Während Microsoft seinen Ebook-Store schließt und die Kunden ihre Bücher verlieren, darf ein Entwickler Googles Widevine nicht in seinen Open-Source-Browser integrieren.
Auf der BBC-Webseite befasst sich ein Autor mit den Auswirkungen von DRM auf normale Nutzer. Hintergrund ist, dass Microsofts Ebook Store schließt. Das Unternehmen will offensichtlich schlechte Publicity vermeiden und erstattet den wohl nicht so zahlreichen Käufern ihre Kaufbeträge zurück. Offenbar versteht Microsoft, dass der Ruf des Unternehmens wichtiger ist als in einem Bereich auf sein Recht zu pochen.
Denn tatsächlich ist es so: Rein rechtlich wäre Microsoft nicht verpflichtet, das Geld zurück zu geben. Obwohl die Nutzer für die Ebooks gezahlt haben, gehören sie ihnen nicht. Sie zahlen nur für den Zugang zu den Büchern. Anders als in der dinglichen Welt verschwinden die Bücher dank Digital Rights Management (DRM) wieder, sobald ein elektronischer Buchladen das Zeitliche segnet.
DRM sorgt dafür, dass Nutzer ein Ebook nur dann lesen können, wenn ein entsprechender Server die nötige Lizenz dafür vorhält. Das merken die meisten Nutzer aber erst, wenn Server nicht erreichbar sind oder Ebook Stores schließen. Wie der BBC-Artikel darlegt, gilt das Modell nicht nur für den Ebook-Store von Microsoft, sondern auch für die von Amazon, Apple, Google, Kobo, Barnes and Noble. Und es gibt andere Probleme mit DRM.
Dass sich nun die BBC über die Probleme mit DRM echauffiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. 2013 hatte die British Broadcasting Corporation noch DRM in HTML 5, dem offenen Internetstandard für das Open Web, gefordert. Trotz Protesten haben inzwischen auch alle großen Browser DRM implementiert. Das fällt Entwicklern und Nutzern nun auch an anderer Stelle auf die Füße.
Google verweigert Widevine
Entwickler Samuel Maddock arbeitet an einem Open-Source-Browser auf Electron-Basis, der es erlaubt, Videos aus dem Web synchron bei verschiedenen Nutzern seines Browsers abzuspielen. Die Browser tauschen dabei untereinander keine Video- oder Audiostreams aus, sondern synchronisieren sich lediglich. Wer braucht sowas, könnte man sich nun fragen. Twitch zum Beispiel, lautet die Antwort von Cory Doctorow, einem der lautstärksten Kritiker von DRM. Auf Twitch sehen und kommentieren die Nutzer dasselbe Video. Metastream will dies nun dezentral umsetzen. Alle Browserinstanzen greifen synchron auf einen Videostream zu.
Nun wollte Maddock auch DRM-Support in den Browser integrieren. Ziel sei es, dass mehrere Nutzer parallel DRM-geschützte Videos auf Netflix oder Hulu anschauen können. Dafür benötigen alle beteiligten Nutzer einen bezahlten Zugang zu den DRM-Plattformen, da die Browser-Instanzen kein Video- oder Audiomaterial austauschen.
Laut Maddock ist Googles Widevine momentan die einzige Option, DRM in Chromium-basierte Browser einzubauen. Also beantragte Maddock einen Zugang. Nach stolzen vier Monaten Wartezeit schickte Google schließlich eine Ablehnung in Form eines einzigen Satzes: “I’m sorry but we’re not supporting open source solutions like this”.
Told you so
Das Vorgehen widerspreche laut Doctorow den Beteuerungen der Pro-DRM-Fraktion in der W3C-Gruppe, dass DRM nicht zu Restriktionen gegen Open-Source-Software führen werde. Zudem scheint Maddock nicht der einzige zu sein, der Probleme mit Electron und DRM hat, wie er in einem Link auf einen Github-Issue zeigt. Da die meisten Browser mittlerweile auf Chrome basieren, ist das für die Zukunft von DRM in Open-Source-Browsern keine gute Nachricht und scheinen Vorab-Befürchtungen der Kritiker sich nun zu bewahrheiten.




“Told you so” trifft es hier aber voll auf den Kopf.
Ich bin sicher das diese Vorfälle erst der Anfang einer langen Reihe gewesen sind.