
Abbildung 1: Identitätsmanager unter sich. Von links nach rechts: Journalist und Track-Moderator Dave Kearns, IAM-Architekt Kim Cameron von Microsoft, Linux-Integrator Jackson Shaw von Quest, Felix Gaehtgens von der Veranstalterfirma und Bandit-Vater Dale Olds von Novell. (Foto: Kuppinger Cole & Partner)
Europäische Softwarefirmen für Identitäts- und Access-Management (IAM) hielten vom 22. bis 25. April in München ein Branchentreffen ab. Die Teilnehmer kamen aus dem Umfeld der Veranstalter und sorgten für eine familiäre Atmosphäre bei Trenddiagnose und -diskussion.
Um zu zeigen, wer man in der Branche ist, repräsentierten sich rund 20 Aussteller mit Ständen und Stehtischen. Sie waren gleichzeitig Sponsoren der Veranstaltung und erhielten Ausstellerfläche, die ihrem finanziellen Beitrag entsprach. Die kleineren Stände waren im fensterlosen Untergeschoss untergebracht. “Hauptsache, man zeigt Präsenz”, so kennzeichnete einer der Hauptsponsoren die Lage.
Licht ist Luxus
Die European Identity Conference (EIC) war nach Auskunft der Veranstalter als B2B-Veranstaltung gedacht, auf der sich die Branche treffen, austauschen und einen kollegialen Blick auf die Konkurrenz werfen kann (Abbildung 1). So war es auch: Man war unter sich und besprach, wie der Markt aussieht.

Abbildung 1: Identitätsmanager unter sich. Von links nach rechts: Journalist und Track-Moderator Dave Kearns, IAM-Architekt Kim Cameron von Microsoft, Linux-Integrator Jackson Shaw von Quest, Felix Gaehtgens von der Veranstalterfirma und Bandit-Vater Dale Olds von Novell. (Foto: Kuppinger Cole & Partner)
Das Ausstellergeschäft stellte indes nicht jeden zufrieden, weil die Räumlichkeiten in ein Erdgeschoss und ein fensterloses Untergeschoss aufgeilt waren. Fast war es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Unten war es einigen zeitweise langweilig: “Es kommt kaum einer vorbei, die Pausen zwischen den Vorträgen sind zu kurz”, quengelte ein Aussteller. Ihm mache auch das künstliche Licht zu schaffen. Ein weiterer sagte zum Linux-Magazin, dass er nächstes Jahr vielleicht nur für die Vorträge käme, ohne eigenen Stand. Mehrere Teilnehmer beurteilten die Vorträge als “hochkarätig”.
Business unter sich
Die Vorträge waren in fünf parallelen Tracks organisiert und gaben den Tagestakt an. Stündlich wechselten die Redner, die Lösungen vorstellten oder in moderierten Podium-Talks Trends oder Anwendungsbereiche, etwa IAM aus Sicht des Anwenders, unter Beteiligung des Publikums diskutierten. Insgesamt wohnten etwa 430 Teilnehmer bei.
In das Rahmenprogramm um den straffen Plot hatten die Veranstalter üppig investiert. Davon zeugten reichhaltiger Lunch, abendliche Livebands und Buffets. Das Ambiente führte bei den Teilnehmern dazu, die Krawatten zu lockern und kollegiale, neugierige oder geschäftige Stehtischrunden zu bilden. Wer von morgens bis abends durchhielt, hatte für seine immerhin fast 2000 Euro Teilnahmegebühr reichlich Gelegenheit zu Mauerblicken und Repräsentation.
In den Vorträgen streckte man die Beine von sich, kreuzte die Arme und legte konzentriert den Kopf schief. Mehrere Zuhörer machten sich Notizen. Die Erwartungen an die vorgetragenen Inhalte waren augenscheinlich hoch.
Pespektiven-Wechsel
Endanwender waren nicht da, wurden aber besprochen. George Fletcher, Chef-Architekt für IAM bei AOL, hat mit einigem Stolz die AOL-Weboberfläche vorgestellt, die über ein Funktions-Icon Anwendungen ineinander integriert, etwa den Messenger in Webmail. Der User habe Zugriff auf verschiedene Dienste und gleichzeitig Kontrolle über seine persönlichen Daten. Ein Popup weist ihn etwa bei Aufruf des Messengers darauf hin, dass nun seine Buddy-List eingelesen werde. Dies könne er auch ablehnen, erläuterte Fletcher zufrieden.
Ein Zuhörer fragte, ob der Endanwender den Messenger bei Ablehnung trotzdem benutzen könne. Der AOL-Ingenieur blieb eine klare Antwort schuldig und erreichte damit die Mahnung des Fragestellers, dass man schon aus eigenem Interesse Endanwender-Bedürfnisse wie Datenschutz nicht aus den Augen verlieren dürfe. Sonst beiße man die Hand, die einen füttert.
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Linux-Magazin Online hält unter [https://www.linux-magazin.de] weitere Berichte von der Konferenz bereit. Außerdem hat die Online-Redaktion Einzelinterviews mit Jackson Shaw und Dale Olds geführt und auf Video aufgezeichnet. Als Suchwort auf Linux-Magazin Online kann »Identity« dienen. |
Nase an den Trends
Frisch zur Konferenz lagen die Ergebnisse einer CIO-Befragung vor, die das Zusammenspiel von IAM und Service-orientierter Architektur (SOA) beleuchtet. Der Veranstalter (Abbildung 2) und die Wirtschaftsprüfer von der Ernst & Young AG hatten untersucht, wie generelles IT-Management in den befragten Unternehmen aussieht und wie das SOA-Deployment auf das IAM abgestimmt ist.

Abbildung 2: Martin Kuppinger war mit der Firma Kuppinger, Cole und Partner einer der Veranstalter. Er stellte unter anderem eine CIO-Befragung vor.
Effiziente IT-Abläufe finden die befragten CIOs nicht so wichtig, sie legen mehr Wert darauf, die Konkurrenzfähigkeit zu stärken. “Reengeneering Governance” leiteten die Consultants als Maxime aus dieser Divergenz von IT und Management ab: Firmen täten ihrer Meinung nach gut daran, die IT-Architektur nicht isoliert vom Business-Management zu betrachten. Consultant Kuppinger kleidete das in ein schwungvolles SOA-Konzept. Nach dem Vortrag bekannte ein Teilnehmer auf dem Flur einem anderen: “Also, was der Kuppinger sagt, das ist mir zu hoch.”
Erwachsen
Die EIC fand zum zweiten Mal statt. Dieses Jahr sei IAM im Kontext von Governance im Gespräch, also aus der Perspektive der Unternehmensführung, erläuterte Kuppinger gegenüber dem Linux-Magazin die Trends. Letztes Jahr sei Compliance interessanter gewesen, das Einhalten von Regeln. Open Source findet Kuppinger wichtig, etwa für die Integration von OpenLDAP. IAM spiele sich aber auf Standardebene ab: “Die Plattform hat an Gewicht verloren. Wir sind da alle ein bisschen erwachsener geworden.




