.pool.ntp.org
03 server 2.de.pool.ntp.org
04 server 3.de.pool.ntp.org
05
06 restrict -4 default notrap nomodify nopeer noquery
07 restrict -6 default notrap nomodify nopeer noquery
08
09 restrict 127.0.0.1
10 restrict ::1
11
12 driftfile /var/lib/ntp/drift/ntp.drift  # path for drift file
13
14 logfile   /var/log/ntp.log              # alternate log file
15
16 statsdir /var/log/ntpstats              # directory for statistics files
17 filegen peerstats  file peerstats  type day enable
18 filegen loopstats  file loopstats  type day enable
19 filegen clockstats file clockstats type day enable
20
21 keys /etc/ntp.keys      # path for keys file
22 trustedkey 1            # define trusted keys
23 requestkey 1            # key (7) for accessing server variables
24 controlkey 1            # key (6) for accessing server variables

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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