Aus Linux-Magazin 07/2019

Werkzeuge im Kurztest

Im Kurztest: Ddgr 1.6, Mtag 2.2.4 , Uritool 1.0.0, Guider 3.9.5, LF r12, Termshark 1.0.0

Ddgr 1.6

Duckduckgo auf der Kommandozeile

Quelle: https://github.com/jarun/ddgr

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Surfraw, Googler

Für eine schnelle Onlinesuche müssen Shellarbeiter die Kommandozeile nicht verlassen. Zum beliebten Tool Googler gesellt sich das Python-Programm Ddgr, das die Suchmaschine Duckduckgo befragt. Fertige Pakete für viele Distributionen stehen unter Github bereit. Ddgr benötigt Python 3.5 oder neuer.

Anwender geben den Suchbegriff beim Aufruf an und sehen die Ergebnisse formatiert im Terminal. Jeder Treffer erhält eine eindeutige Ziffer in Türkis, der Seitentitel ist grün hervorgehoben und die URL erscheint in roter Schrift. Der Schalter »–nocolor« deaktiviert die Farbe, und hinter »–colors« können Nutzer eigene Nuancen definieren. In der Voreinstellung listet Ddgr zehn Treffer. Über »-n« passen Anwender die Anzahl an.

Über die Eingabe der Indexnummer öffnen Nutzer einen Treffer im Standardbrowser, den die Umgebungsvariable »$BROWSER« festlegt. Eine Abkürzung bietet »-j« und öffnet immer den ersten Eintrag im Browser. Duckduckgo durchsucht auch Websites selbst, die Nutzer hinter »-w« schreiben, »-r« beschränkt die Suche auf eine geografische Region, »-p« verwendet einen Proxy, »-t« limitiert eine Zeitspanne.

  Ddgr arbeitet flott und eignet sich gut zum Einbinden in eigene Skripte. Die umfangreiche Dokumentation enthält anschauliche Beispiele.

Mtag 2.2.4

Metadaten von Audiofiles bearbeiten

Quelle: https://github.com/psemiletov/mtag

Lizenz: Public Domain

Alternativen: Id3tool, Beets

Anwender, die eine MP3-, Ogg-Vorbis- oder Flac-Sammlung pflegen und nach einer Möglichkeit suchen, die Metadaten der Audiodateien zu bearbeiten, sollten sich Mtag anschauen. Das Kommandozeilentool kann viele Dateien gleichzeitig bearbeiten, deren Tags und Comments auslesen und neu setzen.

Das C++-Programm arbeitet mit Hilfe von Regeldateien, die es auf die Dateien im aktuellen Verzeichnis anwendet. Auf diese Weise können viele Anpassungen in einem Durchgang erfolgen. Die Regeln sind UTF-8-kodierte Textdateien, die Nutzer im Editor ihrer Wahl erstellen. Die Syntax ist einfach: Das Tool kennt die sieben Tags »@artist«, »@title«, »@album«, »@genre«, »@comment«, »@year« und »@track«.

Beim Aufruf geben Anwender einen der Parameter »apply«, »extract«, »rename« oder »list« an. Dahinter steht der Name der Regeldatei, gefolgt von einem der drei Dateitypen »mp3«, »ogg« oder »flac«. Die Github-Seite des Projekts zeigt Anwendungsbeispiele zu allen Mtag-Funktionen und erklärt auch, wie das Anzeigen und Auslesen von Tags respektive das Umbenennen von Dateien anhand ihrer Metadaten gelingt.

  Mtag macht eine gute Figur, auch beim Bearbeiten großer Sammlungen. Einziger Kritikpunkt: Die Manpage könnte übersichtlicher sein.

Uritool 1.0.0

URIs auf der Shell auswerten

Quelle: https://github.com/adrianrudnik/uritool

Lizenz: MIT

Alternativen: keine

Wer aus kryptischen Adressen und Zeichenketten wie etwa »M%C3%BCnchen« Informationen herausfischen möchte, musste sich bislang mit regulären Ausdrücken plagen. Das in Go implementierte Uritool nimmt Anwendern einen Teil der Arbeit ab. Fertige Pakete für alle gängigen Betriebssysteme und Plattformen stehen auf Github bereit.

Die Steuerung erfolgt beim Aufruf; eine Konfigurationsdatei hat das Tool nicht. Ohne Parameter gestartet liefert es eine rudimentäre Onlinehilfe mit einer Liste aller Unterbefehle. Uritool kennt die Kommandos »parse«, »path« und »query«. Jedes besitzt weitere Optionen, die der Schalter »–help« einblendet.

Die Befehle »path« und »query« wandeln Steuerzeichen aus URIs in Zeichenketten um und vice versa. Das Kommando »parse« filtert bestimmte Informationen heraus und schreibt diese im Json-Format auf die Shell. Alternativ können Anwender hinter »–format« eigene Wünsche definieren. Das Tool versteht die Go-Templates-Sprache.

  Die Anwendungsbeispiele auf der Github-Seite sollen den Funktionsumfang illustrieren. Die Dokumentation könnte nach Wunsch der Tester ausführlicher sein, denn derzeit gilt oft “Probieren geht über studieren”.

Guider 3.9.5

Performance von Systemen untersuchen

Quelle: https://github.com/iipeace/guider

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Sysstat, Gnome System Monitor

Das Python-Tool Guider geht Anwendern beim Erfassen der Systemauslastung zur Hand und fertigt zudem umfangreiche Berichte an – als Textausgabe oder Graphen. Es setzt Python 2.7 oder neuer voraus. Guider greift unter anderem auf die Ftrace-Funktionen des Linux-Kernels zurück. Eine Übersicht über alle benötigten Kernelfunktionen listet die Github-Seite auf. Die meisten Module sind in den Standardkernen der Distributionen aktiviert.

Der Schalter »–help« gibt eine Übersicht aller Befehle aus. Guider unterteilt die Kommandos in die Bereiche »monitor«, »profile«, »visual«, »util«, »run« und »test«. In der Rubrik »monitor« kennt das Tool 15 verschiedene Befehle, die unterschiedliche Systemkomponenten beobachten, darunter Prozesse, Speicher- und Netzwerkauslastung sowie System- und Benutzer-Calls.

Abhängig von der Option gibt Guider seine Ergebnisse als Statusmeldung oder als Bericht im Terminal aus. Über weitere Schalter schreibt es sie in eine Datei oder wendet Filter an. Die Befehle »cputest« und »alloctest« setzen das System unter Last, was bei der Fehlersuche hilft. Um die grafische Aufbereitung kümmern sich diverse »draw«-Anweisungen.

Wer die Analyse mit einem anderen Programm weiterverarbeiten möchte, schreibt die Resultate mit »reptop« in eine Json-Datei. Die Website bietet zahlreiche Anwendungsbeispiele.

  Guider ist leistungsfähig und nimmt Systeme genau unter die Lupe. Die Beispiele auf der Projektseite sind inspirierend, aber aufgrund des großen Funktionsumfangs wäre eine ausführliche Dokumentation hilfreich.

LF r12

Einfacher Dateimanager für die Shell

Quelle: https://github.com/gokcehan/lf

Lizenz: MIT

Alternativen: Ranger, Cfiles, Vifm

An Dateimanagern herrscht unter Linux sicherlich kein Mangel, auch für Konsolenfans gibt es einige Möglichkeiten, komfortabel im Verzeichnisbaum zu navigieren, Dateien zu kopieren, umzubenennen, sie zu verschieben oder löschen. Mit dem in Go implementierten LF gesellt sich ein weiterer Vertreter für die Shell hinzu. Die Entwickler ließen sich vom Python-basierten Dateimanager Ranger inspirieren, bewerben ihr Projekt aber als ressourcenschonender. Anwender finden Pakete unter Github.

LF ist als Client-Server-Programm umgesetzt. Beim Start der ersten LF-Instanz nimmt die Serverkomponente ihren Dienst auf, alle weiteren LF-Instanzen verbinden sich als Clients mit dem Server. So können Anwender Daten zwischen den verschiedenen LF-“Fenstern” austauschen und etwa Dateien kopieren und woanders einfügen. Die Tastenkürzel ähneln denen von Vim. So startet »:« den Befehlsmodus, [Y]+ kopiert, [P] fügt ein. Eine vollständige Übersicht bietet das Handbuch.

Ohne Parameter aufgerufen öffnet LF eine dreigeteilte Ansicht: Die Mitte zeigt den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses an, links das übergeordnete Verzeichnis und rechts eine Vorschau. Benutzer navigieren mit den Pfeiltasten (oder über [H]+[J]+[K]+[L]). In einer Konfigurationsdatei (»~/.config/lf/lfrc«) können Anwender die Tastenbelegung anpassen. Die Dokumentation enthält eine Vorlage und gibt Tipps zum Kombinieren von LF mit Fish oder Vim.

  LF hält sein Versprechen und arbeitet äußerst flott. Fans des Texteditors Vim dürften sich über die bekannten Tastenkürzel freuen.

Termshark 1.0.0

Netzwerkverkehr analysieren

Quelle: https://termshark.io

Lizenz: MIT

Alternativen: Tshark, Wireshark

Den Datenverkehr im Netzwerk analysiert Wireshark – sofern eine grafische Oberfläche vorhanden ist. Auf Servern empfiehlt sich Termshark als Ncurses-basierte Alternative. Das in Go geschriebene Tool benötigt Tshark (Version 1.10.2 oder neuer), Tcell und Gowid.

Um eine Pcap-Datei auszuwerten, geben Nutzer diese hinter »-r« an, eine Netzwerkschnittstelle hinter »-i«. Die Fensteraufteilung hat das Tool von Wireshark übernommen, es unterstützt auch dessen Anzeigefilter. Im Feld »Filter« am oberen Rand tragen Nutzer Protokolle oder Adressen ein. Termshark blendet hilfsbereit eine Liste mit allen möglichen Filtern nach dem Eingeben der ersten Buchstaben ein. Nach dem Bestätigen über »Apply« passt das Tool seine Ausgabe entsprechend an.

Anwender navigieren mit [Tab]+ durch die einzelnen Bereiche. Das Pipe-Zeichen ändert das Fensterlayout und [Esc]+ aktiviert das Menü. Mit [+]+ und [-] passen Nutzer die Größe des aktuellen Bereichs an. Eine Übersicht über alle verfügbaren Tastenkürzel liefert »?«.

Genau wie Wireshark bietet Termshark die Möglichkeit, Daten live mitzuschneiden, wenn Admins die zu überwachende Schnittstelle und gegebenenfalls das gewünschte Protokoll angeben. Im Hintergrund setzt das Tool dazu auf Tshark, weshalb für diese Aufgabe Rootrechte erforderlich sind.

  Termshark ist ein praktischer Helfer für alle, die ohne grafische Oberfläche Pcap-Dateien auswerten oder Netzwerkverkehr mitschneiden wollen. Wer Wireshark kennt, findet sich schnell zurecht. Alle anderen lesen die gute Anleitung.

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