
Abbildung 1: Dass Linux-Benutzer statt »ifconfig« besser »ip« nehmen sollten, hat sich rumgesprochen. Nur, wie geht die Syntax des Kommandos?
Fast immer, wenn man eine Doku braucht, ist die mitgelieferte lückenhaft oder veraltet – oder beides. Sysadmin-Kolumnist Charly Kühnast empfiehlt einen radikal anderen Ansatz: Die universelle Community-Dokumentation Cheat.sh, der kein Linux-Kommando und kaum eine Programmiersprache fremd ist.
Schon in der Schule haben uns die Lehrer und Lehrerinnen ermuntert, Spickzettel anzufertigen – obwohl ihre Benutzung verboten war. Denn bereits das Schreiben eines Spickzettels hilft, Dinge länger im Kopf zu behalten. Auch nach der Schule sind Spickzettel nützlich.
Ich besitze zum Beispiel eine Kaffeetasse, die mit vielleicht 50 wichtigen Vim-Kommandos bedruckt ist. Die konsultiere ich gelegentlich für etwas obskurere Editor-Fingerübungen. Seltsam: Der korrespondierende 20-Liter-Eimer mit dem Basis-Kommandosatz für Emacs, den ich bei einem CCC-Kongress gesehen habe, scheint ein Einzelstück geblieben zu sein – ganz klar eine Marktlücke.
Einen elektronischen Spickzettelkasten, in dem ich Codeschnipsel und Mini-Anleitungen archiviere, habe ich mir in Nextcloud angelegt. Trotzdem beschäftigen mich immer wieder Fragen, für die ich zur Suchmaschine meines geringsten Misstrauens greifen muss. Wie überschreibe ich noch gleich eine MAC-Adresse? Wie sortiere ich ein Array in Go? Wie finde ich das Mime-Encoding einer Datei heraus? Hätte ich doch nur einen Spickzettel dafür!
Voilà: Cheat.sh ist diese Gedankenstütze. Der Name leitet sich von Cheat Sheet ab, dem englischen Begriff für Spickzettel. Igor Chubin, der Autor, stellt ein Online-Repository bereit, das per HTTP(S) kommandozeilenfreundlich Tipps gibt. Ein Beispiel: Statt »ifconfig«, das ja bekanntlich out ist, sollen Linuxer »ip« benutzen. Wie war gleich die Syntax? Ich tippe mal
curl cheat.sh/ip
in die Kommandozeile, und Cheat.sh liefert prompt die wichtigsten Beispiele (Abbildung 1). Hier steht auch die Antwort auf meine konkrete Frage, wie ich eine MAC-Adresse überschreiben kann.
Vielsprachig
Cheat.sh versteht sich nicht nur auf Linux-Systemkommandos, es liefert auch Tipps zu mehr als 60 Programmiersprachen. Die Anfragen folgen stets der Syntax:
curl cheat.sh/Sprache/Stichwort
Wie schreibe ich in Ruby etwas in eine Datei? Ich finde es heraus:
curl cheat.sh/ruby/write
Cheat.sh’s Antwort kann sich sehen lassen:
File.open(yourfile, 'w') { |file| file.write("your text") }
Wäre mir Ruby völlig fremd und wollte ich mir einen Überblick über die Sprache verschaffen, so erhalte ich mit dem Kommando
curl cheat.sh/ruby/:learn | less
eine kompakte, aber umfassende Einführung. Neben den Abfragen per Curl kann ich auch einfach die Webseite https://cheat.sh benutzen, zudem gibt es einen kleinen Bash-Client [1], der mir die Eingabe von »curl« erspart. Oder ich baue mir dafür einen Alias. Wie das geht, erklärt mir »curl cheat.sh/alias«.
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