Gestandene Admins haben für gewöhnliche Mausschubser oft nur ein nachsichtiges Lächeln – sie schwören, dass sie mit den Fingern auf der Tastatur effizienter arbeiten, selbst wenn sie sich vertippen.
Wenn Linuxer die Tools auf der Kommandozeile oft benötigen und auswendig parat haben, dann sind diese sicher viel schneller getippt als im GUI mehrere Ebenen eines Menüs durchblättert. Aber auch der versierteste Kommandozeilenprofi vertippt sich dabei mal. Kein Beinbruch, denn als Profi kennt er auch die besten Tricks, um die verunglückte Zeile doch noch schnell und einfach zu retten.
ehco "config value" > config.file ehco: Befehl nicht gefunden.
Ups, das sollte natürlich »echo« heißen. Aber kein Problem, nur nicht mehr tippen als nötig:
^ehco^echo echo "config value" > config.file
Der Ausdruck mit dem senkrecht gestellten Größer-als (Ascii 94, meist auf der Taste links neben der “1” auf der obersten Reihe) ersetzt im zuletzt eingegebenen Befehl das erste durch das zweite Wort. Mehr als einmal pro Zeile sollte sich der Benutzer aber nicht verschreiben.
Was aber tut derjenige, der sich gar nicht vertippt, sondern schlicht vergessen hat einen Teil des Befehls einzugeben? Dann nutzt das Austauschen von Worten in der Zeile nichts. Aber einen Shell-Trick gibt es auch dafür:
$ apt-get install netperf E: Sperrdatei /var/lib/dpkg/lock konnte nicht geöffnet werden - open (13: Keine Berechtigung) E: Sperren des Administrationsverzeichnis nicht möglich, sind Sie root?
In diesem Fall hat der Admin »sudo« am Anfang der Zeile vergessen. Und auch hier braucht er nichts doppelt zu tippen:
$ sudo !! sudo apt-get install netperf [sudo] password for jcb: [...]
Die Bash ersetzt hier das doppelte Ausrufezeichen durch das zuletzt eingegebene Kommando. »!!« gehört zu den History-Funktionen, die beinah jedes Kommando hervorkramen können. So repetiert
!-2
das vorletzte Kommando, nach dem Minuszeichen folgt der relative Abstand zur aktuellen Eingabe angegeben.
Aber wenn man sich da nicht mehr so sicher ist? Kein Problem. Das einfachste Verfahren ist dann mit den [Pfeil hoch]+- und [Pfeil runter]-Tasten durch die letzten Befehle zu scrollen. Sie erscheinen dabei nacheinander hinter dem Prompt und lassen sich dort sofort editieren oder erneut abschicken. Wenn die Eingabe etwas weiter zurückliegt, kann
history 20
helfen. Es zeigt die letzten 20 Kommandos, die der Admin eingetippt hatte, zusammen mit einer fortlaufenden Nummer an. Sie wieder aufzurufen gelingt mit:
! Nummer_des_Kommandos
Schließlich läßt sich die gemerkte Kommandoliste auch durchsuchen. Dazu tippt man [Ctrl]+[R] und den Anfang des gesuchten Kommandos. Sobald die Shell einen Treffer findet, legt sie das vollständige Kommando auf die Eingabezeile.
Organisierter Suchtrupp
Das Suchen in der History funktioniert sogar, wenn der Benutzer bereits angefangen hatte die Zeile neu zu tippen und ihm währenddessen einfällt, es lieber in der History zu suchen. Wenn er so ein Kommando-Fragment vor sich hat, springt er mit [Ctrl]+[A] zum Zeilenanfang und bereitet mit [Ctrl]+[R] die Rückwärtssuche vor. Mit [Ctrl]+[Y] setzt er den schon getippten Anfang als Suchbegriff ein und startet per [Ctrl]+[R] die eigentliche Suche.
Wie weit zurück das Gedächtnis der Shell reichen soll, stellt der Admin über die Environmentvariablen »HISTSIZE« und »HISTFILESIZE« ein. Setzt er sie auf Null, schaltet das die History ab – bei einem Wert kleiner Null, gibt es kein Limit.





