Sysadmin-Kolumnist Charly räumt freimütig ein, dass er SQL und Phpmyadmin genauso wenig mag wie Cobol. Dafür präsentiert er hier gleich einen neuen Freund, der auch sofort bei ihm eingezogen ist: das schlanke, attraktive Datenbanktool Adminer. Warum auch nicht?!
Als ich noch jung und AIX 4 gerade geboren waren, hatten wir im Rechenzentrum einen hauptberuflichen Datenbank-Administrator, der SQL nicht nur vorwärts komplett aufsagen, sondern auch rückwärts steppen konnte. Die Azubis nannten ihn hinter seinem Rücken »GRANT« [1] Father. Zum Glück habe ich seinen Job nicht geerbt, denn SQL rangiert auf meiner Beliebtheitsskala auf der gleichen Höhe wie Cobol – beide habe ich mal gelernt und bei beiden gebe ich mir große Mühe, sie nicht zu benutzen.
Aber im Gegensatz zu Cobol klebt mir SQL verdammt oft an der Schuhsohle wie ein alter Kaugummi. Also habe ich nach einem Tool gesucht, das mir die gängigsten SQL-Operationen erleichtert und nicht Phpmyadmin heißt, denn das liebe ich nicht besonders. Mit der losgeschickten Suchmaschine meines geringsten Misstrauens machte ich einen Volltreffer: Adminer [2]! Das Tool macht in meinen Augen eigentlich alles richtig.
Zunächst ist da die Größe: Die Variante mit mehr als 40 Sprachen kommt mit etwa 470 KByte aus, beschränke ich mich auf Deutsch oder Englisch für die Programmoberfläche, sind es kaum mehr als 300 KByte. Die nächste Überraschung: Ich muss nichts entpacken, denn Adminer besteht aus einer einzigen PHP-Datei. Die habe ich auf einen Verwaltungsserver im internen LAN kopiert. Adminer-Benutzer müssen einmal durch eine LDAP-Authentifizierung. Das Tool direkt auf dem Datenbankserver installieren, das empfiehlt sein Macher Jakub Vrána nicht.
Kleine Eingriffe
Die Auswahl an Datenbanken, auf die Adminer sich versteht, dürfte für die meisten Admins genügen: MySQL, Maria DB, PostgreSQL, SQlite, MS SQL, Oracle, Firebird, Simple DB, Elasticsearch und Mongo DB. Aus Drittquellen stehen Plugins bereit, etwa für die Administration von Moodle- oder WordPress-DBs.
So etwas brauche ich allerdings nicht, bei mir liegen meist die lästigen Alltagsreparaturen an. Da ist zum Beispiel in einer Datenbank ein Feld auf 128 Zeichen limitiert, ich will aber 200 Zeichen unterbringen. Oder, und das ist bei Weitem mein häufigster Anwendungsfall: Ich muss zu einer Tabelle schnell ein weiteres Feld hinzufügen. Damit reize ich den Funktionsumfang von Adminer zwar locker nur zu 2 Prozent aus. Aber es ist einfach eine Freude, damit zu arbeiten, wozu die wohltuend schlicht gehaltene Gestaltung maximal beiträgt (Abbildung 1).
Sogar die Funktionen und Stored Procedures könnte ich mit Adminer anlegen – aber davor werde ich mich schwer hüten. Für solche diffizilen Dinge frage ich lieber einen der Azubis von damals, den sie heute hinter seinem Rücken »GRANT« Father nennen.
Infos
- SQL-»GRANT«-Kommando: https://dev.mysql.com/doc/refman/8.0/en/grant.html
- Adminer: https://www.adminer.org






