Nach dem Wirbelsturm in Birma gilt es, die Arbeit der Helfer allen Widrigkeiten zum Trotz effektiv zu koordinieren. Dabei kommt das freie Disaster Management System Sahana zum Einsatz. Die GUI-basierte Backupsoftware Areca dagegen sichert die Daten von Desktop-Rechnern.
Freie Software hat immer auch einen sozialen Anspruch. Schließlich entstand die Open-Source-Idee aus dem Gedanken heraus, allen Menschen gleichermaßen unbeschränkten Zugriff auf Software zu gewähren. Für die einzige verpflichtende Gegenleistung, die zumindest die GPL einfordert, spielen die Finanzen keine Rolle: Weiterentwicklungen müssen lediglich frei bleiben und kommen damit erneut der Allgemeinheit zugute.
Soziales
Wer sich allerdings nicht für Software interessiert, möglicherweise nicht einmal einen Computer besitzt, wird der sozial ausgerichteten Nische “freie Software” per se kaum gesellschaftliche Relevanz zuerkennen. Das ändert sich vielleicht, wenn freie Software in der realen Welt sozial zu wirken beginnt.
Die Free Software Foundation würdigt gesellschaftliches Engagement freier Softwareprojekte seit 2005 mit dem jährlich vergebenen Social Benefit Award [1]. Die bisherigen Gewinner hießen Wikipedia [2], Sahana ([3], Abbildung 1) und Groklaw [4]. Wikipedia ist hinlänglich bekannt, Groklaw genießt ebenfalls einige Popularität für sein Bemühen um juristische Belange freier Software.

Abbildung 1: Das Disaster Management System Sahana koordiniert im Katastrophenfall die Hilfskräfte. Widrige Umstände wie leistungsschwache Hardware oder fehlende Netzanbindung sind einkalkuliert.
Sahana zielt auf die Linderung konkreten menschlichen Leids. Die Regierung von Sri Lanka initiierte das Projekt nach dem Tsunami an Weihnachten 2004. Der hatte große Landstriche in Südostasien völlig verwüstet, jetzt war ein System gefragt, um die Einsätze zu koordinieren.
Leider gibt es Naturkatastrophen immer wieder. Freie Software kann hier besonders effektiv helfen, denn die Freiheit, sie kostenlos zu verwenden und an eigene Belange anzupassen, stellt einen wichtigen Vorteil gegenüber proprietären Lösungen dar. Nach dem katastrophalen Wirbelsturm im Mai in Birma beziehungsweise Myanmar (so nennt die Militärregierung das Land offiziell seit 1989) stehen Helfer wieder vor großen Problemen. Sahana soll dazu beitragen, einige davon zu lösen.
Geschichte
Wie erwähnt rief Sri Lanka, ein von einer Katastrophe betroffenes Land, Sahana ins Leben. Die schwedische Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit SIDA (Styrelsen för internationellt utvecklingssamarbete, [5]) fand den Ansatz so vielversprechend, dass sie eine Weiterentwicklung finanzierte. Diese fand auf Basis der LGPL statt und hatte das Ziel, das System für den Einsatz bei unterschiedlichen Katastrophenfällen zu generalisieren. Sahana setzt auf Apache als Webserver, die freie Datenbank MySQL sowie PHP und Perl.
Sahana bietet eine Webplattform, auf der sich Hilfsorganisationen registrieren und über ihre Kapazitäten informieren. Um Hilfslieferungen und -leistungen zu koordinieren, publizieren sie hier auch den von ihnen ermittelten Bedarf. Freiwillige Helfer erfahren dadurch, wo sie sich am sinnvollsten einbringen, damit ihr Einsatz der jeweiligen Situation bestmöglich entspricht. Anhand von Online-Landkarten und Diagrammen (Abbildung 2) ist schnell zu erkennen, wo die von Regierungen, Hilfsorganisationen und anderen Initiativen ermittelten Probleme am drängensten sind und wie sie sich am schnellsten bewältigen lassen.

Abbildung 2: Die modulare Struktur von Sahana vereinfacht die Anpassung an situationsspezifische Bedürfnisse – beim Wirbelsturm in Birma steht die Lokalisierung im Vordergrund der Bemühungen.
Außerdem gehört zu Sahana ein Modul, das die Suche nach vermissten Personen koordiniert. Suchende können sich hier registrieren und sowohl ihren eigenen Namen als auch den von vermissten Personen eintragen. Damit ermöglicht die Datenbank, dass die Suche in beiden Richtungen stattfindet.
Widrigkeiten
Aus technischer Sicht stellt die Situation nach Naturkatastrophen hohe und recht spezielle Anforderungen. Sowohl bei der Hardware als auch bei der Netzwerkanbindung gelten andere Maßstäbe als zum Beispiel bei der Entwicklung eines Content-Managementsystems für eine westeuropäische Firma.
Sahana ist daher auf Hardware ausgelegt, die hierzulande kaum noch in Benutzung ist, geschweige denn als Server in Frage käme. Gerade Laptops mit schwachen Prozessoren und wenig RAM sind technisch für diese Aufgabe eigentlich ungeeignet, aber in schwer zugänglichen Gebieten mit großer Wahrscheinlichkeit die einzigen einsetzbaren Geräte. Deshalb geht Sahana mit den Ressourcen sparsam um und setzt die Netzanbindung nicht zwingend voraus; die Benutzer melden sich gegebenenfalls einfach lokal an. Das System funktioniert auch ganz ohne Festplatteninstallation und findet auf einem USB-Stick Platz.
Ist ein zentraler Server beispielsweise in einem Hilfszentrum mit Internetanschluss verfügbar, können Helfer die zentral gesammelten Daten kopieren und mit Laptops auch in schlechter angebundene Gebiete transportieren. Auch eine PDA-Bildschirmdarstellung ist verfügbar, die gespeicherte Informationen auf Handheld-Displays lesbar darstellt. Zwischenzeitlich erhobene zusätzliche Daten synchronisieren die Helfer dann nach ihrer Rückkehr mit dem Server.
Aktuell
Seit dem Tsunami 2004 hat Sahana Hilfsorganisationen bereits bei mehreren Naturkatastrophen unterstützt, darunter beim großen Erdbeben in Pakistan 2005, einer schwere Schlammlawine auf den Philippinen 2006 und einem Erdbeben in Indonesien im selben Jahr. Jeder Einsatz hat seine Besonderheiten, daher haben die Entwickler Sahana auf die Bedingungen in Birma zurechtgetrimmt.
Eine wichtige Rolle spielt die Lokalisierung. Gerade weil Sahana auch den Betroffenen die Möglichkeit bietet, beispielsweise Daten von vermissten Personen selbst einzutragen, muss es zunächst in die vor Ort benutzten Sprachen übersetzt werden. Im Fall von Birma hat dabei die Amtssprache Birmanisch Vorrang, die fast alle der etwa 48 Millionen Einwohner des Landes zumindest als Zweitsprache verwenden.
Um die birmanische Lokalisierung kümmert sich vor allem die Nonprofit-Organisation Instedd [6], die der gemeinnützige Google-Abkömmling Google.org gegründet hat. Instedd hat es sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe moderner Technik Krankheiten und Seuchen einzudämmen sowie auf Naturkatastrophen schnell zu reagieren. Der Einsatz von Sahana für diesem Zweck liegt nahe; Instedd hat unter [7] auch bereits eine öffentlich zugängliche Sahana-Installation eingerichtet, die auf Englisch und bei Redaktionsschluss immerhin schon teilweise auf Birmanisch vorlag (Abbildung 2).
Übersetzer gesucht
Instedd stehen wie den meisten wohltätigen Organisationen nur begrenzte Mittel zur Verfügung, das Kern-Team besteht aus lediglich vier Mitgliedern. Geschäftsführer Eric Rasmussen berichtet im Instedd-Blog [8] von den Bemühungen, in ausreichender Zahl Übersetzer zu finden. Außer an Sahana arbeiten die Entwickler an dem Tool Geochat. Es visualisiert per SMS empfangene Informationen in digitalen Landkarten wie Google Maps, Visual Earth, Google Earth, Geofusion und anderen.
Instedd-Hauptprogrammierer Eduardo Jezierski koordiniert das technische Vorgehen der freiwilligen Birmanisch-Übersetzer auf vier Kontinenten. Schwierigkeiten ergeben sich daraus, dass sich die birmanische Schrift noch nicht vollständig in Unicode darstellen lässt, wodurch es auch zu Kompatibilitätsproblemen zwischen Schriftarten in dieser Sprache kommt. Der birmanischen Sprache mächtige Übersetzer wurden bei Redaktionsschluss nach wie vor gesucht, denn es ließen sich – wie zu befürchten war – noch nicht genügend aufspüren.
Heimischer Schutzwall
Angesichts von Tsunami und Wirbelstürmen erscheint der Verlust des heimischen Festplatteninhalts plötzlich nicht mehr als GAU, sondern eher als Lappalie. Trotzdem, der Alltag am heimischen Desktop gestaltet sich wesentlich entspannter, wenn der Anwender seine Daten in Sicherheit weiß.
Datensicherung spielt sich auf dem Desktop in anderen Dimensionen ab als bei Servern, die dafür zugeschnittenen Backupsysteme tragen anderen Anforderungen Rechnung. Das freie Projekt Areca ([8], Abbildung 3) von Oliver Petrucci bietet eine grafische Oberfläche und eine Kommandozeilen-Schnittstelle. Areca liegt mittlerweile in Version 6.0.7 vor. Die Benutzeroberfläche der aktuellen Version gibt es unter anderem auf Deutsch, Englisch, Dänisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch und Niederländisch.

Abbildung 3: Auch die Daten des heimischen Desktops wollen gesichert werden. Areca bietet eine plattformunabhängige Lösung mit vielen Features.
Auch beim Betriebssystem ist Areca flexibel. Dank Java läuft die Backup-Software außer unter Linux auch unter Windows und Mac OS X. Fertig geschnürte Linux-Pakete existieren allerdings lediglich für 32-Bit-Ubuntu. Benutzer anderer Systeme finden kompilierte Binaries in einem distributionsunabhängigen Zip-Archiv.
Die Konfiguration der Backups läuft über so genannte Targets ab. Damit definiert der Benutzer, wo Areca die Sicherungen speichert. Physikalisch kann es sich dabei um die eigene Festplatte oder ein externes Gerät handelt. Alternativ zu lokalen Zielen unterstützt Areca auch Netzwerk-Backups via FTP.
Für jedes Ziel wählt der Anwender Verzeichnisse und Dateien aus, die Areca dort sichern soll. Als Backup-Verfahren stehen inkrementelles Backup, differenzielles Backup und die grammatikalisch fragwürdige Option »Komplett (volles) Backup« zur Wahl.
GUI und Konsole
Zur Wiederherstellung verlorener Daten dient ein Backup-Browser, der auf Wunsch einzelne oder alle gesicherten Dateien an ihren ursprünglichen Ort zurückbringt. Areca glänzt darüber hinaus mit einer Vielzahl weiterer Einstellungsmöglichkeiten. Es unterstützt verschlüsselte Archive oder führt auf Wunsch nach und vor der Datensicherung vom Nutzer definierte Befehle aus.
Die Areca-Oberfläche vereinfacht die meisten Aufgaben mit eingebauten Assistenten. Selbst verschlüsselte und komprimierte Backup-Archive erstellt der Anwender damit per Mausklick. Versierte Benutzer skripten Areca über die Kommandozeile.
Hackfleischpastete
Nach einer langen Backupsession erleichtert nichts mehr den Übergang in die reale Welt, als den Ofen anheizen und ein leckeres Mahl zubereiten. Eine deftige Hackfleischpastete bietet eine gute Gelegenheit, die schöpferischen Fähigkeiten eines Hobbykochs am Abend noch einmal ein wenig zu fordern, aber dennoch nicht zu überfordern, da das Gericht nicht schwierig zuzubereiten ist.
Die Zutaten: 250g Mehl, zwei Teelöffel Backpulver, 75g Margarine, ein halber Teelöffel Salz, ein achtel Liter Milch, 250g Hackfleisch, 200g Gouda oder Edamer, 250g Mungobohnen- oder Sojakeimlinge (frisch oder aus der Dose), ein bis zwei Esslöffel Sojasauce, Salz, Pfeffer und Curry.
Mehl, Backpulver, Milch, Salz und in kleine Stücke geschnittene Margarine vermengen und rasch zu einem glatten Teig kneten. Drei Viertel des Teigs ausrollen und eine gefettete Springform damit auslegen. Den restlichen Teig kühl stellen. Für die Füllung den Käse in Würfel schneiden, das Hackfleisch anbraten, mit etwas Salz und Pfeffer würzen. Die abgetropften Keimlinge hinzufügen und kurz mit anbraten. Herd ausschalten, Sojasauce hinzugeben und den Käse unterrühren. Mit etwas Curry würzen.
Die fertige Füllung in die Form geben, den restlichen Teig ausrollen und die Füllung damit bedecken. Den Rand eindrücken, um die Teigtasche zu schließen. Vor dem Backen auf der Oberseite mit der Gabel einige Male einstechen. 35 Minuten im Ofen backen. (pkr)
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Infos |
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[1] Free Software Foundation: [http://www.fsf.org/awards/sb-award] [2] Wikipedia: [http://www.wikipedia.org] [3] Sahana: [http://www.sahana.lk] [4] Groklaw: [http://www.groklaw.net] [5] SIDA: [http://www.sida.se] [6] Instedd: [http://www.instedd.org] [7] Sahana-Lokalisierung von Instedd: [https://sahana.instedd.org] [8] Areca: [http://areca.sourceforge.net] |





